Das Rätsel um die Korallenschlangen... - scinexx | Das Wissensmagazin
Anzeige
Anzeige

Das Rätsel um die Korallenschlangen…

Mertensche Mimikry

Rot-gelb-schwarzes Ringmuster und tödlich giftig. So oder so ähnlich stellt man sich meist die Korallenschlangen vor, die in den tropischen und subtropischen Regionen Amerikas immer wieder für Unheil und Aufregung sorgen.

Korallenschlange © California Academy Of Sciences / Wolfgang Wuster

Aber nicht alle Korallenschlangen, zu denen mehr als 75 verschiedene Arten aus zwei Familien gehören, werden diesem schlechten Image auch wirklich gerecht. Zwar zeigen Korallenschlangen bis auf wenige Ausnahmen wirklich das typische bunte Ringelmuster, giftig sind sie deshalb aber noch lange nicht alle. Neben wirklich hochgiftigen Exemplaren, findet man auch weniger giftige Arten und manche Korallenschlangen sind sogar völlig ungiftig. Dafür können diese ihren Opfern aber sehr schmerzhafte, stark blutende Bisswunden zufügen.

Klarer Fall von Batesscher Mimikry könnte man auf den ersten Blick vermuten. Aber sind die hochgiftigen, auch als echte Korallenschlangen bezeichneten Tiere, in diesem Fall wirklich die Vorbilder und die ungiftigen die Nachahmer? Und wieso existierten dann noch mäßig giftige Varianten? Auf diese Fragen wussten die Zoologen lange Zeit keine passende Antwort.

Auffällig gemusterter Schlangenkopf © California Academy Of Sciences / Wolfgang Wuster

Erst ein Reptilienexperte namens Mertens brachte mit seinen Tierstudien im Jahr 1956 mehr Licht in das Dunkel dieser komplizierten Mimikryvariante. Die hochgiftigen Korallenschlangen fielen – das ließen Interpretationen seiner Beobachtungen erkennen – als Vorbilder für die Mimikry aus, weil ihr Biss für Feinde wie kleine Raubtiere oder Vögel in kürzester Zeit absolut tödlich war. Wenn die Fressfeinde aber im Nu starben, konnten sie auch nicht lernen, solche auffällig gemusterten gefährlichen Schlangenarten in Zukunft zu meiden.

Deshalb kamen ausschließlich die mäßig giftigen Korallenschlangen als Modell für die Ausbildung dieser Mimikry-Form in Frage. Nur ihre Bisse konnten Feinde überleben und anschließend Rückschlüsse für ihr Verhalten daraus ziehen. Die beiden anderen Gruppen, die hochgiftigen und die ungiftigen, waren in diesem Fall Nachahmer und haben sich im Laufe der Evolution vom Aussehen her an die mäßig giftigen Korallenschlangenarten angepasst.

Anzeige

Diese Form von Mimikry, bei der nicht die gefährlichste oder giftigste Art der „Trendsetter“ ist, sondern eine gemäßigte andere, wird von Wissenschaftlern meist als Mertensche Mimikry bezeichnet.

  1. zurück
  2. |
  3. 1
  4. |
  5. 2
  6. |
  7. 3
  8. |
  9. 4
  10. |
  11. 5
  12. |
  13. 6
  14. |
  15. 7
  16. |
  17. 8
  18. |
  19. 9
  20. |
  21. 10
  22. |
  23. 11
  24. |
  25. 12
  26. |
  27. 13
  28. |
  29. 14
  30. |
  31. weiter


Stand: 08.12.2001

Anzeige

In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Maskenball im Tierreich
Tarnen und Täuschen als Überlebensstrategie

Überblick
Das Wichtigste in Kürze

Gut getarnt, ist halb gewonnen
Tricks zum Überleben

Evolution im Rekordtempo
Industriemelanismus beim Birkenspanner

Tarnkappe Umwelt
Mimese

Eine Sensation im brasilianischen Urwald...
Batessche Mimikry

Ein Plagegeist als Vorbild
Mimikry bei Wespen

Imitieren um zu jagen
Angriffs-Mimikry

Mundraub als Überlebensstrategie
Von Skuas und Kermadecs

Wenn sich Räuber als Putzteufel tarnen
Mimikry bei Putzerfischen

Abschrecken durch Uniformität
Müllersche Mimikry

Das Rätsel um die Korallenschlangen...
Mertensche Mimikry

Von Tintenfischen, Blattläusen und Meisen
Optische, chemische und akustische Mimikry

Wenn Pflanzen Tiere imitieren
Orchideen und ihre Methoden zur Fortpflanzung zu kommen

Diaschauen zum Thema

keine Diaschauen verknüpft

News zum Thema

keine News verknüpft

Dossiers zum Thema

Tintenfische - Intelligente Anpassungskünstler unter Wasser

Anzeige
Anzeige