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Donnerstag, 09.02.2012
Deutscher Umweltpreis 2008 für Ernst Ulrich von Weizsäcker und Holger Zinke
DBU: Preisträger Pioniere nachhaltigen Wirtschaftens
Der Deutsche Umweltpreis steht 2008 ganz im Zeichen eines schonenden Umgangs mit Rohstoffen, eines bewussten Umgangs mit Energie und nachhaltigen Wirtschaftens: Professor Ernst Ulrich von Weizsäcker, Dekan der Donald Bren School für Umweltwissenschaft und -management der Universität Kalifornien in Santa Barbara und Holger Zinke, Gründer des mittelständischen Biotech-Unternehmens BRAIN in Zwingenberg, erhalten in diesem Jahr die begehrte Auszeichnung. Bundespräsident Horst Köhler wird am 26. Oktober den mit 500.000 Euro höchstdotierten Umweltpreis Europas im Auftrag der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) in Rostock übergeben.

Holger Zinke und Ernst Ulrich von Weizsäcker
Holger Zinke und Ernst Ulrich von Weizsäcker
© DBU Holger Zinke und Ernst Ulrich von Weizsäcker
Von Weizsäcker wird laut DBU geehrt, weil er seit Jahrzehnten hervorragende Überzeugungsarbeit weltweit für nachhaltiges Wirtschaften in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft leistet. Zinke, weil es ihm mit innovativer weißer Biotechnologie gelungen ist, neuartige Wirkstoffe aus der Natur mit großem Erfolg für die industrielle Produktion bereitzustellen und damit die Umwelt zu entlasten.

Herausragende Persönlichkeit
Bei der Vorstellung der neuen Preisträger, die je 250.000 Euro erhalten, würdigte DBU-Generalsekretär Fritz Brickwedde gestern den Neffen des ehemaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker als „herausragende Persönlichkeit, die weltweit dafür bekannt ist, pionierhafte Antworten auf globale Umweltprobleme zu finden.“

von Weizsäcker habe die seltene, ungeheuer wichtige Gabe, schwierige umweltpolitische Themen verständlich zu machen und lebensnah für Menschen aus unterschiedlichen Welten mit unterschiedlichen Lebenserfahrungen zu übersetzen. Er berate vorbildlich Führungskräfte aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft auf nationaler und internationaler Ebene und vernetze Experten verschiedener Wissenschaften zum Wohle der Umwelt.

In seinem jahrzehntelangen Wirken habe von Weizsäcker nicht nur als Physiker und Biologe in vielen Funktionen Spuren hinterlassen, sagte Brickwedde. Als bestechender Experte für Umwelt und Ökoeffizienz habe er einflussreiche Bücher veröffentlicht, darunter den Bestseller „Faktor Vier“ (1995). Seit vielen Jahren fordere er eine bedingungslose Effizienzrevolution.

Verdoppelung des verteilbaren Wohlstands möglich
Nach seiner Überzeugung ist eine Verdoppelung des verteilbaren Wohlstands mit halbiertem Naturverbrauch möglich und erhöht zudem noch die Lebensqualität. Der Teufelskreis zwischen wachsender Wirtschaft und vermehrter Umweltverschmutzung könne durch nachhaltiges Wirtschaften durchbrochen werden. In der heutigen Klima- und Umweltpolitik seien seine wissenschaftlich entwickelten Ideen zur Umweltvorsorge fest verankert.

Brickwedde: „Mittlerweile ist Umweltpolitik weit über den nationalen Rahmen hinausgewachsen. Sie spielt eine entscheidende Rolle für die Friedens- und Entwicklungspolitik weltweit. Das verdanken wir auch dem Einsatz von Ernst Ulrich von Weizsäcker.“

Natur statt Chemie
BRAIN (Biotechnology Research And Information Network) mit ihrem Gründer Zinke erforscht und verwendet Stoffe aus der Natur, wie zum Beispiel Mikroorganismen, um durch ihren Einsatz chemische Prozesse durch umweltfreundliche Verfahren zu ersetzen und zu verbessern.

„Denn die industrielle oder 'weiße' Biotechnologie hilft Energie und Materialien einzusparen, schont endliche Ressourcen, entlastet damit die Umwelt und erhöht die wirtschaftliche Wertschöpfung. Dieses Potenzial hat Zinke als einer der Ersten erkannt und genutzt“, erläutert Brickwedde. Er habe als Protagonist ein Arbeitsgebiet von hoher sozialer, ökonomischer und ökologischer Bedeutung besetzt. Damit helfe er, Nachhaltigkeit bei Herstellungsprozessen in der Industrie auf natürlicher und biologischer Basis zu etablieren und die Unabhängigkeit von endlichen fossilen Rohstoffen zu erhöhen.

Innovativer Ansatz
Noch vor wenigen Jahren sei dieses Potenzial, das in Millionen unterschiedlicher Arten winziger Lebewesen steckt, nur wenig beachtet worden. Denn nur ein Prozent der Organismen lasse sich im Labor vermehren. Seit in den 90er Jahren Zinke sein Unternehmen gründete, habe sich einiges geändert: Mit gentechnischen Methoden und viel Entwicklungsarbeit sei es nun möglich geworden, die Erbinformationen von nicht kultivierbaren Mikroorganismen zu entschlüsseln. So hätten ehemals unzugängliche Mikroorganismen und deren Syntheseleistung erstmals für die Produktion nutzbar gemacht werden können.

„Der Ansatz, den Zinke und sein Team verfolgen, ist innovativ, weil nunmehr erstmals der vollständige Werkzeugkasten der Natur für industrielle Zwecke zur Verfügung steht“, so Brickwedde. So habe zum Beispiel ein Waschmittel entwickelt werden können, durch das über eine Million Tonnen Kohlendioxid jährlich eingespart wird.
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