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Der Ruf von Rabenvögeln

Warum wir die Tiere fürchterlich und faszinierend zugleich finden

Im Mittelalter galt die Sichtung eines Raben als schlechtes Omen. © Ogio / Pixabay

Die Geschichte wirft zum Teil ein sehr düsteres Bild auf Raben und Krähen. Ihren schlechten Ruf bekamen die schwarzen Unglücksboten im Laufe des Mittelalters: Weil die Hinrichtungsstätten für die aasfressenden Tiere eine willkommene Speisetafel darstellten, waren sie bald als Galgenvögel und böses Omen verschrien. Bis heute sorgen Krähen und Raben bei so manchem für Unbehagen. Schließlich lebt ihre düstere Mystifizierung in vielen Büchern und Filmen aus dem Fantasy-Bereich weiter.

Unvergessen ist für Viele auch ihr Auftritt in Alfred Hitchcocks Tier-Schocker „Die Vögel“: Wenn sich auf einem Gerüst hinter der ahnungslosen Protagonistin nach und nach dutzende der schwarzgefiederten Tiere niederlassen inszeniert der Meisterregisseur die neugierigen Vögel als unheimliche Bedrohung – und lässt sie kurz darauf als wütenden Schwarm eine Gruppe Schulkinder attackieren.

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Die Mär vom schlauen Vogel?

Allmählich kommt die wahre Natur der Rabenvögel wieder zum Vorschein. Ihre Weisheit wurde schon in den nordischen Sagen um Göttervater Odin angedeutet. Dieser konnte auf den weisen Rat von seinen zwei Raben Hugin und Munin vertrauen, die für die beiden Grundpfeiler der Intelligenz stehen: das Denken und das Gedächtnis.

Und tatsächlich gestehen sich Wissenschaftler heute ein: Die unscheinbaren Vögel sind lange Zeit verkannte Genies, die es sogar mit der Intelligenz von Menschenaffen aufnehmen können. In vielen Belangen sind uns die geflügelten Genies damit ähnlicher als bisher angenommen.

Ein Unterschied der keiner ist

Ob nun Rabe oder Krähe, spielt bei der Frage nach der Intelligenz keine Rolle. Die beiden bilden gemeinsam die Gattung Corvus, zu der insgesamt 42 verschiedene Unterarten von der Dohle über die „Nebelkrähe“ bis zum Kolkraben gehören. Die Einteilung in Raben und Krähen ist nicht taxonomisch, also artbestimmend: Große Vögel werden Raben genannt, die kleineren heißen Krähen. Zusammen mit Hähern, Elstern und Dohlen bilden sie die Familie der Rabenvögel.

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In Wissenschaftskreisen erfahren die Rabenvögel in letzter Zeit eine gesteigerte Aufmerksamkeit. Denn den Forschern ist mittlerweile klar geworden, dass sie bei der Suche nach tierischen Intelligenzbestien Jahrzehnte lang die Vögel weitgehend außer Acht gelassen haben. Zu Unrecht, wie die gefiederten Genies immer wieder in verblüffenden Experimenten beweisen.

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Christian Lüttmann
Stand: 02.06.2017

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Genies der Lüfte
Die verblüffende Intelligenz von Krähen und anderen Rabenvögeln

Der Ruf von Rabenvögeln
Warum wir die Tiere fürchterlich und faszinierend zugleich finden

Intelligenz ist Definitionssache
Bei der Bewertung von Cleverness sind Wissenschaftler noch immer uneins

Etwas fehlt im Vogelhirn
Was steckt drin im Kopf der Rabenvögel?

Raben unter sich
Soziale Gefüge als Wegbereiter zu intelligentem Verhalten

Ich sehe was, was du nicht siehst
Was wissen Krähen über ihr Gegenüber?

Krähen und die Kunst des Werkzeugbaus
Warum Rabenvögel den Menschenaffen Konkurrenz machen

Ein Blick in die Zukunft
Was weiß die Krähe von morgen?

Die hohe Schule der Intelligenz
Was verstehen Krähen von Abstraktion und Auftrieb?

Ein bisschen Spaß muss sein
Die amüsante Nebenwirkung von Intelligenz

Krähe und Mensch
Ein schwieriges Verhältnis

Diaschauen zum Thema

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Raben-Junggesellen bilden "Clubs"
Gruppendynamik zeugt von hoher sozialer Intelligenz der Vögel

Geschickte Krähen verblüffen Biologen
Hawaiianische 'Alalās sind von Natur aus erstaunlich gewiefte Werkzeugnutzer

Raben: Teamarbeit, aber nicht mit jedem
Kooperative Vögel arbeiten nicht mit betrügerischen Artgenossen zusammen

Krähen zählen ähnlich wie wir
Neuronen im Krähengehirn reagieren auf ihre jeweiligen "Lieblingszahlen"

Auch Vögel richten sich nach dem Tempolimit
Amsel, Spatz und Co passen ihre Fluchtdistanz dem Verkehr an

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