Verdampfer bringen mehr Raucher zum Aufhören als andere Nikotinersatzmittel E-Zigaretten fördern Raucher-Entwöhnung - scinexx | Das Wissensmagazin
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Verdampfer bringen mehr Raucher zum Aufhören als andere Nikotinersatzmittel

E-Zigaretten fördern Raucher-Entwöhnung

E-Zigarette
E-Zigaretten als Entwöhnungshelfer für Raucher sind stark umstritten, doch sie scheinen besser zu funktionieren als anderer Nikotinersatz. © patrisyu/ thinkstock

Statt Glimmstängel: E-Zigaretten können Rauchern das Aufhören erleichtern, wie eine neue Studie bestätigt. Mittels Verdampfer gelang doppelt so vielen Teilnehmern die Entwöhnung vom Tabakrauch als mit herkömmlichen Nikotinpflastern oder -sprays. Allerdings: Ein Jahr nach Ende des Rauchens nutzten 80 Prozent der „Dampfer“ noch immer E-Zigaretten, während die Nikotinersatzgruppe ohne Hilfsmittel abstinent blieb.

E-Zigaretten verbrennen keinen Tabak, sondern verdampfen eine nikotinhaltige Flüssigkeit. Weil ihr Dampf dadurch keinen Teer und weniger Schadstoffe enthält, gelten sie als gesündere Alternative zum Tabakrauch. Doch auch die E-Zigaretten erzeugen je nach Gerätetyp und Nutzung potenziell schädliche Substanzen und könnten sogar krebserregend sein. Zudem sind die Langzeitfolgen des „Dampfens“ bisher kaum untersucht.

Verdampfer als Entwöhnungshelfer bisher umstritten

Besonders umstritten ist der Nutzen von E-Zigaretten für die Rauch-Entwöhnung: Vor einigen Jahren lieferte eine Studie erste Hinweise darauf, dass der Wechsel zu Verdampfern das Aussteigen aus dem Tabakrauchen erleichtern können. Andere Studien jedoch konnten diesen Effekt nicht bestätigen. Allerdings wurden alle Untersuchungen mit älteren E-Zigarettenmodellen durchgeführt und nur eine verglich die Resultate mit klassischen Nikotinersatz-Mitteln.

Nikotinpflaster
Nikotinpflaster, Kaugummis oder Sprays sollen bisher beim Rauchstopp helfen. © RegBBarc/ CC-by-sa 3.0

Jetzt haben Peter Hajek von Queen Mary University of London und sein Team die Frage neu aufgerollt. Für ihre Studie teilten sie 886 Raucher, die sich in britischen Abgewöhnzentren gemeldet hatten, in zwei Gruppen ein. Eine Gruppe erhielt ein E-Zigaretten-Set mit nikotinhaltigem Liquid, die andere wurde bis zu drei Monate lang mit Nikotinersatz in Form von Pflastern, Sprays und Kaugummis versorgt. Alle Teilnehmer wurden zudem intensiv therapeutisch betreut.

Doppelt so viele Nichtraucher nach einem Jahr

Das Ergebnis: Nach einem Jahr hatten 9,9 Prozent der Nikotinersatz-Gruppe mit dem Tabakrauchen aufgehört. In der Verdampfer-Gruppe waren es jedoch 18 Prozent. „Die E-Zigaretten waren damit doppelt so effektiv wie der bisherige Gold-Standard, die Kombination von Nikotinersatzprodukten“, sagt Hayek. Die Probanden, die keine vollständige Entwöhnung erreichten, rauchten in der E-Zigaretten-Gruppe zudem weniger als in der Ersatzgruppe.

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Auch subjektiv schien der Umstieg auf Verdampfer vielen Teilnehmern zu helfen. Sie berichteten, dass sie in den ersten vier Wochen nach Rauchstopp weniger starke Gelüste nach einer Zigarette hatten. Auch Nebenwirkungen wie Reizbarkeit, Unruhe und Konzentrationsschwächen traten bei ihnen seltener auf als bei den Nutzern klassischer Nikotinersatz-Produkte, wie die Forscher berichten.

Bisher klarster Beleg für Effektivität

Diese Ergebnisse sind auch nach Ansicht von nicht an der Studie beteiligten Wissenschaftlern durchaus beachtlich: „“Das ist eine sehr gute Studie, ich würde sie als einen Meilenstein bezeichnen“, kommentiert der Präventionsmediziner Onno van Schayck von der Universität Maastricht. „Es ist die erste Publikation, die echte Beweise dafür liefert, dass es einen Mehrwert gibt, E-Zigaretten zur Raucherentwöhnung zu verwenden.“ Ähnlich sieht es Robert West vom University College London:
„Diese Studie liefert die bisher klarsten Belege dafür, dass E-Zigaretten wahrscheinlich effektiver sind als Ersatzprodukte wie Nikotinkaugummis oder -pflaster.“

Nach Ansicht der Forscher könnte der deutlichere Effekt der aktuellen Studie an den modernen E-Zigaretten liegen. Denn diese geben das Nikotin schneller und besser ab als die bei früheren Untersuchungen verwendeten älteren Modelle. Zudem wurde den E-Zigaretten-Nutzern ein Liquid mit einer vergleichsweise hohen Nikotinkonzentration zur Verfügung gestellt – höher als sie von den meisten normalen Verdampfer-Nutzern verwendet wird.

Nichtraucher, aber nicht „clean“

Doch es gibt auch einen Haken: Zwar verhinderte der Umstieg auf die E-Zigarette bei mehr Teilnehmern den Rückfall zum Tabakrauchen. Dafür aber blieben die meisten dauerhaft an den Verdampfern hängen: Nach einem Jahr nutzen noch 80 Prozent der Probanden regelmäßig E-Zigaretten. Bei den Nutzern der Nikotinersatz-Produkte benötigten nur neun Prozent der Ex-Raucher diese Mittel – sie waren völlig vom Nikotin entwöhnt.

„Dieses Muster der Langzeitnutzung weckt Sorge über die langfristigen Gesundheitsfolgen“, kommentiert George O’Connor von der Boston University in einem begleitenden Editorial. „Denn wir wissen, dass der E-Zigarettendampf viele Toxine enthält und potenziell schädliche biologische Effekte auf menschliche Zellen hat.“ Hinzu komme, dass die Teilnehmer der Studie intensiv therapeutisch betreut wurden – etwas, das nur für die wenigsten anderen Abgewöhnwilligen gilt.

Zumindest eine weitere Alternative

Dennoch könnten E-Zigaretten zumindest einen weiteren Weg eröffnen, um leichter mit dem Rauchen aufzuhören. „Raucher haben heute eine breite Palette von Hilfsmitteln, die ihnen bei Abgewöhnen helfen“, sagt Sophia Lowes von der Organisation Cancer Research UK. „Jeder ist Mensch ist anders, daher sollten Raucher ruhig ausprobieren, was ihnen am besten beim Tabakentzug hilft.“

Ähnlich sieht es der Suchtforscher Heino Stöver von der Frankfurt University of Applied Science: „Der Anteil der Rauchenden in der deutschen Bevölkerung ist im Vergleich zu anderen westeuropäischen Ländern hoch“, so der Wissenschaftler. „Vor diesem Problemhintergrund ist es wichtig, alle verfügbaren Rauchstopp-Methoden eingehend zu prüfen. Wir sollten nicht vorschnell Methoden aus dem ohnehin nicht prall gefüllten Köcher der Rauchstopp-Methoden werfen.“ (New England Journal of Medicine, 2019; doi: 10.1056/NEJMoa1808779)

Quelle: Queen Mary University of London

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