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Blau bevorzugt

Das Hochzeitskleid des Moorfroschs

Ein warmer Tag im März. Dem Wanderer im Moor haben sich die Froschmännchen bereits durch ihr dezentes, aber eindringliches Quaken zu Erkennen gegeben. Nähert er sich vorsichtig dem angehenden Laichgewässer, um die aufmerksamen Frösche nicht zu stören, kann er die Männchen in einem Hochzeitskleid betrachten. Die Farbe der Männchen ist im Tierreich des Moores nicht allzu häufig – sie erstrahlen in leuchtendem Himmelblau.

Frosch im Moor © Calif. Academy of Science

Wie alle anderen Amphibien meiden auch die Moorfrösche die extrem sauren Gewässer des ungestörten Hochmoors. Sie halten sich in den feuchten randlichen Bereichen der Übergangsmoore auf, wo ihre Sommerquartiere zu finden sind, und in deren Tümpel und Torfstiche sie ablaichen. Der Lebensraum des Moorfroschs bietet kärgliche Nahrung, daher ist er beim Nahrungserwerb auf ausgedehnte Flächen angewiesen.

"Atmung" über Lunge und Haut

Als Vertreter der Amphibien sind auch die Moorfrösche Nachkommen der ersten Wirbeltiere, die sich bei der Eroberung des Festlandes zwei Wege der Atmung bewahrt haben – sie nehmen Sauerstoff sowohl über die Haut als auch über die Lungen auf. Daher darf ihre Haut nicht austrocknen. Die Fähigkeit zu "doppelter Atmung" bindet sie so an Lebensräume, die eine gewisse Mindestfeuchtigkeit aufweisen.

Um die Austrocknung ihrer Oberfläche zu vermeiden, ist die Haut der Frösche mit einer Vielzahl von Schleimdrüsen bedeckt. Der Schleim enthält Giftstoffe, die verhindern, dass sich auf dem Froschkörper Mikroorganismen und Pilze ansiedeln können. Ansonsten böte das feuchte Milieu seiner Hautoberfläche allzu ideale Lebensbedingungen für derart schädigende Einflüsse.

Bindung ans Geburtgewässer

Den Winter verbringen die Frösche unter Pflanzen oder eingegraben in den Schlamm in frostsicheren Verstecken. Im März suchen die erwachsenen Männchen die Tümpel auf, in denen sie sich selbst zum Jungfrosch entwickelt haben. Dort warten sie auf die Weibchen, die etwas später aus dem Winterschlaf erwachen. Diese Bindung an das Geburtsgewässer geht soweit, dass auch andere zum Laichen geeignete Gewässer durchschwommen werden, um zum heimatlichen Kolk oder zur Schlenke zu gelangen. Sind die Laichgewässer erreicht, beginnt das Werben um die Weibchen. Mit wohltönender Stimme messen die etwa sieben Zentimeter langen Männchen ihre Kräfte. Wenn sich die Partner gefunden haben, legt das Moorfrosch-Weibchen bis zu 2000 Eier in Laichballen ab, aus denen sich im Juni und August die Jungfrösche entwickeln.

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Mit einem Verwandten, dem Grasfrosch, ist der Moorfosch leicht zu verwechseln. Beide Arten sind mehr oder minder rötlich-braun und unregelmäßig gefleckt, doch im Gegensatz zum Grasfrosch ist die Schnauze des Moorfrosches spitz zulaufend. Auffällig ist auch ihr dunkler Augenfleck. Im Frühjahr, der Zeit des Werbens sind aber zumindest die Männchen der beiden Arten gut zu unterscheiden. Ob bei der Partnerwahl nun die schönste Blaufärbung oder das schönste Gequake den Ausschlag gibt, ist ungewiss. Den Moorfrosch-Weibchen scheint beides zu gefallen.

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Stand: 13.10.2006

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Hochmoore in Bedrängnis
Vom Leben in Extremen

Wasser, Ton und viel, viel Zeit...
Wie Moore entstehen

Säure und Nährstoffmangel
Lebensbedingungen im Hochmoor

Was ist Torf?
Boden, Baustoff, Brennmaterial

Blick in die Vergangenheit
Blütenstaub als Forschungsobjekt

Hungerkünstler und Kampfstratege
Sphagnum – ein Moos als Landschaftsbildner

Glitzernde Falle
Der Sonnentau – Karnivor im Moor

Gemeinsam sind sie stärker...
Mykorrhiza als Überlebensstrategie

Zwergenwuchs und Sonnenschutz
Warum Wasserverlust im Hochmoor vermieden wird

Blau bevorzugt
Das Hochzeitskleid des Moorfroschs

Die letzte Balz in Sicht?
Das Birkhuhn auf verlorenem Posten

Der "brennende Rasen"
Die Nutzungsgeschichte des Torfs

Die Geister, die ich rief...
Mineralisierung und Klimabelastung

... werd` ich nun nicht los
Moorbrände, Nährstoffeintrag und Artensterben

Sind die Hochmoore noch zu retten?
Versuche zum Erhalt einer Naturlandschaft

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