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Mittwoch, 18.01.2017
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„Dicke Luft“ über China

Satelliten beobachten spektakuläre Zunahme der Stickstoffdioxid-Menge

Zwischen 1996 und 2002 haben sich die Mengen von Stickstoffdioxid über den industrialisierten Gebieten von China um 50 Prozent erhöht. Gleichzeitig war über Europa und Teilen der USA eine deutliche Verbesserung der Luftqualität zu beobachten. Dies ergaben Messungen der Satelliten ERS-2 und ENVISAT.
Stickstoffdioxid-Konzentration über Asien

Stickstoffdioxid-Konzentration über Asien

Die in der aktuellen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins Nature veröffentlichte Studie zeigt, dass das rasante Wachstum der chinesischen Wirtschaft zu einem Anstieg des Luftschadstoffes Stickstoffdioxid geführt hat und sich dadurch die Luftqualität dort dramatisch verschlechtert. Wissenschaftler, die Daten der Satelliteninstrumente GOME auf ERS-2 und SCIAMACHY auf ENVISAT ausgewertet haben, vermuten, dass sich der Anstieg voraussichtlich weiter fortsetzen wird.

Stickstoffdioxid-Konzentration über Europa

Stickstoffdioxid-Konzentration über Europa

Gleichzeitig stellten die Forscher der Universität Bremen, des Max-Planck Instituts in Hamburg und des französischen CNRS fest, dass die Stickstoffdioxid-Konzentrationen in den meisten Industrieländern stagnierten oder sogar deutlich abnahmen. Dies ist ihrer Ansicht nach auf die in den vergangen Jahren umgesetzten Maßnahmen zur Reduktion der Emissionen zum Beispiel in Kraftwerken und Automotoren sowie auf den Einsatz sauberer Brennstoffe zurückzuführen.

Prognosen für China zu niedrig


Die Ergebnisse der Studie belegen zudem, dass bisherige Prognosen für China den Anstieg des Stickstoffdioxids deutlich unterschätzen. Dies ist nach Ansicht der Wissenschaftler vermutlich darauf zurückzuführen, dass nicht alle Emissionsquellen vollständig erfasst sind. Hier können die Satellitendaten zukünftig helfen, die Emissionsquellen besser aufzuzeichnen.


Chinas Bevölkerung - rund 1,3 Milliarden Einwohner oder 20 Prozent der Weltbevölkerung - hat sich in den vergangenen 100 Jahren mehr als verdoppelt. China ist die drittgrößte Volkswirtschaft der Erde. Sie hatte zwischen 1999 und 2003 ein Wirtschaftswachstum von durchschnittlich acht Prozent pro Jahr. Der Energieverbrauch wächst stark. Er liegt zurzeit pro Kopf jedoch erst bei circa einem Neuntel des Wertes der USA. Die Anzahl der Fahrzeuge pro Kopf liegt ebenfalls weit unter dem Weltdurchschnitt. Sie hat sich aber zwischen 1995 und 2002 auf 20,5 Millionen verdoppelt.

Gefährliche Stickoxide


Stickstoffdioxid ist ein gesundheitsschädliches Gas. Es verursacht Atemwegsprobleme und Lungenschädigungen. Zusammen mit anderen Stickoxiden entsteht es hauptsächlich in Verbrennungsprozessen - etwa in Kraftwerken, Automotoren oder bei Waldbränden. Neben der direkten Schädigung der Gesundheit sind Stickoxide auch in einem anderen Punkt von besonderer Bedeutung: Zusammen mit flüchtigen Kohlenwasserstoffen führen sie zur Bildung von Ozon im so genannten Sommersmog. Darüber hinaus tragen sie zur Entstehung des sauren Regens beitragen.

GOME und SCIAMACHY


GOME und SCIAMACHY wurden Ende der 1980er-Jahre unter Federführung von Professor John P. Burrows (Universität Bremen) den Raumfahrtagenturen ESA und DLR als Satellitenexperimente vorgeschlagen. GOME (Global Ozone Monitoring Experiment) auf dem Satelliten ERS-2 misst seit 1995 für die Ozonchemie und die Luftqualität relevante Verteilungen von Spurengasen. GOME wurde von der ESA gebaut und betrieben.

Der Atmosphärensensor SCIAMACHY (Scanning Imaging Spectrometer for Atmospheric Chartography) auf ENVISAT ermittelt seit 2002 die für die Luftqualität, den Treibhauseffekt und die Ozonchemie relevanten Konzentrationen von Spurengasen. Der vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und der niederländischen Raumfahrtagentur (NIVR) beigesteuerte Atmosphärensensor SCIAMACHY ist eines von zehn wissenschaftlichen Instrumenten auf dem von der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) gebauten Erdbeobachtungssatelliten ENVISAT.
(idw - Universität Bremen, 02.09.2005 - DLO)
 
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