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Gemeinsam sind sie stärker…

Mykorrhiza als Überlebensstrategie

Während die Torfmoose und der Sonnentau als Einzelkämpfer Angriffs- und Verteiligungsstrategien im Moor entwickelt haben, gibt es auch Pflanzen für die gerade die Zusammenarbeit mit anderen Lebewesen für das Überleben von entscheidender Bedeutung ist.

Bulten und Schlenken im Hochmoor © Andreas Heitkamp

In den Randbereichen des Hochmoors, auf den Bulten, den Erhebungen des Hochmoors oder auf den Resten der Abtorfungen, herrscht Trockenheit. Der dunkle Boden hat ein hohe Wärmekapazität, und wo der Wasserspiegel sinkt, steht den Pflanzen der Rohhumus zur Verfügung. Kleinräumig oder auf größeren Flächen stellt sich eine neue, charakteristische Vegetation ein – die Trockenheide. Viele bekannte Heidekrautgewächse finden sich hier ein, wie das Heidekraut, die Preisel-, die Wald- und die Rauschbeere. Aber auch die ersten Bäume wie die Ohren- oder die Kriechweide haben hier gute Chancen zu überleben.

Die Versorgung auf diesen Rohböden ist allerdings immer noch nicht üppig. Um trotzdem ausreichend Nährstoffe aufzunehmen, arbeiten die Heidekrautgewächse mit Pilzen zusammen. Ihre Symbiose, eine Lebensgemeinschaft zum Wohle beider Partner, wird als Mykorrhiza bezeichnet. Die Zellfäden der Pilze, eher unauffällige Penicillium- und Mortierella-Arten, umflechten die feinen Wurzeln der Zwergsträucher und dringen durch die Wurzelrinde in die Zellen ein. Über diesen Leitungsweg stellt der Zwergstrauch dem Pilz einen Teil seiner Photosyntheseprodukte, die Kohlenhydrate, zur Verfügung.

Perfekte Symbiose

Die Mycorrhiza ist wichtig für die Nährstoffaufnahme durch die Pflanzenwurzeln. Der Pilz legt sich wie eine Hülle (weiß) um die feinen Wurzeläste (braun). © NRCS/USDA

Im Austausch dafür bekommt der Strauch vom Pilz über ein Netz von Zellfäden vor allem die im Hochmoor so knappen Stickstoff- und Phosphorverbindungen geliefert. Die räumliche Ausdehnung dieses Myzels geht weit über die des Wurzelwerks der Pflanze hinaus. Somit erschließt der Pilz seinem Partner ein viel größeres Nahrungsreservoir als es ihm alleine möglich wäre.

Auch in weniger extremen Lebensräumen verschaffen sich die Partner durch ihre Lebensgemeinschaft einen Konkurrenzvorteil. Für die meisten der heimischen Bäume und krautigen Pflanzen ist die Mykorrhiza eher Regel als Ausnahme. Die Bedeutung der Symbiose ist aber im Hochmoor besonders groß. Über die unmittelbare Verbesserung der Wasser- und Nährstoffversorgung haben sich beide Beteiligten einen Lebensraum erschlossen, den einer allein nie hätte besiedeln können. So gilt manchmal auch im Pflanzenreich – gemeinsam geht es einfach besser…

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Stand: 13.10.2006

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Hochmoore in Bedrängnis
Vom Leben in Extremen

Wasser, Ton und viel, viel Zeit...
Wie Moore entstehen

Säure und Nährstoffmangel
Lebensbedingungen im Hochmoor

Was ist Torf?
Boden, Baustoff, Brennmaterial

Blick in die Vergangenheit
Blütenstaub als Forschungsobjekt

Hungerkünstler und Kampfstratege
Sphagnum – ein Moos als Landschaftsbildner

Glitzernde Falle
Der Sonnentau – Karnivor im Moor

Gemeinsam sind sie stärker...
Mykorrhiza als Überlebensstrategie

Zwergenwuchs und Sonnenschutz
Warum Wasserverlust im Hochmoor vermieden wird

Blau bevorzugt
Das Hochzeitskleid des Moorfroschs

Die letzte Balz in Sicht?
Das Birkhuhn auf verlorenem Posten

Der "brennende Rasen"
Die Nutzungsgeschichte des Torfs

Die Geister, die ich rief...
Mineralisierung und Klimabelastung

... werd` ich nun nicht los
Moorbrände, Nährstoffeintrag und Artensterben

Sind die Hochmoore noch zu retten?
Versuche zum Erhalt einer Naturlandschaft

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