Eine Kombination von Abgewöhn-Hilfsmitteln erleichtert den Schritt zum Nichtraucher Doppelter Nikotin-Ersatz hilft besser - scinexx | Das Wissensmagazin
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Eine Kombination von Abgewöhn-Hilfsmitteln erleichtert den Schritt zum Nichtraucher

Doppelter Nikotin-Ersatz hilft besser

Zigarettenstummel
Mit dem Rauchen aufhören – aber wie? © solidcolours/ iStock

Die Kombination machts: Wer mit dem Rauchen aufhören möchte, sollte ruhig zwei Nikotin-Ersatzmittel gleichzeitig nutzen – beispielweise ein Nikotinpflaster kombiniert mit Nikotin-Kaugummis für den akuten Jieper. Das steigert die Erfolgsaussichten beim Abgewöhnen, wie nun eine Metastudie der Cochrane-Kollaboration nahelegt. Auch die Nikotindosis solcher Ersatzmittel spielt eine Rolle.

Rauchen ist eine hartnäckige Sucht: Nur ein geringer Teil der Zigarettenraucher schafft den Schritt zum Nichtraucher – in einigen Fällen könnte sogar ein Gen das Aufhören erschweren. Hat das Nikotin unser Gehirn einmal im Griff, bringen selbst Abschreckungskampagnen nur noch wenig. Studien belegen aber, dass Hilfsmittel wie Nikotinpflaster oder nikotinhaltige Sprays und Kaugummis die Entwöhnung erleichtern können. Auch E-Zigaretten können eine Übergangslösung sein.

Doch welche dieser Hilfsmittel sind am wirksamsten? Das haben nun Forscher der Cochrane Kollaboration in einer großen Metastudie untersucht. Nicola Lindson von der University of Oxford und ihre Kollegenwerteten dafür 63 Studien mit insgesamt 41.500 abgewöhnwilligen Raucherinnen und Rauchern aus. Die Teilnehmer nutzten nach Stopp der Zigaretten verschiedene Nikotinersatz-Mittel wie Pflaster, Lutschpastillen, Kaugummi oder Sprays.

Verabreichungsart ist egal, nicht aber die Dosis

Das Ergebnis: Es kommt offenbar weniger auf die Art des Nikotin-Ersatzes an, als vielmehr auf die Menge und Kombination. Denn die Erfolgsraten sechs Monate nach dem Rauchstopp waren für alle Verabreichungsformen etwa gleich hoch, wie die Forscher berichten. Es macht demnach keinen Unterschied, ob man das Ersatz-Nikotin kaut, lutscht oder über die Haut aufnimmt. Auch ob diese Hilfsmittel ihr Nikotin schnell oder langsam freisetzen, scheint für den Erfolg keine Rolle zu spielen.

Anders sieht es mit der Dosis aus: Die Studien legen nahe, dass Nikotinkaugummis wirksamer sind, wenn sie vier statt nur zwei Milligramm Nikotin enthalten. Bei Nikotinpflastern scheint die optimale Dosis bei 20 bis 25 Milligramm zu liegen. Sie führte zur höchsten Rate von erfolgreichen Nichtrauchern, die sich auch durch doppelten Nikotingehalt nicht mehr steigern ließ, wie die Wissenschaftler herausfanden.

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Kombination aus zwei Mitteln wirkt am besten

Besonders interessant für alle Aufhörwilligen ist aber ein weiteres Ergebnis: „Unsere Ergebnisse unterstreichen, dass es am effektivsten ist, wenn man zwei Nikotinersatz-Methoden gleichzeitig verwendet“, berichtet Lindson. „Zum Beispiel ein Nikotinpflaster und dazu ein schnellwirksames Kaugummi, Nasenspray oder Lutschbonbon. Wer damit aufhört, hat eine höhere Chance, Nichtraucher zu werden.“

Kombinierten Teilnehmer ein Nikotinpflaster mit einem der anderen Mittel, hatten sie im Vergleich zu reinen Pflasterträgern eine 15 bis 36 Prozent höhere Chance, auch sechs Monate später noch Nichtraucher zu sein. „Einige Menschen mögen besorgt sein, dass eine solche Kombination zweier Nikotinmittel gesundheitsschädlich ist, aber Studien sprechen gegen erhöhte Risiken“, betont Lindson.

Pflaster schon am Vortag des Stopps

Und noch einen Tipp haben die Forscher für Aufhörwillige: Für den Entzug der ersten Tage scheint es zu helfen, wenn man schon am Tag vor dem Rauchstopp ein Nikotinpflaster verwendet. Offenbar sorgt dies für eine Art Vorratseffekt, der die akute Rauchlust am ersten Tag dann mildert. Für diesen Effekt gibt es allerdings bisher nur erste Hinweise – hier müssen weitere Studien folgen.

„Wir wissen, dass eine Nikotin-Ersatztherapie die Chancen bei der Rauchentwöhnung verbessert“, sagt Lindson. „Diese Mittel sind zudem für Aufhörwillige einfach erhältlich. Aber viele Menschen setzen sie nicht optimal ein, was ihre Chancen auf ein Leben als Nichtraucher mindert.“ (Cochrane Database of Systematic Reviews, 2019; doi: 10.1002/14651858.CD013308)

Quelle: Cochrane Library

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