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Zwergenwuchs und Sonnenschutz

Warum Wasserverlust im Hochmoor vermieden wird

Begibt man sich im Hochmoor auf die Suche nach den Spezialisten des Pflanzenreichs, so benötigt man Spürsinn, Ausdauer und ein gutes Auge. Die Hochmoorarten der Ericaceen, die hier gedeihen, wachsen extrem langsam und bleiben kleinwüchsig. So sind die Blätter der sehr seltenen Krähenbeere nur fünf Millimeter lang und einen Millimeter breit. Sie gedeiht lediglich auf den trockensten Spitzen der Torfmoorbulten. Der wahre "Zwerg" unter den Zwergsträuchern ist die Moosbeere. Mit ihren dünnen, spärlich beblätterten Ästchen erhebt sie sich kaum über das Torfmoos und fällt nur durch die unverhältnismäßig großen einzelnen roten Beeren auf.

Rosmarinheide © G. Keuck, A. Greif

Ein weiterer charkteristischer Vertreter der Hochmoorvegetation ist die Rosmarinheide, deren nadelförmige Blätter auffällig dem im Mittelmeerraum beheimateten Rosmarin ähneln. Mit zehn bis 40 Zentimetern ist auch sie noch als klein zu bezeichnen und – sie ist die giftigste Vertreterin der Ericaceen. Die Rosmarinheide enthält das sogenannte Andromedotoxin, das in seiner Wirkung unserem stärksten einheimischen Gift, dem Aconitin des Eisenhutes, ähnelt. Es kann zum Tod durch Atemlähmung führen, und aus diesem Grund wird im Winter das Birkhuhn auch nur sparsam von den Blättern naschen.

Gemeinsam ist den Pflanzen der Aufbau und Lebenszyklus der Blätter. Sie sind immergrün, was ihnen ermöglicht, die spärlichen Nährstoffe des Untergrundes wenigstens ganzjährig auszunutzen. Gleichzeitig sind ihre Blätter mit einer dicken Wachsschicht überzogen, die Spaltöffnungen sind eingesenkt. Diese Poren auf der Blattunterseite, über die die Pflanze ihren Gasaustausch regelt, sind gleichzeitig für den Wasserhaushalt der Pflanze zuständig. Die Blattform ist ebenfalls charakteristisch. All diese Zwergsträucher rollen die Blätter mehr oder minder stark ein.

Schutz vor Wasserverlust

Diese drei Eigenschaften – dicke Schutzschichten, eingesenkte Spaltöffnungen und eingerollte Blätter – zur Schaffung von windgeschützten Räumen dienen normalerweise bei Pflanzen der mediterranen Räume der Vermeidung des Wasserverlustes. Warum sind derartige Schutzstrategien bei Pflanzen anzutreffen, deren Lebensraum vor Wasser nur so strotzt? Für das, was auf den ersten Blick widersinnig erscheint, gibt es eine einfache Erklärung.

Trotz ihrer Lebensgemeinschaft mit Mykorrhiza-Pilzen müssen die Zwergsträucher gut mit Stickstoff und Phosphor haushalten. Beide Nährstoffe sind für den Aufbau pflanzlicher Eiweiße sehr wichtig. Ziel der Pflanzen ist es daher, mit so wenig Baumaterial wie möglich auszukommen. Was ihre Wüchsigkeit angeht, halten sie sich deshalb zurück. Dieser sparsame Umgang hat allerdings eine weitere Konsequenz. Eiweisse sind hydrophil, das heisst sie sind in der Lage, Wasser im Pflanzenkörper zurückzuhalten. Wird an der Produktion von Eiweissen gespart, so ist sie der Gefahr des vermehrten Wasserverlustes ausgesetzt. Lokal können sich auch die obersten Schichten des Hochmoors stark aufheizen. Den übermäßigen Wasserverlusten durch Verdampfung beugt die Pflanze durch ein mediterranes Erscheinungsbild vor.

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Stand: 13.10.2006

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Hochmoore in Bedrängnis
Vom Leben in Extremen

Wasser, Ton und viel, viel Zeit...
Wie Moore entstehen

Säure und Nährstoffmangel
Lebensbedingungen im Hochmoor

Was ist Torf?
Boden, Baustoff, Brennmaterial

Blick in die Vergangenheit
Blütenstaub als Forschungsobjekt

Hungerkünstler und Kampfstratege
Sphagnum – ein Moos als Landschaftsbildner

Glitzernde Falle
Der Sonnentau – Karnivor im Moor

Gemeinsam sind sie stärker...
Mykorrhiza als Überlebensstrategie

Zwergenwuchs und Sonnenschutz
Warum Wasserverlust im Hochmoor vermieden wird

Blau bevorzugt
Das Hochzeitskleid des Moorfroschs

Die letzte Balz in Sicht?
Das Birkhuhn auf verlorenem Posten

Der "brennende Rasen"
Die Nutzungsgeschichte des Torfs

Die Geister, die ich rief...
Mineralisierung und Klimabelastung

... werd` ich nun nicht los
Moorbrände, Nährstoffeintrag und Artensterben

Sind die Hochmoore noch zu retten?
Versuche zum Erhalt einer Naturlandschaft

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