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Cessna oder Google Earth?

Von Luft- zu Satellitenbildern

Im Zeitalter von Google Earth haben es Archäologen natürlich um vieles leichter, bestehende Grabungsstätten aus der Luft zu betrachten und ganze Landstriche gezielt nach potenztiellen archäologischen Objekten abzusuchen. Es hat sich bereits eine ganze Internet-Gemeinde aus Hobby-Archäologen entwickelt, die nach Überbleibseln früherer menschlicher Aktivitäten fahndet – und durchaus fündig wird.

Zwei von insgesamt vier neolithischen Kreisgrabenanlagen bei Kyhna in Sachsen-Anhalt © Otto Braasch

So entdeckte ein Italiener, der per Google Earth sein Heimatdorf Sorbolo bei Parma von oben betrachtete, auffällige Muster auf einem Feld. Dass es sich tatsächlich um einen spektakulären Fund handelte, bestätigten hinzugezogene Experten des Nationalen Archäologischen Museums in Parma. Sie gruben an der Stelle nach und fanden die Grundmauern einer antiken Villa. Anhand von Tonscherben wurde sie auf die Römerzeit datiert.

Auch Wissenschaftler bedienen sich immer häufiger der leicht verfügbaren Satellitenbilder und greifen zu Beginn eines Projekts eher zum Laptop als zum Spaten. Vor allem zur Vorbereitung von Expeditionen oder Grabungskampagnen verschaffen sich Archäologen gerne einen schnellen Überblick über das Projektgebiet.

Das Deutsche Archäologische Institut dokumentiert seine weltweiten Projekte mit den exakten Koordinaten und macht es Interessierten leicht, mit Google Earth zu den Grabungsstätten in Ägypten, Athen, China, dem Iran oder nach Peru zu fliegen.

Elephantine, altägyptische Siedlung des späten 4. Jahrtausends v.Chr., eine der Grabungen des Dt. Inst. für Archäologie © Google Earth

Doch werden Archäologen auch über kurz oder lang nicht auf die Prospektion aus dem Flugzeug verzichten. Denn so groß die Vorteile der Satellitenbilder sind, sie haben auch Nachteile. So ist der Aufnahmezeitpunkt der Bilder oft nicht genau nachzuvollziehen oder die Auflösung ist nicht groß genug, dass sie verwertbare Ergebnisse liefern kann. Auch müssen Archäologen mit dem vorhandenen Bild vorlieb nehmen und können die Aufnahme nicht nach einer konkreten Zielstellung ausrichten.

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Mehrere veränderte Aufnahmewinkel, der Zeitpunkt eines Überflugs, eine höhere Bildauflösung oder entsprechend notwendige besondere Bildaufnahmeverfahren, zum Beispiel per Infrarotlicht, können nur bei einem Überflug mit gezielten Aufnahmen bestimmt werden.

Und manch altgedienter Archäologe befürchtet heute bereits, dass das Metier vom Nachwuchs als zu bequem und sauber angesehen wird, als „Wissenschaft vom Sessel aus“. Doch nach wie vor kommt es weiterhin auf eines an: In der Archäologie braucht man Geduld, bis Fundstätten in Schwerst- und oft jahrelanger Feinarbeit mit Spaten, Pinsel und Schwamm freigelegt sind. Das können weder Luft- noch Satellitenbilder dem Experten abnehmen.

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Stand: 29.02.2008

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Luftbildarchäologie
Wenn Archäologen zur Cessna statt zum Spaten greifen

Überblick
Das Wichtigste in Kürze

Pioniere mit Ballon und Doppeldecker
Die Anfänge der Luftbildarchäologie

Entdeckerjahre für Steinkreis-Fans
Die Megalithen von Südengland

4.000 Jahre verdeckte Geschichte
Der Tavoliere in Apulien

Trockenheit als Standortvorteil
Welche Faktoren erhöhen die Erfolgschancen der Luftbildarchäologie?

Wenn der Weizen im Trocknen steht
Das Alphabet der Luftbildarchäologie

„Fliegen allein reicht nicht“
Der Entdecker des Sonnenobservatoriums in Goseck im Interview

Meister des Wassermanagements
Brunnengalerien an der Seidenstraße

Cessna oder Google Earth?
Von Luft- zu Satellitenbildern

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