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Mit Körperwärme Büros heizen

Menschen im Stockholmer Hauptbahnhof als Erneuerbare Energiequelle

16.00 Uhr am Stockholmer Hauptbahnhof. Menschen eilen beladen mit Koffern, Tüten und Taschen zu ihrem Gleis, um den Zug nicht zu verpassen. Andere freuen sich, dass sie endlich aus den Waggons aussteigen können, in denen sie die letzten Stunden zusammengepfercht wie Ölsardinen in einer Dose zugebracht haben – Körperkontakt, Schwitzen und wenig anheimelnde Gerüche inklusive. Es herrscht ein Gewimmel, in dem man leicht den Überblick verlieren kann und wo einem ein unappetitliches Gemisch aus Wärme und verbrauchter Luft nicht selten den Atem raubt.

Für Karl Sundholm und seine Mitarbeiter von der staatlichen schwedischen Immobilienverwaltung Jernhuset jedoch ist dieses alltägliche Szenario im Stockholmer Hauptbahnhof kein Alptraum, sondern eine mögliche neue Energiequelle.

Wärme satt?

Denn in einem weltweit einzigartigen Pilotprojekt wollen die Wissenschaftler und Techniker von Jernhuset die Körperwärme der 250.000 Menschen täglich nutzen, um damit ein nahe gelegenes 13-stöckiges Gebäude, das sich zurzeit noch im Bau befindet, zu heizen. „Alle Menschen produzieren Wärme und diese ist ziemlich schwierig wieder loszuwerden“, erklärt Sundholm Anfang Januar 2008 in der schwedischen Onlinezeitschrift „The Local“. „Statt die Fenster zu öffnen und all die Hitze sinnlos verpuffen zu lassen, wollen wir sie über das Belüftungssystem nutzbar machen.“

Das vorgesehene Prinzip ist so ebenso einfach wie effektiv. In die Lüftung integrierte Wärmetauscher erzeugen mithilfe der menschlichen Abwärme heißes Wasser. Dieses gelangt anschließend über Pumpen und ein unterirdisches Rohrleitungssystem zum Zielobjekt, wo es kontinuierlich in das Heizungssystem eingespeist wird.

„Es handelt sich dabei um eine alte Technik, die aber in einer neuen Weise genutzt wird. Nur Pumpen, Wasser und Rohre: aber wir haben bisher noch von keinem anderen gehört, der diese Technik zu diesem Zweck einsetzt“, so Projektleiter Sundholm. Die Manager von Jernhuset hoffen auf diesem Weg rund 20 Prozent der Heizkosten für das neue Hochhaus, das auf 40.000 Quadratmetern neben Büros, auch einem Hotel, Restaurants und Läden Platz bieten wird, einzusparen.

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Billige Lösung des Heizproblems

Doch die neue Methode ist nach Angaben der Wissenschaftler und Ingenieure nicht nur innovativ, sondern auch preiswert. Gerade mal etwas mehr als 20.000 Euro fallen für die benötigten Pumpen und Rohre an. Geradezu „Peanuts“ im Vergleich zu den Gesamtkosten für das neue Gebäude, die im zweistelligen Millionenbereich liegen.

Entstanden ist die revolutionäre Idee, als die Architekten und Techniker zusammen mit Jernhuset beschlossen, den Energieverbrauch des neuen Gebäudekomplexes im Vergleich zu ähnlichen Gebäuden um 50 Prozent zu senken. „Jeder tat das seinige dazu, um das Gebäude so umweltfreundlich wie möglich zu machen.“, so Sundholm in einem Beitrag der BBC.

„Wir saßen da und diskutierten darüber, wie wir das erreichen könnten und dabei kam der Gedanke auf. Mittlerweile sind wir bereits von einigen anderen Firmen angesprochen worden, die daran interessiert sind, das Konzept für andere Projekte zu nutzen.“

Energieeffizienz ist Trumpf

Um das selbst gesteckte 50-Prozentziel tatsächlich zu erreichen, sind aber neben der Heizung durch Körperwärme noch weitere Maßnahmen erforderlich. So wird beispielsweise die Fassade des Hochhauses derart konstruiert und gedämmt, dass kaum Wärmeverluste auftreten.

Ob das Vorhaben der Jernhuset tatsächlich Erfolg haben wird, könnte sich schon im Jahr 2010 zeigen, denn dann soll der neue Komplex samt seiner Idee, den Menschen als erneuerbare Energiequelle zu nutzen, fertig sein.

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Stand: 07.03.2008

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

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