• Schalter wissen.de
  • Schalter wissenschaft
  • Schalter scinexx
  • Schalter scienceblogs
  • Schalter damals
  • Schalter natur
Scinexx-Logo
Logo Fachmedien und Mittelstand
Scinexx-Claim
Facebook-Claim
Google+ Logo
Twitter-Logo
YouTube-Logo
Feedburner Logo
Donnerstag, 15.11.2018
Hintergrund Farbverlauf Facebook-Leiste Facebook-Leiste Facebook-Leiste
Scinexx-Logo Facebook-Leiste

Zehn neue Vitamine für die Langlebigkeit

Forscher identifiziert zehn Substanzen, die für das gesunde Altwerden essenziell sein könnten

Helfer für ein langes Leben: Ein US-Forscher hat zehn Substanzen identifiziert, die ein gesundes Altwerden fördern. Diese "Langlebigkeits-Vitamine" könnten für die Gesundheit im Alter und die Lebensdauer ähnlich essenziell sein wie die normalen Vitamine für unser Überleben, so der Wissenschaftler. Neben bereits bekannten "Jungbrunnen" wie Vitamin D, Magnesium Selen und Omega-3-Fettsäuren gehören demnach mehrere pflanzliche Carotinoide sowie der Pilzinhaltsstoff Ergothionein und die beiden bakteriellen Antioxidantien PQQ und Queuin dazu.
Einige bekannte Vitamine sowie zehn neue Langlebigkeits-Vitamine könnten für unser gesundes Altwerden entscheidend sein.

Einige bekannte Vitamine sowie zehn neue Langlebigkeits-Vitamine könnten für unser gesundes Altwerden entscheidend sein.

Als Vitamine gelten die Substanzen, die unser Körper nicht in ausreichender Menge selbst herstellen kann – und die wir daher mit der Nahrung aufnehmen müssen, um zu überleben. "Rund 30 Vitamine und Mineralstoffe sind Kofaktoren, die notwendig sind, damit unser Stoffwechsel richtig funktioniert", erklärt Bruce Ames von den Calico Labs in San Francisco. "Sie wurden entdeckt, weil ein Mangel an diesen Substanzen mit schweren Gesundheitsfolgen verbunden sein kann."

Essenziell für die Langlebigkeit?


Doch nicht nur das Überleben hängt von Vitaminen ab – auch für das gesunde lange Leben könnte es bestimmte essenzielle Substanzen geben. Diese "Langlebigkeits-Vitamine", wie Ames sie nennt, tragen zur korrekten Funktion vieler Proteine im Körper bei und können bei einem Mangel das Altern beschleunigen. "Eine Beeinträchtigung in der Funktion der Langlebigkeits-Proteine führt zu einem erhöhten Risiko für altersbedingte Krankheiten", sagt Ames.

Zu diesen Langlebigkeits-Vitaminen und -Mineralstoffen gehören einige bekannte Vitamine, die neben wichtigen kurzfristigen Körperfunktionen auch langfristige Schäden an Zellen, dem Erbgut und Geweben verhindern und so der Alterung entgegenwirken. Unter diesen sind neben den Spurenelementen Selen und Magnesium auch Vitamin D und die Omega-3-Fettsäuren Docosahexaensäure (DHA) und Eicosapentaensäure (EPA), die unter anderem vorbeugend gegen Demenz wirken sollen.


Ergothionein ist vor allem in Pilzen enthalten

Ergothionein ist vor allem in Pilzen enthalten

Pilz-Wirkstoff als Zellschützer


Zusätzlich zu diesen bekannten Wirkstoffen schlägt Ames zehn weitere Substanzen vor, die bisher nicht zu den Vitaminen gehören, aber künftig als "Langlebigkeits-Vitamine" klassifiziert werden könnten. "Auch diese Verbindungen besitzen eine altersaufschiebende Wirkung", so der Forscher. Eine dieser neuen "Jungbrunnen"-Substanzen ist das vor allem in Pilzen enthaltene Ergothionein (ESH). Studien zufolge kommt ESH in fast allen Zell- und Gewebetypen des Menschen vor und spielt dort eine wichtige Rolle als Antioxidans.

"Der Gehalt an Ergothionein nimmt bei über 80-Jährigen signifikant ab und auch bei Personen mit milden kognitiven Einschränkungen ist die Konzentration dieses Stoffs verringert", berichtet Ames. Zudem sei diese Verbindung für bestimmte zelluläre Transportsysteme essenziell und besitzt zellschützende Wirkung sowie vorbeugende Effekte gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen. "Schon länger besteht der Verdacht, dass ESH ein echtes Vitamin sein könnte", so der Forscher.

Langlebigkeits-Helfer aus Bakterien


Zwei weitere Langlebigkeits-Vitamine werden von Bakterien produziert und gelangen dann über die Nahrung oder unsere eigene Darmflora in unseren Körper: Pyrroloquinolin-Quinon (PQQ) und Queuin. "PQQ ist für die Gesundheit der Mitochondrien notwendig und wurde ebenfalls schon mehrfach als mögliches Vitamin diskutiert", sagt Ames. Die Substanz wirkt ebenfalls antioxidativ und wirkt dem alterstypischen Nachlassen der Mitochondrienfunktion entgegen.


Das Queuin spielt dagegen eine wichtige Rolle bei der Synthese von Biomolekülen wie der Aminosäure Tyrosin und dem Botenstoff Serotonin sowie für die Funktion der Transport-RNA in den Zellen. Die evolutionär sehr alte Verbindung ist am Zellstoffwechsel aller Eukaryoten beteiligt. Wie Ames berichtet, hat sich Queuin in Versuchen mit Mäusen zudem als wirksam gegen Multiple Sklerose erwiesen.

Das Carotinoid Lycopen ist unter anderem in Tomaten enthalten

Das Carotinoid Lycopen ist unter anderem in Tomaten enthalten

Sieben Carotinoide als "Jungbrunnen"


Zu diesen drei neuen Langlebigkeits-Vitaminen aus Pilzen und Bakterien kommen sieben weitere "Jungbrunnen"-Substanzen pflanzlicher Herkunft. Sie alle gehören zu den Carotinoiden und damit zu einer Gruppe von bereits seit längerem als Antioxidantien bekannten Verbindungen. Unter diesen sieht Ames die Carotinoide Lutein, Zeaxanthin, Lycopen, Alpha- und Beta-Carotin und Beta-Cryptoxanthin als besonders vielversprechende Langlebigkeits-Vitamine.

"Es gibt gute Beweise dafür, dass diese Carotinoide dabei helfen, eine optimale und gesunde Lebensspanne zu erreichen", so Ames. "Ein Mangel an diesen Stoffen steht in Zusammenhang mit kognitiven Einbußen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, verschiedenen Krebsformen, Makuladegeneration, dem metabolischen Syndrom, Hörverlust, Schäden an der DNA, Entzündungen und Immunschwäche."

Nach Ansicht von Ames gehören diese zehn Substanzen gemeinsam mit einigen bereits zuvor bekannten überlebenswichtigen Vitaminen damit zu den Langlebigkeits-Vitaminen – den Stoffen, die für ein gesundes langes Leben essenziell sein könnten. "Jetzt ist es wichtig, Tests zu entwickeln, mit denen wir herausfinden können, welche Konzentrationen dieser Langlebigkeits-Vitamine für das optimale Funktionieren unserer Enzyme und Proteine nötig sein", sagt der Wissenschaftler. (Proceedings of the National Academy of Sciences, 2018; doi: 10.1073/pnas.1809045115)
(PNAS, 16.10.2018 - NPO)
 
Printer IconShare Icon