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Sonntag, 22.01.2017
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Mini-Krebse „versenken“ CO2

Antarktischer Krill spielt wichtigere Rolle im Kohlenstoffkreislauf als bisher angenommen

Der antarktische Krill spielt eine weitaus wichtigere Rolle für den globalen Kohlenstoffhaushalt als bisher angenommen. Eine neue Studie zeigt, dass die winzigen Krebschen an der Meeresoberfläche Kohlenstoff aus Algen aufnehmen und diesen dann durch ihre vertikalen Wanderungsbewegungen in die Tiefsee transportieren - und damit zumindest temporär aus dem Kohlenstoffkreislauf entfernen.
Krill

Krill

Der zur Gattung Euphausia superba gehörende antarktische Krill bildet im Südpolarmeer eine der wichtigsten Teilnehmer des Nahrungsnetzes. Die Krebse ernähren sich von Phytoplankton unterhalb der Meereisdecken und nahe der Wasseroberfläche und werden ihrerseits von Fischen, Pinguinen, Seehunden und Walen gefressen. Insgesamt kalkulieren Forscher die Masse des antarktischen Krills auf 50 bis 150 Millionen Tonnen – flach ausgebreitet könnte diese Menge ganz Schottland unter sich bedecken.

In die Aufmerksamkeit der Wissenschaftler ist jetzt eine besondere Verhaltensweise der Krebse geraten: Haben sie sich an der Oberfläche satt gefressen, breiten sie ihre Schwimmbeine aus und lassen sich wie an einem Fallschirm kontrolliert in die Tiefe sinken – möglicherweise, um so Fressfeinden in den oberen Wasserschichten zu entgehen.

Wissenschaftler des Britischen Antarctic Survey und des Scarborough Centre of Coastal Studies an der Universität von Hull haben jetzt entdeckt, dass der Krill diese Wanderungsbewegung in tiefe Wasserschichten nicht, wie bisher angenommen nur einmal innerhalb von 24 Stunden durchführt, sondern mehrmals pro Nacht. Indem sie dabei Kot abgeben, hinterlassen sie so weitaus mehr organische Substanz und damit Kohlenstoff in tieferen Wasserschichten als gedacht. Die Ergebnisse werden in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Current Biology veröffentlicht.


Gefressenwerden gut für die Umwelt?


“Wir wussten seit langem, dass Krill die Hauptnahrungsquelle für Wale, Pinguine und Seehunde ist, aber wir hatten keine Idee, dass ihre Taktik gegen das Gefressenwerden auch gut sein könnte für die Umwelt“, erklärt Geraint Tarling vom britischen Antarctic Survey. „Indem sie absinken, transportieren sie Kohlenstoff, der weiter zum Meeresboden absinkt – in einer Menge, die den jährlichen Emissionen von 35 Millionen Autos entspricht – und das macht diese winzigen Tiere viel wichtiger als wir dachten.“

Doch diese Erkenntnis hat auch eine Schattenseite: Denn die Menge des antarktischen Krills ist seit den 1970er Jahren um fast 80 Prozent gesunken. Nach Ansicht der Forscher könnte die deutliche Erwärmung des Meeres um 2,5°C in den letzten 50 Jahren, verbunden mit einem deutlichen Rückgang des winterlichen Meereises, eine der Ursachen dafür sein.
(British Antarctic Survey (BAS), 07.02.2006 - NPO)
 
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