Wutach-Tricks und Karstquellen - scinexx | Das Wissensmagazin
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Wutach-Tricks und Karstquellen

Phänomen Wasser

Ein „Flussdiebstahl“ ist für die Donau nichts Neues. Schon mehrfach hat sie in ihrer Geschichte, die vor etwa acht Millionen Jahren begann, wichtige ehemalige Zuflüsse eingebüßt. So kam es vor etwa 1,8 Millionen Jahren bereits schon einmal zu gravierenden Veränderungen an der Ur-Donau. Damals verlor sie dem Buch „Deutschlands Süden“ zufolge „nicht nur die Einzugsgebiete von Ur-Main und Lone an Main und Neckar, sondern auch ihren wasserreichsten alpinen Zufluss: den Alpenrhein. Dieser wurde […] am Ende der Donau-Kaltzeit, über das Bodenseebecken nach Westen abgelenkt und an den Aare-Rhein angeschlossen.“ Ein anderes Beispiel für das Phänomen Flussabwerbung wartet auf uns am nächsten Stopp unserer Tour durch Süddeutschland.

Schluchtstrecke der Wutach © J. Eberle

Feldberg-Donau ade

Lange Zeit lag das Quellgebiet der Donau im Feldberggebiet im Schwarzwald. Doch damit war kurz nach dem Maximalstand der letzten Eiszeit vor etwa 17.000 bis 18.000 Jahren endgültig Schluss. Denn damals gelang es der Wutach, einem kleinen nördlichen Nebenfluss des Hochrheins, durch so genannte rückschreitende Erosion den Oberlauf der Feldberg-Donau anzuzapfen und direkt zum Rhein hin umzulenken.

„Die Donau verlor dabei ihr Einzugsgebiet am Feldberg, der Donau-Ursprung wird deswegen heute durch den Zusammenfluss der ehemaligen Nebenflüsse Brigach und Breg in Donaueschingen definiert. Nirgendwo sonst in Süddeutschland lassen sich die Auswirkungen des ‚Kampfes‘ um die Wasserscheide zwischen Donau- und Rheinsystem so deutlich beobachten wie hier“, erklären Joachim Eberle und seine Kollegen.

Der Blautopf in Blaubeuren © Harald Frater

Warum ist der Blautopf so blau?

Wir verlassen den Schwarzwald und reisen ein Stückchen weiter Richtung Nordosten, bis wir den Fuß der Schwäbischen Alb erreichen, genauer gesagt die Kleinstadt Blaubeuren. Schlagzeilen macht sie weniger durch die Blaubeurer Funzel, den leistungsschwächsten Rundfunksender Deutschlands, sondern vielmehr durch den so genannten Blautopf. Dabei handelt es sich um eine Karstquelle, aus der durchschnittlich 2.000 Liter Wasser sprudeln – pro Sekunde. Sie gehört damit zu den ergiebigsten Quellen hierzulande. Der Blautopf speist ein Flüsschen namens Blau, das nur wenige Kilometer weiter in die Donau mündet.

Das Markenzeichen des Blautopfs ist sein nahezu kreisrunder, trichterförmiger Quelltopf mit dem strahlend blaugrünen Wasser, das schon seit Jahrhunderten Stoff für Märchen und Sagen geliefert hat. So glaubten die Menschen früher der Legende nach, dass die Färbung des Wassers auf dem regelmäßigen Einfüllen blauer Tinte in den Quelltopf beruht. Viel wahrscheinlicher ist jedoch, dass sich das ungewöhnliche Blau aus der Eigenfarbe des Wassers ergibt, „die wegen der großen Tiefe und der Klarheit des Wassers in Erscheinung treten kann. Die einfallenden Sonnenstrahlen werden bis auf die blauen Strahlen völlig verschluckt.“ So steht es jedenfalls auf einer Erklärungstafel am Blautopf.

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Blautopf mit eigenem Höhlensystem

Eindeutig geklärt ist dagegen längst, dass es bis zum Grund des früher für „bodenlos“ gehaltenen Quelltopfs lediglich 21 Meter sind. Und auch woher das Wasser der Quelle stammt ist, spätestens seit 1960 bekannt. Denn damals entdeckten Taucher am tiefsten Punkt des Blautopfs den Eingang in ein weit verzweigtes Höhlensystem. Über dieses fließt das Versickerungswasser aus einem größeren Karstgebiet unaufhörlich der Quelle zu.

Größe und Aussehen des so genannten Blauhöhlensystems blieben für die Höhlenforscher lange Zeit jedoch weitgehend rätselhaft. Vor allem in den letzten Jahren sind den Speläologen mithilfe moderner Tauchtechnik jedoch viele neue Entdeckungen gelungen. Bei ihren Expeditionen in die Unterwelt sind sie beispielsweise auf zum Teil mächtige Kammern und Hallen gestoßen. Die größte davon heißt Apokalypse und ist 50 Meter breit, 170 Meter lang und 50 Meter hoch. Hier wimmelt es nur so von ungewöhnlichen Tropfsteinen, Kalzitkristallen und seltenen Sinterbildungen. Die Wissenschaftler konnten zudem eine Verbindung zwischen der Blauhöhle und der nahe gelegenen Vetterhöhle nachweisen, wodurch sich der Gesamtkomplex noch einmal entscheidend ausdehnte.

Längste Höhle der Schwäbischen Alb

„Mit 7.065 Meter Gesamtganglänge, davon Blautopfhöhle 4,9 Kilometer, zählt das aus dem 2006 erfolgten Zusammenschluss von Vetterhöhle und Blautopfhöhle gebildete Blauhöhlensystem zu den größten Höhlen Deutschlands und ist die mit Abstand längste Höhle der Schwäbischen Alb“, fassten Andreas Kücha, Wolfgang Ufrecht und Herbert Jantschke von der Arbeitsgemeinschaft Blautopf im Jahr 2009 den derzeitigen Forschungsstand zum Blauhöhlensystem zusammen.

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Stand: 24.09.2010

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Deutschlands Süden
Eine Reise durch einzigartige Landschaften und Jahrmillionen Erdgeschichte

Kosmischer Doppelschlag vor 15 Millionen Jahren
Die Meteoritenkrater von Nördlingen und Steinheim

Tropisches Paradies im Ölschiefer
Die Grube Messel

Ein Gletscher am Rhein
Jede Menge Eis - und seine Folgen

Des Teufels Werkzeug
Dengelstein - ein Findling im Allgäu

Flussdiebstahl an der Donau
Der „Kampf“ um die Wasserscheide zwischen Donau- und Rheinsystem

Wutach-Tricks und Karstquellen
Phänomen Wasser

Der Frühmensch aus dem Sand
Die ältesten menschlichen Knochen Mitteleuropas

„Heiße“ Zeiten in Süddeutschland
Vulkanismus als Landschaftsbildner

Von Gletschern und schwimmenden Inseln
Die Arberseen im Bayerischen Wald

Am höchsten Punkt Deutschlands
Zugspitze und Alpen

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