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Donnerstag, 30.03.2017
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Klimawandel „treibt“ Palmen nach Norden

Erster Palmenwald in den Alpen

Die globale Klimaerwärmung lässt Palmen mittlerweile in Regionen gedeihen, wo dies früher aufgrund zu kalter Winterbedingungen nicht möglich war. Dieses gilt auch für Teile Mitteleuropas, wo neuerdings die weltweit nördlichste freiwachsende Palmenpopulation zu finden ist. Die Palmen können aber auch immer weiter nördlich in Gärten gepflanzt werden. Das hat jetzt eine internationale Forschergruppe in einer neuen Studie herausgefunden.
Palme

Palme

Im Rahmen des europäischen Forschungsprojekts ALARM (Assessing LArge scale Risks for biodiversity with tested
Methods) werden unter anderem die Auswirkungen der laufenden Klimaerwärmung auf die Zusammensetzung und Verbreitung der Vegetation untersucht. Wie eine Forschergruppe um den Pflanzenökologen Gian-Reto Walther von der Universität Bayreuth nun entdeckt hat, befindet sich unter den vom Klimawandel begünstigten Arten auch die Palmenart Trachycarpus fortunei.

Diese aus Südostasien eingeführte Art konnte zwar lange Zeit in den Gärten und Parks unter der Obhut des Menschen überleben, es gelang ihr aber nicht, sich erfolgreich außerhalb der Gärten in Konkurrenz zu den einheimischen Arten anzusiedeln. Erst die milderen Winter der jüngsten Vergangenheit erlaubten es dieser Palmenart, aus den Gärten zu verwildern.

Ein Wald aus Palmen?


Verwilderte Palmenpopulation

Verwilderte Palmenpopulation

Seit wenigen Jahrzehnten gelingt es Trachycarpus fortunei, in den Wäldern Fuß zu fassen, aufzuwachsen und sich auch außerhalb der Gärten zu verjüngen. Dies wurde von den Wissenschaftlern an verschiedenen Stellen am Alpensüdfuß im Grenzgebiet der Schweiz und Norditaliens nachgewiesen. Dort befindet sich mittlerweile die neue weltweit nördlichste im Wald wachsende Palmenpopulation.


Aber nicht nur auf der Alpensüdseite, auch nördlich der Alpen ist der Klimawandel spürbar. Die in den Gärten gepflanzten Palmen brauchen im Winter immer weniger geschützt zu werden, beziehungsweise überleben den Winter in Westdeutschland ungeschützt im Freien, so die Forscher. Auch dort zeigen ältere Exemplare bereits Blüten- und Fruchtstände, und Sämlinge finden sich mancherorts unter ausgewachsenen Palmen.

Klimawandel sorgt für gute Wachstumsbedingungen


Dieses Frühstadium der Verjüngung in Gärten wurde auch südlich der Alpen zu Beginn des 20. Jahrhunderts beobachtet, reichte aber noch nicht aus, um die Verwilderung in umliegende Wälder erfolgreich einzuleiten. Erst mit der weiteren Erwärmung im Verlauf des letzten Jahrhunderts wurden die klimatischen Bedingungen für das Überleben der verwilderten Palmen in den Wäldern zusehends günstiger. Mit dem für dieses Jahrhundert prognostizierten Klimawandel ist allerdings auch nördlich der Alpen damit zu rechnen, so die Wissenschaftler, dass ähnlich wie im Süden die Bedingungen für die Palmen zusehends günstiger werden.

Die Trachycarpus-Palme wird aufgrund ihrer Winterhärte in vielen Regionen der Erde im Grenzgebiet der globalen Palmenverbreitung angepflanzt. Damit kann über Kontinente hinweg der laufende und zu erwartende Klimawandel an ein und derselben Pflanzenart beobachtet werden: Die Palme wird somit zum Indikator und Zeugen der globalen Klimaerwärmung.
(idw - Universität Bayreuth, 08.06.2007 - DLO)
 
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