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Donnerstag, 14.12.2017
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Hunde: "Kuschelhormon"-Gen macht zutraulicher

Genvariante beeinflusst die Hinwendung des Hunds zu Herrschen oder Frauchen

"Hilf mir!": Ob und wie schnell ein Hund sich hilfesuchend an seinen Besitzer wendet, hängt auch vom "Kuschelhormon" Oxytocin ab – und von einer Genvariante in seinem Erbgut. Sie bestimmt, ob das Hormon seine Hinwendung zum Menschen verstärkt oder nicht, wie ein Experiment enthüllt. Dies könnte erklären, warum bestimmte Hunderassen zutraulicher sind als andere. Es belegt zudem, dass die Hunde uns auch in diesem Aspekt sehr ähnlich sind.
Dieser Golden Retriever wendet sich hilfesuchend an seine Besitzerin. Bei diesem Verhalten spielt auch das Kuschelhormon Oxytocin eine wichtige Rolle.

Dieser Golden Retriever wendet sich hilfesuchend an seine Besitzerin. Bei diesem Verhalten spielt auch das Kuschelhormon Oxytocin eine wichtige Rolle.

Hunde sind echte Menschenkenner – kein anderes Tier hat sich im Laufe der Domestikation so stark auf uns eingestellt. Sie folgen unseren Blicken, erkennen unsere Stimmung an unserer Tonlage und am Lächeln und können sich sogar in uns a href="http://www.scinexx.de/wissen-aktuell-21351-2017-04-10.html">hineinversetzen. Studien zeigen zudem, dass Hunde durch a href="http://www.scinexx.de/wissen-aktuell-21679-2017-07-20.html">ihre Gene auf besonders soziales Verhalten programmiert sind.

"Unmögliche" Aufgabe als Test


Jetzt enthüllt ein Experiment, dass auch das "Kuschelhormon" Oxytocin die Hunde dazu bringt, eine besonders enge Beziehung zu uns Menschen aufzubauen. Schon länger ist bekannt, dass auch die Hunde dieses Hormon besitzen und es beispielsweise ausgeschüttet wird, wenn sie uns tief in die Augen blicken.

Welche Wirkung das Kuschelhormon bei den Hunden hat, haben Mia Persson von der Universität Linköping und ihre Kollegen mit 60 Golden Retrievern getestet. Aufgabe der Testtiere war es, den Deckel einer Futterbox aufzumachen. Der Trick dabei: Nachdem die Hunde das Prinzip verstanden hatten, schraubten die Forscher den Deckel fest zu – für die Hunde war es nun unmöglich, ihn zu öffnen.


"Wir haben dann beobachtet, wie lange die Hunde es alleine versuchen, bevor sie sich hilfesuchend an ihre Besitzer wandten", erklärt Persson. Um die Wirkung des Kuschelhormons zu testen, erhielten die Hunde bei diesem Versuch entweder eine Dosis Oxytocin per Nasenspray oder nur Salzwasser. Gleichzeitig entnahmen die Forscher von allen Hunden eine Speichelprobe für die DNA-Analyse.

Im Experiment: Der Hund versucht vergeblich, die Deckel zu öffnen.

Im Experiment: Der Hund versucht vergeblich, die Deckel zu öffnen.

Hilfesuchender mit Kuschelhormon


Das Ergebnis: Hatten die Hunde das "Kuschelhormon" vor dem Test bekommen, wandten sich viele von ihnen sehr viel früher an ihre Besitzer und suchten dessen Nähe. Beim Salzwasser-Nasenspray veränderte sich das Veralten der Hunde dagegen nicht. Offenbar hat das Oxytocin die Bindung zum Menschen gestärkt und den Hund dazu bewegt, sich hilfesuchend an seinen "besten Freund" zu wenden, wie die Forscher erklären.

Das Interessante aber: Nicht bei allen Hunden wirkte das Oxytocin. Einige Tiere reagierten gar nicht auf die Dosis Kuschelhormon, andere schienen sogar eher unabhängiger von ihrem Besitzer zu agieren und seine Nähe weniger zu suchen als ohne das Oxytocin. Wie aber ist dies zu erklären?

Ein Gen macht den Unterschied


Eine Antwort lieferte die DNA-Analyse. Der DNA-Vergleich enthüllte, dass die nicht oder gegenteilig reagierenden Hunde eine andere Variante eines bestimmten Gens in ihrem Erbgut trugen. Dieses Gen liegt in unmittelbarer Nachbarschaft des Bauplans für den Oxytocin-Rezeptor – und beeinflusst daher wahrscheinlich dessen Bau und Funktion, wie Persson und ihre Kollegen erklären.

Trugen die Hunde an dieser Stelle die AA-Genvariante, förderte das Oxytocin die Hinwendung zum Besitzer. Trugen sie dagegen die GG-Variante an diesem Genort, dann reagierten sie genau entgegengesetzt. Nach Ansicht der Forscher könnte dies erklären, warum bestimmte Hunde und Hunderassen zutraulicher sind als andere: Vertreter dieser Rassen tragen möglicherweise häufiger die AA-Genvariante.

Genvarianten auch bei Wolf und Mensch


Die neuen Erkenntnisse liefern jedoch auch neue Einblicke die die Domestikation der Hunde. Denn auch Wölfe tragen unterschiedliche Varianten dieses Gens in ihrem Erbgut, wie DNA-Tests belegen. "Die Menschen wählten für die Domestikation gezielt die Wölfe aus, die besonders gut kollaborierten und sich gut zähmen ließen", sagt Persson. Möglicherweise spielte auch dabei schon die AA-Genvariante eine Rolle.

Übrigens sind Hund und Wolf nicht die einzigen, deren Reaktion auf Oxytocin von dieser Genvariante beeinflusst wird: Auch bei uns Menschen gibt es diesen Polymorphismus: "Wir haben ganz ähnliche Genvarianten in diesem Hormonsystem", erklärt Perssons Kollege Per Jensen. "Deshalb hilft uns das Studium des Hundeverhalten auch ein wenig, uns selbst besser zu verstehen." (Hormones and Behavior, 2017; doi: 10.1016/j.yhbeh.2017.07.016)
(Linköping University, 20.09.2017 - NPO)
 
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