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Sonntag, 25.09.2016
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Fett beseitigt Bewegungsstörungen

Folgen von erblichen Veränderungen eines Zuckertransportstoffes aufgedeckt

Ulmer Wissenschaftler haben herausgefunden, dass erbliche Veränderungen eines Zuckertransportstoffes Bewegungsstörungen verursachen können, die nur bei dauerhafter körperlicher Belastung auftreten. Hilfe bietet den Betroffenen eine fettreiche Ernährung, so die Forscher in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift „Journal of Clinical Investigation“.
DNA

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Damit unser Gehirn arbeiten kann, braucht es Energie - vor allem in Form von Traubenzucker. Auf seinem Weg vom Blut ins Hirn muss der Traubenzucker die Blut-Hirn-Schranke überwinden, dabei hilft ihm ein hoch spezialisierter Eiweißstoff, der Glucose-Transporter.

Die Wissenschaftler um Professor Dr. Holger Lerche am Universitätsklinikum Ulm haben nun einen vererbbaren Defekt an dem Transporter entdeckt und seine Wirkungsweise untersucht. Verbrauchen Menschen mit diesem Defekt zum Beispiel bei sportlicher Betätigung besonders viel Energie, kann der Glucose-Transporter die Nervenzellen im Gehirn nicht mehr ausreichend mit Energie versorgen.

Fettreiche Ernährung überlistet Gehirn


„Da die Nervenzellen auch für die Koordination von Bewegungsabläufen zuständig sind, leiden die Betroffenen unter Bewegungsstörungen, die ihren Alltag massiv einschränken“, erklärt Lerche. Der Defekt kann im Weiteren außerdem zu einer Verzögerung der Entwicklung, zu Epilepsie und Blutarmut führen.


Hilfe bietet den Betroffenen eine fettreiche Ernährung. „Dabei macht man sich zu Nutze, dass sich das Gehirn im Hungerzustand innerhalb weniger Tage vom Energieträger Traubenzucker auf den Verbrauch von Fett, sogenannter Ketonkörper, umstellt“, erklärt Lerche. „Bietet man nun eine fettreiche Ernährung an, so lässt sich das Gehirn überlisten und ernährt sich von Ketonkörpern. Die Nervenzellen werden wieder ausreichend versorgt, die Bewegungsstörungen verschwinden.“

Bei einer von dem Gendefekt betroffenen Familie verbesserten sich dank der durch die neuen Erkenntnisse der Wissenschaftler eingeleiten Ernährungsumstellung die Entwicklung der Kinder, auch die bis dahin nicht behandelbaren epileptischen Anfälle verschwanden.

Gendefekt sorgt für Blutarmut


Die Wissenschaftler fanden außerdem heraus, dass der Gendefekt auch zur Blutarmut führen kann: Das gleiche Eiweiß, das für den Traubenzuckertransport ins Gehirn zuständig ist, transportiert auch Traubenzucker in die roten Blutkörperchen. Der Gendefekt macht das Transporteinweiß durchlässig für gelöste Salze, so genannte Ionen. Insbesondere Kalziumionen können dadurch ungehindert in die roten Blutkörperchen einströmen und zu ihrem Absterben führen.

Durch das Verständnis solcher erblichen Defekte erhoffen sich die Wissenschaftler langfristig bessere Behandlungsmöglichkeiten für Bewegungsstörungen, Epilepsie und ähnliche Erkrankungen des Nervensystems. Zudem wollen sie der Vermutung nachgehen, dass solche Defekte der Glucose-Transporter viel häufiger sein könnten, als bisher angenommen.
(idw - Universitätsklinikum Ulm, 05.05.2008 - DLO)
 
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