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Mimese

Tarnkappe Umwelt

Käfer, die Steine imitieren, Spannerraupen die eine starre Haltung annehmen und dann kleinen Zweigen zum Verwechseln ähnlich sehen, Fische die Seegras kopieren – Beispiele für die Nachahmung unauffälliger Einzelheiten der natürlichen Umwelt gibt es im Tierreich außerordentlich viele. Gerade Insekten, die auf der Blattoberseite leben, zeichnen sich dabei durch besonderen Einfallsreichtum aus.

Gespenstheuschrecke © Frank Hofmann

Anders als bei den vielen Tarntrachten liegt der Sinn dieses auch als Mimese bezeichneten Phänomens nicht darin, für Fressfeinde oder Beutetiere völlig unsichtbar zu werden, sondern darin, leblos und damit uninteressant zu erscheinen.

Je nachdem, ob es sich bei dem imitierten Gegenstand um Tiere, Pflanzen oder leblose Teile der Umgebung handelt, unterscheiden manche Tierforscher noch weiter zwischen Zoo-, Phyto- oder Allomimese.

Besonders spektakuläre Beispiele für derartige Nachahmungstrachten liefern die Gespenstheuschrecken, die mit mehr als 2.500 verschiedenen Arten in den äquatornahen tropischen Gebieten leben. Ihren Namen verdanken die bis zu 35 Zentimeter großen und meist flügellosen Insekten ihrem außergewöhnlichen Aussehen. In Form und Gestalt imitieren diese Tiere nahezu perfekt Pflanzen- und Baumteile und täuschen so Freund und Feind. Manche dieser Arten haben einen langgestreckten stabförmigen Körper – die sogenannten Stabschrecken – andere ähneln dagegen einem gelben, grünen oder braunen Blatt und sind deshalb auch als Wandelnde Blätter bekannt.

Wandelndes Blatt © Michael Scherer

Um ihre Tarnung perfekt zu machen, hocken die Gespenstheuschrecken tagsüber stundenlang fast völlig bewegungslos an ihrem Platz. Erst im Schutz der Dunkelheit werden sie aktiver, aber auch dann bewegen sich die reinen Pflanzenfresser nur langsam vorwärts und fallen dadurch im gewaltigen Blätterwerk der Pflanzen kaum auf. Und sogar bei der Paarung zeigen diese außergewöhnlichen Tiere eine erstaunliche Geduld: Männchen und Weibchen „kleben“ bei der Begattung manchmal tagelang aneinander, ohne sich viel zu bewegen.

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Einige Stabschreckenarten treiben ihre Täuschungs- und Tarnungsmanöver noch weiter. Im Rhythmus von Tag und Nacht wechseln sie die Körperfarbe und sind dann in der natürlichen Umgebung fast gar nicht mehr auszumachen.

Tiere, die zu solchen Imitationen in der Lage sind, leben aber nicht nur an Land. Auch im Meer finden sich immer wieder Kostproben für solche Täuschungsmanöver. Der Geisterpfeifenfisch beispielsweise, ein naher Verwandter der Seepferdchen, tummelt sich am liebsten zwischen Stachelhäutern wie Feder- und Haarsternen oder Hornkorallen und kopiert diese bis ins Detail.

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Stand: 08.12.2001

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Maskenball im Tierreich
Tarnen und Täuschen als Überlebensstrategie

Überblick
Das Wichtigste in Kürze

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