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Freitag, 24.11.2017
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Standort für Mondstation entdeckt

Riesige Lavahöhle könnte Astronauten optimalen Schutz bieten

Perfekt geeignet für eine Mondstation: Forscher haben eine riesige Lavahöhle auf dem Mond entdeckt. Die Höhle liegt in einem alten Vulkangebiet im Ozean der Stürme und ist mehrere Kilometer groß. Sie könnte den Bewohnern einer künftigen Mondstation daher perfekten Schutz vor der kosmischen Strahlung und den Temperaturschwankungen der Mondoberfläche bieten, wie die Wissenschaftler berichten.
Die Mondsonde Selene hat eine riesige Lavahöhle im Ozean der Stürme entdeckt. Sie könnte zum Standort für eine künftige Mondstation werden.

Die Mondsonde Selene hat eine riesige Lavahöhle im Ozean der Stürme entdeckt. Sie könnte zum Standort für eine künftige Mondstation werden.

Erst vor Kurzem hat US-Vizepräsident Mike Pence verkündet, dass die US-Regierung eine Rückkehr zum Mond anstrebt. Der Erdtrabant soll Zwischenstation und Testfeld für die bemannte Raumfahrt zum Mars werden, lockt aber auch mit wertvollen Rohstoffen - weshalb auch private Unternehmen bereits Pläne für bemannte Mondmissionen entwickelt haben.

Hohlraum mit Loch in der Decke


Das geeignete Habitat für künftige Mondastronauten könnte nun Wissenschaftler der japanischen Raumfahrtbehörde JAXA gemeinsam mit US-Kollegen entdeckt haben. Bei der Auswertung von Daten der Mondsonde Selene stießen sie in der Region Marius Hills im Ozean der Stürme auf eine auffällige Signatur: Die Radardaten zeigten beim Durchleuchten des Untergrunds ein doppeltes Echo – ein Hinweis auf einen Hohlraum unter der Oberfläche.

Auffällig auch: Bereits zuvor hatten Forscher an dieser Stelle ein 50 Meter großes Loch in der Mondoberfläche entdeckt. Schon damals vermuteten sie, dass es sich um ein sogenanntes Skylight handeln könnte – eine Öffnung in der Decke einer Lavahöhle. Diese Höhlen entstehen, wenn Lava an der Oberfläche erstarrt, darunter aber zunächst weiter fließt. Auf der Erde sind Lavahöhlen vor allem von Hawaii bekannt.


Aufnahme des 50 Meter großen Skylights - der Öffnung in der Decke der lunaren Lavahöhle.

Aufnahme des 50 Meter großen Skylights - der Öffnung in der Decke der lunaren Lavahöhle.

Relikt eines Lavastroms


Dass es solche Lavahöhlen auch im lunaren Ozean der Stürme geben könnte, vermuten Wissenschaftler schon seit längerem. Denn die gesamte Senke war einst von Lava überflutet, später bildeten sich in der Region Marius Hills vulkanische Dome. Von diesen gehen gewundenen Senken und Spalten aus, die eingestürzten Lavagängen sehr ähneln. Bereits 2015 spekulierten Forscher daher über die Existenz noch intakter Lavahöhlen in diesem Gebiet.

Jetzt bestätigen neue Daten diese Vermutung. Nachdem die Radarmessungen der Selene-Sonde erste Anhaltspunkte für die Existenz einer großen Lavahöhle gaben, werteten Jay Melosh und sein Team von der Purdue University ergänzende Schwerefeld-Daten der GRAIL-Raumsonde aus. "Anhand dieser Schwerefeld-Daten konnten wir ermitteln, wie groß und tief diese Lavahöhlen sind", erklärt Melosh.

Die Lavahöhle ist groß genug für eine ganze Großstadt - und erst recht für eine Mondstation.

Die Lavahöhle ist groß genug für eine ganze Großstadt - und erst recht für eine Mondstation.

Groß genug für eine Mondstation


Das Ergebnis: Die Lavahöhle nahe der Marius Hills ist wahrscheinlich rund 50 Kilometer lang und könnte bis zu einem Kilometer breit und hoch sein. Sie wäre damit groß genug, um eine ganze Großstadt in ihr unterzubringen – oder eine große Mondstation, wie die Forscher erklären. Sogar Wassereis könnte es in diesem Hohlraum unter der Mondoberfläche geben.

Für eine künftige Mondstation könnte diese Lavahöhle daher ein perfekter Standort sein. Weil der Mond keine Atmosphäre und kein Magnetfeld besitzt, wären Astronauten auf seiner Oberfläche ungeschützt der harten Strahlung aus dem Weltraum ausgesetzt. Auch die extremen Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht sind eine harte Belastung für Mensch und Material. In der Lavahöhle wäre ein künftiges Mondhabitat dagegen Strahlung und Temperaturextremen geschützt. (Geophysical Research Letters, 2017; doi: 10.1002/2017GL074998)
(Purdue University/ JAXA, 19.10.2017 - NPO)
 
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