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… werd` ich nun nicht los

Moorbrände, Nährstoffeintrag und Artensterben

Auch den heutzutage unter Schutz gestellten Hoch- und Niedermooren drohen Gefahren. Immer wieder kommt es in den Schutzgebieten zu Bränden, die große Hochmoorflächen zerstören und langfristig verändern.

Frühjahr und Herbst gefährlich

Brände haben die Moore immer wieder heimgesucht. Die oberflächlich lagernde, trockene Vegetationsdecke ist vor allem zu Beginn des Frühjahrs anfällig für Entzündungen, wenn die Sonneneinstrahlung bereits kräftig ist und die junge Vegetation noch nicht mit ihren saftigen Trieben die Hochmoorbulten bedeckt. Auch im Herbst kann es in der trocken gewordenen Vegetation zu Bränden kommen. Bei Mooren mit einem nicht oder wenig degenerierten Wasserhaushalt bleiben diese Brände dann aber oberflächlich.

Dolichopteryx longipes © G. Brown Goode und Tarleton H. Bean / Copyright expired

Anders bei stärker entwässerten Mooren. Wenn das Feuer auf die trocken gefallenen Torfschichten übergreift und es zu einem Tiefenbrand kommt, ist nahezu jeder Löschversuch zwecklos. Tiefenbrände können über Tage und Wochen mit unverminderter Intensität andauern. Das ist nicht weiter erstaunlich – Torf ist ein Brennstoff, dessen Heizwert an den der Holzkohle heranreicht. Dementsprechend kann ein degeneriertes Moor auch bis zum mineralischen Untergrund abbrennen, und binnen kurzem werden Jahrtausende Torfmoos-Aufbauarbeit zerstört und treibhausrelevante Gase in die Atmosphäre freigesetzt.

Asche als natürlicher Dünger

Torfbrände haben darüber hinaus eine weiterreichendere Bedeutung für das verbliebene Restbiotop. Als freigesetztes Nährstoffreservoir düngt die Asche die Umgebung, deren Lebensräume für die an Nährstoffarmut angepassten Hochmoorspezialisten nun nicht mehr geeignet ist. Die Folge – genau diese Arten sterben aus, weniger spezialisierte Allerweltsarten nehmen ihren Platz ein.

Eine eher schleichende, aber gänzlich unausweichliche Gefahr besonders für die nährstoffarmen Regenmoore ist der Nährstoffeintrag durch die Luft. Vor allem Stickstoff wird über den atmosphärischen Transport mit dem Regenwasser eingewaschen. Bis zu 70 Kilogramm Stickstoff pro Hektar und Jahr muss ein Hochmoor in Nordwestdeutschland verkraften. War dieses Element früher der limitierende Faktor im Moor, so sind es heutzutage Phosphor und Kalium, was zu einer mehr oder minder weitreichenden Artenverschiebung führt. Ein Beispiel ist der Beinbrech, eine Charakterart der Niedermoore, der in jüngerer Zeit zunehmend in den Hochmooren Nordwestdeutschlands angetroffen wird. Aber auch typische Pionierpflanzen der Schlagfluren wie das Weidenröschen, sogar die Ohrenweide haben zunehmend bessere Entwicklungschancen im Hochmoor.

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Vom Aussterben bedroht

Die Verluste an Arten sind drastisch. In den meisten Gebieten des Lande sind die Moore gefährdet, und mit ihnen die 200 Pflanzenarten, die zu den Spezialisten der Moorvegetation gezählt werden. Mehr als 50 Prozent der Pflanzen der nährstoffarmen Regenmoore und mehr als 40 Prozent der Feuchtwiesenarten sind in Deutschland vom Aussterben bedroht.

Ob Schutzmaßnahmen überhaupt noch greifen ist ungewiss. So wurden gemäß der Ramsar-Konvention in der Diepholzer Moorniederung zunehmend Schutzgebiete ausgewiesen, um die Populationen der Uferschnepfe und des Rotschenkels zu unterstützen. Auch nach zehn Jahren noch stagnieren die Brutvorkommen oder sanken sogar. Warum? Die an die Niedermoorflächen angrenzenden Feuchtwiesen, die den Vögeln als Nahrungsgrundlage dienten, wurden nach der Schutzgebietsausweitung umso intensiver bewirtschaftet.

In Anbetracht der weitreichenen Beeinträchtigungen und Gefährdungen muss eine zumindest kritische (skeptische) Prognose für das weitere Bestehen der ehemals artenreichen und vielfältigen Moore gestellt werden. Aber es gibt auch eine Anzahl von Bemühungen, diese Lebensräume wieder herzustellen. Renaturierung ist das Zauberwort…

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Stand: 13.10.2006

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Hochmoore in Bedrängnis
Vom Leben in Extremen

Wasser, Ton und viel, viel Zeit...
Wie Moore entstehen

Säure und Nährstoffmangel
Lebensbedingungen im Hochmoor

Was ist Torf?
Boden, Baustoff, Brennmaterial

Blick in die Vergangenheit
Blütenstaub als Forschungsobjekt

Hungerkünstler und Kampfstratege
Sphagnum – ein Moos als Landschaftsbildner

Glitzernde Falle
Der Sonnentau – Karnivor im Moor

Gemeinsam sind sie stärker...
Mykorrhiza als Überlebensstrategie

Zwergenwuchs und Sonnenschutz
Warum Wasserverlust im Hochmoor vermieden wird

Blau bevorzugt
Das Hochzeitskleid des Moorfroschs

Die letzte Balz in Sicht?
Das Birkhuhn auf verlorenem Posten

Der "brennende Rasen"
Die Nutzungsgeschichte des Torfs

Die Geister, die ich rief...
Mineralisierung und Klimabelastung

... werd` ich nun nicht los
Moorbrände, Nährstoffeintrag und Artensterben

Sind die Hochmoore noch zu retten?
Versuche zum Erhalt einer Naturlandschaft

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