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Mittwoch, 18.10.2017
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"Zwilling" von Ötzis Beil entdeckt

In der Schweiz entdeckte Beilklinge aus der Kupferzeit stammt ebenfalls aus der Toskana

Prähistorischer Import: Ein in der Schweiz entdecktes Kupferbeil sieht nicht nur so ähnlich aus wie das Beil des Gletschermannes Ötzi. Die prähistorische Kupferklinge ist auch chemisch mit ihm fast identisch – und stammt wie Ötzis Beilklinge aus der Toskana. Dies bestätigt erneut: Die Alpen waren vor rund 5.300 Jahren keine so starke Barriere wie bisher angenommen. Stattdessen importierten schon die Kupferzeitmenschen Materialien und Güter aus den südlich der Alpen liegenden Regionen.
Entnahme einer Metallprobe bei der 5.3000 Jahre alten Beilklinge aus dem Schweizer Kanton Zug.

Entnahme einer Metallprobe bei der 5.3000 Jahre alten Beilklinge aus dem Schweizer Kanton Zug.

Die berühmte Gletschermumie Ötzi liefert uns einen einzigartigen Einblick in das Europa der Kupferzeit. Seine Kleidung, seine Ausrüstung und seine Gene verraten uns viel über Leben und Herkunft der Alpenbewohner jener Zeit. Für Überraschung sorgte dabei vor allem Ötzis Kupferbeil. Denn im Sommer 2017 enthüllten Analysen, dass das Kupfer für die Beilklinge aus der südlichen Toskana stammte -und damit von weit jenseits der Alpen.

Kupferklinge im prähistorischen Pfahlbau


Jetzt belegt ein weiteres, ähnlich altes Kupferbeil, dass dieser Fernimport von südlich der Alpen damals offenbar keine Seltenheit war. Die zweite Beilklinge wurde vor einigen Jahren in einer prähistorischen Pfahlbausiedlung in Riedmatt im Schweizer Kanton Zug entdeckt. Sie ist etwa halb so schwer wie die Beilklinge von Ötzi und etwas kürzer, hat aber eine sehr ähnliche Form. Auch diese Kupferklinge ist 5.300 bis 5.100 Jahre alt und stammt damit aus der gleichen Zeit wie das Beil von Ötzi.

Im Gegensatz zu diesem jedoch ist bei der Klinge aus Riedmatt der Schaft nicht erhalten. Erste chemische Analysen ergaben, dass die Klinge aus relativ reinem Kupfer besteht, das geringe Anteile von Silber und Arsen, sowie Spuren von Wismut und Blei enthält. Woher das Metall der Riedmatter Beilklinge stammt, haben nun Eda Gross vom Amt für Denkmalpflege und Archäologie des Kantons Zug und ihre Kollegen durch Analyse der Bleiisotope im Kupfer untersucht.


Die Kupferbeilklinge von Zug-Riedmatt ist abgesehen von wenigen Kratzspuren auf der Oberseite unbeschädigt. Sie ist 6,5 Zentimeter lang.

Die Kupferbeilklinge von Zug-Riedmatt ist abgesehen von wenigen Kratzspuren auf der Oberseite unbeschädigt. Sie ist 6,5 Zentimeter lang.

Auch dieses Kupfer stammt aus der Toskana


Das überraschende Ergebnis: Die Kupferklinge aus dem Schweizer Pfahlbau hat genau den gleichen Isotopen-"Fingerabdruck" wie die Beilklinge von Ötzi. Beide Klingen sind damit in Alter, Bearbeitung und Metallzusammensetzung nahezu identisch. Wie die Archäologen berichten, muss demnach das Kupferbeil von Riedmatt ebenfalls aus der südlichen Toskana stammen – auch diese Beilklinge wurde offenbar von weither importiert.

"Dies widerspricht der bisher gängigen Theorie, nach der die Alpen als klare kulturelle Barriere wirkten und so auch den metallurgischen Austausch unterbanden", konstatieren Gross und ihre Kollegen. "Die Klinge von Riedmatt unterstreicht, dass es damals zahlreiche kulturelle Verbindungen in die Gebiete südlich der Alpen gab. Die Zuger Kupferbeilklinge ist deshalb ein Schlüsselfund für das Verständnis der Kupfermetallurgie während der zweiten Hälfte des 4. vorchristlichen Jahrtausends nördlich der Alpen." (Archäologische Informationen 40, 2017)
(Amt für Denkmalpflege und Archäologie, Kanton Zug, 09.10.2017 - NPO)
 
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