Gut getarnt, ist halb gewonnen - scinexx | Das Wissensmagazin
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Tricks zum Überleben

Gut getarnt, ist halb gewonnen

Optische Täuschung, Geruch- und Geräuschlosigkeit sowie besonders angepasste Verhaltensweisen ermöglichen es vielen Tieren in ihrem Lebensraum wenig oder gar nicht aufzufallen.

Nicht immer ist diese Anpassung an den Lebensraum so simpel wie bei Eisbären, Polarfüchsen oder Schnee-Eulen, die aufgrund ihrer weißen Farbe in den schnee- oder eisreichen kalten Regionen der Erde kaum auszumachen sind. Der Polarfuchs, Alopex lagopus, der in den arktischen Tundren Europas, Asiens und Nordamerikas lebt, kann seine Fellfarbe – wie viele andere Tiere auch – darüberhinaus sogar der Jahreszeit anpassen. Nur im Winter ist sie völlig weiss, im relativ milden Sommer trägt der Eisfuchs dagegen ein dunkelbraunes Haarkleid, mit dem er in der aufgetauten morastigen Steppenlandschaft gut getarnt ist.

Streifen- und Fleckenmuster helfen gefährlichen Raubtieren wie Tiger, Leopard oder Jaguar mit der Umgebung fast völlig zu verschmelzen und so ihre Chancen bei der Jagd deutlich zu verbessern. Die Frischlinge von Wildschweinen, die Kitze der Rehe und Hirsche, aber auch die Jungtiere vieler Vogelarten sind häufig nicht in der Lage, sich gegen Räuber zur Wehr zu setzen oder rechtzeitig zu fliehen. Sie nutzen eine solche Färbung deshalb, um sich vor dem Gefressen werden zu schützen. Und noch eine andere Verschleierungstaktik hat sich die Natur einfallen lassen, um vor allem die „lieben Kleinen“ zu schützen: Viele Tierkinder kommen ohne Eigengeruch zur Welt und besitzen auf diese Art und Weise noch eine weitere natürliche Tarnkappe.

Andere Tiere wie das berühmte Chamäleon sind in der Lage als Anpassung an ihre Umwelt die Farbe zu wechseln, um bei einem notwendigen Ortswechsel weiterhin nicht großartig aufzufallen.

Wichtig beim Tarnen und Täuschen ist es auch, auffällige Körperteile wie Augen oder Ohren gut in ein unauffälliges Gesamtmuster zu integrieren. Das Auge des Dachses beispielsweise verschwindet in den schwarzen Fellstreifen des Kopfes fast völlig und auch bei zahlreichen Fischarten werden die Augen häufig in schwarzen Körperflecken erfolgreich versteckt.

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Einige Tiere müssen aber noch ein anderes Problem lösen, um in ihrem Lebensraum erfolgreich zu sein: Die Tarnung des eigenen Schlagschattens, der selbst sonst gut angepasste Tiere verrät. Aber auch hier hat sich die Natur im Laufe der Zeit einiges einfallen lassen. Zahlreiche dunkle Fellpartien, die mehr oder minder zufällig über die gesamte Körperoberfläche verteilt zu sein scheinen, führen dazu, dass der Schatten mehr und mehr mit dem gesamten Erscheinungsbild und der Umgebung verschwimmt.

Platt wie eine Flunder

Manche Meeresbewohner schwächen stattdessen ihren Schatten beispielsweise durch eine seitliche Abflachung des Körpers ab. Andere Tierarten wie Steinfische graben sich auf der Beutejagd gleich ganz in den Boden ein, um nicht durch den dunklen „Doppelgänger“ ihr Dasein zu verraten.

Eine ganz andere, aber wirksame Methode, sich unsichtbar zu machen, haben die Tintenfische entwickelt. Sind sie trotz aller sonstigen Tarntricks wie Farbwechsel doch einmal von Feinden aufgespürt worden, katapultieren sie auf der Flucht den Inhalt ihres Tintenbeutels ins Wasser. Im Schutz der Farbwolke versuchen sie dann zu entkommen.

Mehr scheinen als sein

Die optischen Täuschtricks beschränken sich im Tierreich nicht darauf eine Tarnkappe anzulegen, auch das Gegenteil kann hilfreich sein, um potentielle Feinde zu verwirren. So spannt die Kragenechse Nordaustraliens und Neuguineas bei Gefahr ihre breite Halskrause wie einen Schirm auf und schlägt so fast jeden Angreifer in die Flucht. Und selbst harmlose Schmetterlinge wie das Tagpfauenauge sind in der Lage, Singvögel und andere Fressfeinde massiv zu erschrecken. Wird der Falter angegriffen, breitet er seine Flügel aus und präsentiert die großen bunten Augenflecken. Oft reicht dieser Bluff aus um den fliegenden Räuber zu irritieren und zu vertreiben.

Marienkäfer © USDA

Viele giftige oder ungenießbare Lebewesen wie die Marienkäfer, Wespen oder Feuersalamander tragen in der Natur zu diesem Zweck besonders auffällige Farben oder Zeichnungen. Dabei dominieren rot-schwarze oder gelb-schwarze Körperfärbungen. Nach dem Prinzip „Trial and error“ lernen potentielle Fressfeinde Tiere mit einer solchen Warntracht in Zukunft zu meiden.

Gibt es noch ausgefeiltere Tarn- und Täuschmanöver im Tierreich? Wie entwickeln sie sich? Warum verändern sich bestimmte Arten im Laufe der Zeit? Welche Rolle spielt dabei die natürliche Auslese? Antworten auf diese und viele andere Fragen finden sie auf den folgenden Seiten…

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Stand: 08.12.2001

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Maskenball im Tierreich
Tarnen und Täuschen als Überlebensstrategie

Überblick
Das Wichtigste in Kürze

Gut getarnt, ist halb gewonnen
Tricks zum Überleben

Evolution im Rekordtempo
Industriemelanismus beim Birkenspanner

Tarnkappe Umwelt
Mimese

Eine Sensation im brasilianischen Urwald...
Batessche Mimikry

Ein Plagegeist als Vorbild
Mimikry bei Wespen

Imitieren um zu jagen
Angriffs-Mimikry

Mundraub als Überlebensstrategie
Von Skuas und Kermadecs

Wenn sich Räuber als Putzteufel tarnen
Mimikry bei Putzerfischen

Abschrecken durch Uniformität
Müllersche Mimikry

Das Rätsel um die Korallenschlangen...
Mertensche Mimikry

Von Tintenfischen, Blattläusen und Meisen
Optische, chemische und akustische Mimikry

Wenn Pflanzen Tiere imitieren
Orchideen und ihre Methoden zur Fortpflanzung zu kommen

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