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Renaissance des Biokunststoff

Eine alte Idee wird neu entdeckt

Mit einem Marktanteil von circa einem Prozent ist Biokunsttoff bis heute eher rar. Das ist umso verwunderlicher, wenn man sich die Entwicklung des Biokunststoffs anschaut. Denn so neu, wie der Name es suggeriert, ist das Material nicht – ganz im Gegenteil: Schon vor mehreren hundert Jahren war der Naturkautschuk als Rohstoff bekannt und im 19. Jahrhundert wurde Plastik auch schon aus anderen Biopolymeren hergestellt.

Eine Kugel gab den Ausschlag

Den Anstoß für die Massenproduktion des ersten Biokunststoffes gab ausgerechnet ein Preisausschreiben. In diesem wurde nach einem Material gesucht, das teures Elfenbein in Billardkugeln ersetzen sollte. Der Engländer Alexander Parks reichte daraufhin den Vorschlag für das Material Parkesine ein. Es wurde aus Campher und Cellulosenitrat hergestellt und gilt heute als Vorläufer des Celluloids. Das Material wurde für Kamerafilme, Kämme und Tischtennisbälle verwendet. Lange halten konnte es sich allerdings nicht, es war zu schnell entflammbar.

Stattdessen setzte sich aber kurze Zeit später Biokunststoff auf Basis von Casein durch. Das Material ähnelte Horn und war beliebt als Ausgangsmaterial für Knöpfe und Schmuck. Doch auch andere Biopolymere wurden in dieser Zeit erprobt und gingen zum Teil in Serie. Doch der Erdölboom zu Beginn des 20. Jahrhundert verdrängte die erneuerbaren Rohstoffe. Das günstige Erdöl war zunächst attraktiver und der Biokunststoff war vorerst vergessen.

Verbreitung hängt mit Ölpreis zusammen

Eine Renaissance erlebte das Material erst wieder in den letzten Jahren. Denn besonders die Debatten um den Klimawandel und den knappen Rohstoff Erdöl machen Bioplastik wieder interessant. Dass der Biokunststoff trotzdem noch als Nischenprodukt gilt, hängt laut Experten vor allem mit dem Preis zusammen. Denn bisher ist der herkömmliche Kunststoff noch einiges günstiger als die Bio-Varianten. Eine Veränderung des Erdölpreises könnte demnach auch direkten Einfluss auf die Verbreitung des Biokunststoffs haben.

Selbst Legosteine könnten in Zukunft aus Biokunststoff sein. © LEGO Gruppe

Unabhängig vom Ölpreis gehen Experten aber davon aus, dass der Biokunststoffanteil kontinuierlich wachsen wird. Dafür sorgen nicht zuletzt große Konzerne wie Coca Cola, die auf Biokunststoffe setzen und dazu auch mit anderen Firmen kooperieren. Eine Arbeitsgruppe, bestehend aus fünf global agierenden Großunternehmen unterschiedlicher Branchen, arbeitet schon seit 2012 zusammen um PET zu 100 Prozent biobasiert zu produzieren. Und der LEGO-Konzern baut gerade ein eigenes Forschungszentrum für die Entwicklung nachhaltigerer Materialien für ihre bunten Bauklötze.

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Hanna Diewald
Stand: 14.10.2016

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Wundermaterial Biokunststoff
Nischenprodukt oder Werkstoff der Zukunft?

Bio ist nicht gleich Bio
Ein Name zwei Varianten

Vom Lebewesen zum Kunststoff
Die wundersame Verwandlung der Pflanzen und Abfälle

Plastik für die Ewigkeit?
Von zu langer Haltbarkeit und plastikfressenden Bakterien

Umstrittene Ökobilanz
Tatsächlich Bio oder doch nur greenwashing?

Vielseitiger Biokunststoff
Mehrwert für spezielle Anwendungsgebiete

Der komplizierte Weg des Biokunststoff
In welcher Tonne soll er landen?

Renaissance des Biokunststoff
Eine alte Idee wird neu entdeckt

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