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Mittwoch, 29.03.2017
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Entzündungsenzym und Braunfett als neue Schlankheitshelfer?

COX-2 fördert Bildung von leicht verbrennbarem braunem Fettgewebe

Das körpereigene Entzündungsenzym COX-2 könnte zukünftig als neuer Helfer beim Abnehmen fungieren. Wie Forscher jetzt in „Science“ berichten, regt das Enzym bei Mäusen die Neubildung von braunem Fettgewebe an, das im Gegensatz zu den hartnäckigen weißen Fettpolstern leicht verbrannt wird. Mäuse mit gesteigerter COX-2-Produktion haben daher einen höheren Energieverbrauch und sind schlanker. Auf der Basis dieser Ergebnisse könnte eine neuartige Methode zur Gewichtsreduktion bei krankhafter Fettleibigkeit entwickelt werden.
Braune Fettzellen inmitten von weißem Fettgewebe

Braune Fettzellen inmitten von weißem Fettgewebe

Pölsterchen, Hüftgold und Rettungsringe – weißes Fettgewebe formt an den bekannten Körperstellen die typischen Rundungen als Energiedepots. Genau das Gegenteil passiert im braunen Fettgewebe: Hier wird Energie nicht gespeichert, sondern in Wärme umgewandelt. Zum Leidwesen vieler kommt dieser Energiefresser beim erwachsenen Menschen jedoch nur in geringfügigen Mengen vor. Säuglinge und Winterschlaf haltende Nagetiere haben dagegen viel davon, hier dient es der Wärmeregulation. Forscher wissen, dass im Tierreich äußere Einflüsse die Bildung von braunem Fettgewebe anregen können. Werden Nager bei kalten Temperaturen gehalten, so bilden sich inmitten des weißen Fettgewebes Nester aus braunen Fettzellen.

Entzündungsenzym COX-2 kurbelt Braunfett-Bildung an


Jetzt ging ein Team von Wissenschaftlern aus dem Deutschen Krebsforschungszentrum unter der Leitung von Stephan Herzig gemeinsam mit Kollegen aus München, Marburg, Frankfurt und Lausanne den molekularen Ursachen dieses Phänomens auf den Grund: Sie entdeckten, dass im weißen Fettgewebe von Mäusen, die Kälte ausgesetzt worden waren, die Produktion des Entzündungsenzyms COX-2 gesteigert ist. COX-2 ist Wissenschaftlern gut bekannt, es steuert den zentralen Schritt bei der Biosynthese der Prostaglandine, entzündungsfördernder Hormone, die auch für die Schmerzentstehung verantwortlich sind.

„Unsere aktuellen Ergebnisse belegen, dass COX-2 und Prostaglandine entscheidend sind für die Neubildung von braunem Fettgewebe und damit auch für die Regulation des Körpergewichts“, fasst Herzig seine Daten zusammen. Denn parallel zum Anstieg der COX-2-Produktion im weißen Fettgewebe stieg auch die Menge des Proteins, das biochemisch Energie in Wärme umwandelt und das daher als wichtigster Biomarker für braune Fettzellen gilt.


Schalteten die Forscher dagegen COX-2 im weißen Fettgewebe ab, ließ sich das typische Erscheinungsbild von braunen Fettzellen nicht mehr durch Kälte anregen. Auch unabhängig von Kälte entstanden Ansammlungen brauner Fettzellen im weißen Fettgewebe, wenn die Wissenschaftler bei Mäusen die COX-2-Produktion durch einen molekularbiologischen Trick ankurbelten. Diese Tiere hatten ein um 20 Prozent geringeres Körpergewicht als normale Artgenossen. Auch wenn sie kalorienreich gefüttert wurden, nahmen sie nicht an Gewicht zu.

Abnehmen durch Braunes Fett statt weißem?


Ältere Studien finnischer Forscher deuten darauf hin, dass auch bei Menschen ein regelmäßiger Aufenthalt in der Kälte die Aktivität von braunem Fettgewebe anregen kann. Herzig will nun prüfen, ob auch hier COX-2 die biochemische Schlüsselrolle spielt. Da sich die Bildung von braunen Fettzellen auch in der Kulturschale anregen lässt, sieht der Wissenschaftler eine Möglichkeit, seine Ergebnisse praktisch umzusetzen: Seine Zukunftsvision ist, schwer übergewichtigen Personen weißes Fettgewebe zu entnehmen, in der Kulturschale die Bildung von braunen Fettzellen durch Prostaglandine anzuregen und diese zurück zu transplantieren.

Damit könnte man Menschen zu einem höheren Energieumsatz und damit zu leichterem Abnehmen verhelfen. Schätzungen gehen davon aus, dass eine geringe Menge von etwa 50 Gramm braunem Fettgewebe ausreichen würde, um den Energieumsatz eines Menschen um 20 Prozent zu steigern. Dies entspräche etwa einer Reduktion des Körpergewichts um 20 Kilo über einen Zeitraum von einem Jahr.

Bei Krebspatienten wurde in klinischen Studien bereits indirekt gezeigt, dass COX-2 einen Einfluss auf das Körpergewicht hat. So stabilisierte sich das Gewicht von Kranken, die an schwerer krebsbedingter Auszehrung litten, durch Medikamente, die COX-2 hemmen. Aber auch einige gängige Schmerzmittel wirken, indem sie COX-2 hemmen – müssen die Anwender als Nebenwirkung in Kauf nehmen, Pfunde anzusetzen? Herzig beruhigt: „Wir haben bislang keine Hinweise darauf, dass durch die Einnahme
dieser Medikamente eine Gewichtzunahme zu befürchten ist.“
(Deutsches Krebsforschungszentrum, 10.05.2010 - NPO)
 
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