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Vorbeugendes Kartieren

Vom "Crisis Mapping" zu "Mapathons"

Eine relativ neue Entwicklung ist das „Crisis Mapping“, das über das bisherige Open Street Mapping hinausgeht: Freiwillige können von überallher auf der Welt per Computer Hilfe leisten, ohne tatsächlich vor Ort zu sein. Menschen aus dem Norden können zum Beispiel via Internet dabei helfen, Geodaten zu erzeugen, die beispielsweise für das Bewältigen einer Katastrophe auf der südlichen Welthalbkugel dringend benötigt werden.

Im Idealfall werden schon vor einer Katastrophe aus Satellitenbildern Karten erstellt, hier in Open Street Map © MapGive

Kartieren schon vor der Katastrophe

Das kann individuell vom heimischen Computer aus geschehen oder in einer konzertierten Aktion nach dem Vorbild der „Open Street Mapping-Parties“. Derartige Aktionen sind auch in Heidelberg schon mehrfach erfolgt. Mittlerweile hat sich mit den „disastermappers heidelberg“ sogar eine studentische Initiative etabliert, die unterstützt vom Geographischen Institut der Universität sogenannte „Mapathons“ organisiert.

Der Aktionsschwerpunkt wandelt sich dabei von der spontanen Hilfe im Notfall zur vorsorglichen Aufnahme von Geoinformationen in Gebieten, in denen bislang kaum aufbereitete Geodaten, sogenannte vektorisierte Geodaten, verfügbar sind. Sie müssen erst aus Luft- und Satellitenbildern abgezeichnet und mit semantischen Attributen versehen werden. Dies ist insbesondere in den ärmsten – und oft auch den gefährdetsten – Regionen der Welt der Fall.

Internationale Beteiligung

Im Jahr 2015 wurde das „Missing Maps Project“, ein Zusammenschluss des amerikanischen und britischen Roten Kreuzes, der Ärzte ohne Grenzen und des Humanitarian Open Street Map-Teams, kurz HOT, gegründet. Seit Anfang 2016 ist auch die Abteilung Geoinformatik der Universität Heidelberg offizielles Mitglied dieses Projektes.

Das Ziel ist es, in gefährdeten Gebieten mit schlechter Geodaten-Basis mithilfe von Freiwilligen Daten zu sammeln – und zwar bevor eine große Katastrophe ausbricht. Auf diese Weise sollen ausreichende Geoinformationen auch zum Bewältigen „kleinerer“ Ereignisse, etwa für die allgemeine Gesundheitsplanung, für Krankheitsepidemien oder Hungersnöte, verfügbar werden.

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Alexander Zipf, Universität Heidelberg / Ruperto Carola
Stand: 21.10.2016

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Mit Netz und Geodaten
Wie Internet und Soziale Medien beim Katastrophen-Management helfen

Warum Geodaten wichtig sind
Informationsquellen im Katastrophenfall

Webnutzer als Kartierungs-Helfer
Das Beispiel Open Street Map

Vorbeugendes Kartieren
Vom "Crisis Mapping" zu "Mapathons"

Citizen Science für Geodaten
Wie auch Laien bei der Erstellung von Geodaten helfen können

Twitter, Flickr und Co
Geodaten aus der Social-Media-Analyse

Vom Tweet zur Karte
Aus Webinfos werden Geodaten

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