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Dienstag, 14.08.2018
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Land der Kontraste

Indien im 21. Jahrhundert

Mumbai bei Nacht

Mumbai bei Nacht

Indien heute: Das sind Glanz und Glamour, ein einzigartiges Wirtschaftswachstum von neun Prozent und mehr, boomende Märkte und eine wachsende Mittelschicht mit enormer Kaufkraft. Aus Indien kommen die vielleicht besten IT-Spezialisten der Welt, hier werden Atombomben und Kernkraftwerke gebaut oder Satelliten ins All geschickt.

Leben dort bedeutet aber auch noch immer Hunger, Armut, Analphabetentum und ein desolates Bildungs- und Gesundheitssystem. Und noch eines ist typisch für das zwiespältige Image des Landes: Es besitzt den größten Slum Asiens. Im Elendsviertel Dharavi in Mumbai, dem ehemaligen Bombay, leben mehr als eine Million Menschen.

Nur 1,6 Prozent pro Jahr….


Zumindest eine der Ursachen für viele der Probleme ist die Überbevölkerung. Dabei klingt der Wert, der das jährliche Bevölkerungswachstum beschreibt, beinahe harmlos. Gerade mal um 1,6 Prozent steigt die Zahl der Inder innerhalb von zwölf Monaten an. Das Land liegt dabei in etwa auf dem Niveau von Aruba in der Karibik oder den Fidschi-Inseln. Anders sieht die Situation allerdings aus, wenn man nicht die relativen sondern die absoluten Zahlen betrachtet.

Slums in Mumbai

Slums in Mumbai

...bedeutet 17 Millionen mehr


Fast 1,148 Inder gab es laut dem „CIA World Fact Book“ im Juli 2008. Bei durchschnittlich 2,9 Kindern pro Frau wächst die Bevölkerung momentan zudem jährlich um rund 17 Millionen Menschen weiter – mehr als in Berlin, Düsseldorf, Hamburg, Frankfurt und München zusammen leben. Nirgendwo anders auf der Welt nimmt die Bevölkerung vergleichbar rasch zu.

Deutlich wird das in Indien vor allem in den Städten. In den letzten 50 Jahren hat sich beispielsweise Mumbai zu einer Megacity mit weit über 18 Millionen Menschen entwickelt (1955: 3,5 Millionen). Nicht viel anders sieht dies in anderen Metropolen aus. Auch Kalkutta oder Delhi haben ihre Einwohnerzahlen im selben Zeitraum fast verdreifacht beziehungsweise sogar verzehnfacht.

Dieses Phänomen wird sich in den nächsten Jahren nach Ansicht von Wissenschaftler noch weiter verstärken – in Indien und anderswo. Mit allen dazugehörigen Problemen wie Elend, Verkehrsinfarkt, Umweltverschmutzung oder Krankheiten.

Straßenkinder in Mumbai

Kinder als letzte Rettung


Doch was sind die Hauptgründe für die Bevölkerungsexplosion auf dem indischen Subkontinent? Da es weder eine Kranken-, noch eine Pflegeversicherung oder eine Rente für jeden gibt, müssen viele Inder im Alter oder bei Krankheit auf andere Strategien zurückgreifen: Was liegt da näher als wie schon immer üblich auf die Hilfe der Kinder zu setzen. Oder auf nahe Verwandte. „Wer keine Kinder hat, um den sorgen sich eben Neffen, Nichten oder die Geschwister“, sagte die Direktorin der Organisation HelpAge India, Nidhi Raj Kapoor 2008 im Spiegel.

Zudem fährt die indische Regierung unter Premierminister Manmohan Singh längst nicht so einen rigiden Kurs in Sachen Fruchtbarkeitseindämmung wie China mit seiner staatlich verordneten „Ein-Kind-Philosophie“.

Große regionale Unterschiede


Doch Indien ist nicht gleich Indien. Was das Bevölkerungswachstum angeht, gibt es im Multikultistaat mit den vielen verschiedenen Religionen gewaltige Unterschiede. So ist die Fruchtbarkeitsrate im Süden des Landes schon seit Jahren deutlich rückläufig und in verschiedenen Bundesstaaten wie Kerala oder Tamil Nadu sogar unter das Niveau von durchschnittlich zwei Kindern pro Frau gefallen.

Ganz anders sieht es dagegen im Norden Indiens aus. „In Bihar und Uttar Pradesh bringt eine Frau im Lauf ihres Lebens auch heute noch mehr als vier Kinder zur Welt“, beschreibt Carl Haub vom US-amerikanischen Population Reference Bureau (PRB) die Situation.

Das PRB steht im „Who is who“ der Demografen ganz weit vorne. Die Wissenschaftler dort analysieren nicht nur die aktuelle Weltbevölkerung auf der Basis der vorliegenden offiziellen Zahlen. Die Experten für Leben und Sterben geben auch präzise Voraussagen heraus, wie sich die Zahl der Menschen in den nächsten Jahren und Jahrzehnten entwickeln wird.

Stand: 11.07.2008
 
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