Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Freitag, 10.02.2012
Perm
Das größte Aussterben der Erdgeschichte

Zeit: vor rund 250 Millionen Jahren
Ausmaß: 95 Prozent aller marinen Arten, 70 Prozent aller landlebenden Organismen, größtes Massenaussterben der Erdgeschichte
Prominente Opfer: säugetierähnliche Reptilien (Therapsiden)
Ursachen: Meteoriteneinschlag, Vulkanismus, Klima- oder Meeresspiegelschwankungen oder eine beliebige Kombination dieser Faktoren.

Therapside 
Therapside
© Naturkundemuseum Oslo
Vor rund 280 Millionen Jahren hatte sich das Leben endgültig auf dem Festland etabliert: Riesige Bärlappwälder wechselten mit weiten Steppen, Insekten bevölkerten Boden, Vegetation und den Luftraum.

Unter den Wirbeltieren lösten die Reptilien die Amphibien ab. Sie waren nun für ihre Fortpflanzung nicht mehr auf Wasser angewiesen und konnten sich auch abseits der Küsten auf dem Land ausbreiten. Im Laufe der Zeit entwickelten sie immer mehr säugetierartige Züge: Ihre Kiefer und Zähne waren ähnlich differenziert wie die der heutigen Säugetiere, sie lebten sowohl als Pflanzen- und Insektenfresser als auch als räuberische Fleischfresser.

Zudem waren die Therapsiden wahrscheinlich wenigstens teilweise warmblütig und konnten dadurch ihre Körpertemperatur selbst regulieren. Dies ermöglichte es ihnen, auch dann aktiv und beweglich zu sein, wenn die Kälte primitivere Reptilien oder Amphibien schwerfällig und träge machte. Vermutlich hatten sie entweder ein Fell oder aber eine wärmeisolierende Fettschicht unter der Haut, die ihnen half, ihre Körpertemperatur zu halten. Hätten sie noch einige Millionen Jahre mehr Zeit gehabt, wäre diesen Säugetierähnlichen Reptilien vermutlich der Entwicklungssprung zu echten Säugern gelungen.

 Das größte Aussterben der Erdgeschichte: Perm
Das größte Aussterben der Erdgeschichte: Perm
© Kevinzim / CC-by-sa 2.0  Das größte Aussterben der Erdgeschichte: Perm
Land und Meer betroffen
Doch es kam anders: Vor 248 Millionen Jahren ereignete sich das schlimmste Massenaussterben der gesamten Erdgeschichte. Zum ersten Mal traf eine solche biologische Krise nicht nur das Meer, sondern auch das Festland und seine Bewohner mit voller Härte: Bis zu 95 Prozent aller Tier- und Pflanzenarten im Ozean und mehr als drei Viertel aller Landwirbeltiere weltweit starben aus. Unter ihnen acht der 27 Insektenordnungen, fast alle Korallenarten, Seeschnecken und Schwämme. Auch die in der Blüte ihrer Entwicklung stehenden Therapsiden wurden fast restlos ausgelöscht.

Das "große Sterben" erstreckte sich vermutlich über fünf Millionen Jahre hinweg, nach neueren Datierungen könnten es jedoch sogar nur wenig mehr als eine Million Jahre gewesen sein. Die Ursachen liegen noch im Dunkeln. Lange Zeit galt ein Klimawandel, der das irdische Thermostat von gemäßigt-kühl wieder auf tropisch-warm verschob, als wahrscheinlichster Auslöser.

Es gibt inzwischen allerdings auch Hinweise auf eine zeitliche Übereinstimmung des Massenaussterbens einer Phase heftigen und langanhaltenden Vulkanismus, lokalisiert im sibirischen Trapp-Plateau. Andere Funde deuten auf einen möglichen Meteoriteneinschlag hin. Welcher dieser Faktoren der entscheidende Auslöser war, oder ob vielleicht eine Kombination aller in Frage kommen könnte, ist noch ungeklärt.

zurück   | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 | 13 | 14 | 15 | 16 | 17 | 18 | 19 | 20 | 21 |    weiter
Artikel drucken   Dossier komplett anzeigen
Suche
Erweiterte Suche
Diaschauen zum Thema
Die großen Massenaussterben
Archaeopteryx und Co.
Klimafolge Artensterben
Welt der Dinosaurier
Fossilien
Facts
Überblick
Das Wichtigste in Kürze
Artikel zum Thema
Massenaussterben
Katastrophale "Unfälle" der Evolution?
Überlebensrate 0,1 Prozent
Aussterben prägt die Erdgeschichte
Mehr als nur eine Frage der Masse...
Was kennzeichnet ein Massenaussterben?
Kambrium
Das "Aus" für die Trilobiten
Ordovizium
Aufstieg und Fall der räuberischen Nautiloideen
Devon
Die Ära der Panzerfische
Perm
Das größte Aussterben der Erdgeschichte
Trias
Als die Vorfahren der Saurier starben...
Kreide-Tertiär
Der Untergang der Dinosaurier
Wer war's?
Der erste Verdächtige: Meeresspiegelschwankungen
Todesfalle Temperatur?
Der zweite Verdächtige: Klimawandel
Kosmische Katastrophe?
Der dritte Verdächtige: Ein Meteoriteneinschlag
Kosmischer Killer oder Nebenschauplatz?
Die möglichen Auswirkungen eines Meteoriteneinschlags
Feuerspeiende Erde
Der vierte Verdächtige: Katastrophale Vulkanausbrüche
Flammendes Inferno mit globalen Folgen?
Die möglichen Folgen des Dekkan-Trapp-Vulkanismus
Impakt oder Vulkanismus?
Der Streit um das Aussterben der Dinosaurier
Der Fall Nemesis
Sind Massenaussterben periodisch wiederkehrend?
Tod mit System?
Periodizität als heißes Eisen und Streitfall
Wildwasser statt ruhiger Fluss
Massenaussterben als Motor der Evolution
Pech, Zufall oder Vorsehung?
Wer wird Opfer?
Wie stirbt man aus?
Faktoren, die das Aussterben begünstigen
Top-Diaschauen
Überleben im Winter
2012 und die Maya
Die großen Massenaussterben
Quallen
Riesenschlangen
Aktuelle Dossiers
Klima-Hotspot Moorböden
Wie Forscher den Treibhausgas-Emissionen von Mooren auf die Spur kommen
Schwelbrände im Gewebe
Chronische Entzündungen und ihre Ursachen
Röntgenblick in die Geheimnisse der Mumien
Neue bildgebende Verfahren helfen bei der Erforschung menschlicher Relikte
Auf Kante
Warten auf „The Big One“
Auch Pflanzen besitzen Stammzellen
Unerschöpflich kreativ
Energie-Produzent Gebäude
Wie Häuser zu Kraftwerken werden
Bermudas Unterwelt
Expedition zu den unterirdischen Salzwasserhöhlen einer Tropeninsel
Alte Seuchen in neuem Licht
Forscher untersuchen Resistenz gegen Pest und Cholera
Mehr Licht im Dunkel der Mars-Trabanten
Mit Mars Express und Phobos Grunt bei den „Söhnen“ des Kriegsgotts
Mikrobielle Mitbewohner auf Weltreise
Bakterien in Magen und Speichel helfen beim Erforschen menschlicher Wanderungen