Forscher entdecken zuvor verborgene Verknüpfung extremer Regenfälle Starkregen: Fernverbindung über Kontinente hinweg - scinexx | Das Wissensmagazin
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Forscher entdecken zuvor verborgene Verknüpfung extremer Regenfälle

Starkregen: Fernverbindung über Kontinente hinweg

Starkregen
Starkregen-Ereignisse in Europa und Asien sind miteinander verknüpft und treten zeitlich verblüffend synchron auf. © Kerriick/ iStock

Verblüffende Fernwirkung: Extreme Starkregenfälle sind über tausende von Kilometern hinweg miteinander verknüpft, wie nun eine Studie enthüllt. So folgen einem Starkregen in Europa wenige Tage später schwere Monsunregen in Pakistan und Indien. Ursache für diese Fernverbindungen sind die großräumigen Wellen des Jetstreams, wie die Forscher im Fachmagazin „Nature“ erklären. Das Wissen um diese Verknüpfungen könnte künftig die Vorhersagen verbessern.

Jedes Jahr verursachen extreme Regenfälle enorme Schäden. In Asien sind es vor allem die Starkregen des Monsuns, die gerade in den letzten Jahren schwere Überschwemmungen und Erdrutsche in Pakistan und Indien verursacht haben. Aber auch in Europa führen Starkregen immer wieder zu „Jahrhundert-Hochwassern“ an den Flüssen, unter anderem dann, wenn sogenannte Vb-Wetterlagen regenreiche Tiefdruckgebiete nach Mitteleuropa bringen.

Synchron über 2.500 Kilometer hinweg

Doch die Starkregen werden offenbar nicht nur von lokalen oder regionalen Wetterbedingungen bestimmt – es gibt auch bisher verborgenen Fernverbindungen, wie Niklas Boers vom Imperial College London und sein Team herausgefunden haben. Für ihre Studie nutzten sie eine neue Methode, um Niederschlagsdaten weltweit auszuwerten. Sie behandelten dafür die Erdoberfläche als Gitternetz auf und suchten nach auffälligen Synchronitäten bei den Starkregenereignissen.

Starkregen-Verbindungen
Lokale (rot) und globale (blau) Verknüpfiungen bei Starkregen in Nordindien. © Boers et al. 2019

Und tatsächlich: „Die Anwendung der neuen Methode auf Satellitendaten zeigt sehr überraschende Zusammenhänge zwischen extremen Regenereignissen in verschiedenen Regionen der Welt“, berichtet Koautor Brian Hoskins vom Imperial College. Demnach treten Starkregen in mehr als 2.500 Kilometern Entfernung voneinander deutlich häufiger innerhalb von nur wenigen Tagen auf als erwartet.

Erst Starkregen in Europa, dann in Asien

Demnach existiert ein bisher unerkanntes globales Verbindungsmuster von Extremniederschlägen. „So sind beispielsweise Extremereignisse im südasiatischen Sommermonsun typischerweise mit Ereignissen in Ostasien, Afrika, Europa und Nordamerika verbunden“, berichtet Boers. Kommt es beispielsweise in Europa zu Starkregen, fällt typischerweise wenige Tage später auch der Monsunregen in Asien stärker aus.

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„Obwohl Regenfälle in Europa nicht den Regen in Pakistan und Indien verursachen, gehören sie zum gleichen atmosphärischen Wellenmuster, wobei die europäischen Regenfälle zuerst ausgelöst werden“, sagt Boers. Nordamerika und Afrika sind ebenfalls über diese Wellen miteinander verknüpft. Wie die Forscher ermittelten, besitzt dieses Wellenmuster insgesamt eine Periode von rund neun Tagen, zwischen Europa und Südasien liegen etwa vier bis fünf Tage.

Jetstream-Wellen als Ursache

Als Ursache dieser Starkregen-Fernverbindungen vermuten die Forscher die Rossby-Wellen – großräumige Schwingungen der Luftmassengrenze zwischen kalter Polarluft und warmer Luft aus den niedrigeren Breiten. Der Jetstream markiert diese von Nord nach Süd pendelnde Luftmassengrenze und beeinflusst, wie schnell diese Wellen um den Globus wandern.

Die neuen Erkenntnisse decken nicht nur eine zuvor unerkannte Fernverbindung von Wetterereignissen auf. Sie könnten auch dazu beitragen, künftige Starkregen-Ereignisse besser vorherzusagen. „Dieses globale Muster von Verknüpfungen aufzudecken, kann Wetter- und Klimamodelle verbessern“, sagt Boers. „Das gilt besonders für die Verbindungen zwischen den Tropen und den europäischen und nordamerikanischen Regionen.“

Besonders wichtig ist dies, weil gerade Starkregen und andere Extremwetter durch den Klimawandel häufiger auftreten. Auch ihre Intensität soll sich den Prognosen zufolge erhöhen. (Nature, 2019; doi: 10.1038/s41586-018-0872-x)

Quelle: Imperial College London, Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung

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