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Freitag, 21.09.2018
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Kakadus schaffen den Hakentest

Vögel biegen sich ihre Werkzeuge zur Angel zurecht – zumindest einige

Clevere Vögel: Nach den Krähen haben nun auch Goffini-Kakadus den "Hakentest" bestanden: Mit ein wenig Herumprobieren lernen die Vögel, sich einen Draht so zurechtzubiegen, dass sie mit ihm einen Futterkorb aus einem Rohr angeln können. Allerdings: Diesen komplexen Ablauf bewältigte nur eine Minderheit der Testkakadus – möglicherweise, weil diese Vögel im Unterschied zu Krähen nicht von Natur aus Werkzeuge kennen und nutzen, mutmaßen die Forscher.
Geschafft: Mit dem selbst zurechtgebogenen Haken angelt sich dieser Goffini-Kakadu das Körbchen mit der leckeren Nuss.

Geschafft: Mit dem selbst zurechtgebogenen Haken angelt sich dieser Goffini-Kakadu das Körbchen mit der leckeren Nuss.

Vor 15 Jahren verblüffte die Krähe Betty die Wissenschaftswelt: Biologen beobachteten, wie das Tier aus einem Draht einen Haken bog, um damit ein kleines Körbchen mit Futter aus einer Röhre zu angeln. Inzwischen ist auch von anderen Vögeln bekannt, dass sie Werkzeuge nutzen und herstellen. Vor allem die Goffini-Kakadus haben sich als erstaunlich clever erwiesen: Sie knacken Tresore, schlussfolgern logisch und wägen sehr genau ab, ob sich ein Einsatz lohnt.

Ein Draht, eine Nuss und ein Röhrchen


Ob die schlauen Kakadus auch mit der Krähe Betty mithalten können, haben Isabelle Laumer von der Universität Wien und ihre Kollegen nun untersucht. "Wir konfrontierten unsere Kakadus mit dem gleichen Problem wie Betty: Die Vögel erhielten ein mit einer Cashewnuss befülltes Körbchen am Boden eines vertikalen Plexiglasröhrchens und als einziges Hilfsmittel ein gerades Stück Draht", berichtet Laumer.

Um an den Inhalt des Körbchens zu gelangen, mussten die Vögel den Draht zu einem Haken verbiegen, das Werkzeug richtig herum einführen, den Haken in den Henkel einhängen und das Körbchen hochziehen – eine komplexe Abfolge von Schritten. In einem weiteren Versuch befand sich die Cashewnuss in der Mitte eines horizontalen Röhrchens. Um das Futter herausstoßen zu können, mussten die Tiere ein um 90 Grad gebogenes Drahtstück gerade biegen.


Mit den Schnabel biegt sich der Kakadu das Drahtstück zurecht.

Mit den Schnabel biegt sich der Kakadu das Drahtstück zurecht.

Hakentest bestanden…


Würden die Kakadus diese Aufgaben meistern? Die Versuche ergaben: Prinzipiell begreifen auch Goffini-Kakadus nach einigem Herumprobieren, wie sie mit Hilfe des Hakens an ihr Futter kommen. "Die Kakadus zeigten dabei unterschiedliche Techniken, um die Haken zu biegen", berichtet Laumer. "Meistens wurde der Haken aber direkt mit dem Schnabel gebogen und dann das selbst hergestellte Werkzeug sofort eingeführt."

Spannend ist dies vor allem deshalb, weil die Goffini-Kakadus im Gegensatz zu Krähen nicht von Natur aus gewohnt sind, Werkzeuge zu nutzen. "Die Innovationsfähigkeit der Vögel hat uns erstaunt: Anders als Krähen hatten sie keine Vorerfahrung mit Hakenwerkzeugen", erklärt Seniorautorin Alice Auersperg. "Sie sind weder darauf spezialisiert, Werkzeuge zu bauen oder zu gebrauchen, noch biegen sie Äste beim Nestbau."

Aber: Keine gute Erfolgsquote


Dies könnte auch erklären, warum längst nicht alle Kakadus die Aufgaben bewältigten: Von den 13 Kakadus schafften nur drei den Hakentest. Das Geradebiegen des Drahts begriffen immerhin vier von ihnen. "Die Tatsache, dass nur manche Kakadus auf die Lösung gekommen sind und dass die Technik, den Haken zu biegen von Tier zu Tier unterschiedlich war, lässt vermuten, dass die Kakadus das Problem ganz individuell gelöst haben und dabei nicht auf angeborene stereotype Verhaltensweisen zurückgegriffen haben", erklärt Auersperg.


Im Gegensatz zu den Krähen müssen sich die Kakadus ihre Lösungen daher komplett neu erarbeiten und dabei für sie eigentlich ungewohnte Verhaltensweisen lernen. "Die generelle Intelligenz der Goffini-Kakadus erlaubt ihnen augenscheinlich, ungewöhnliche Probleme zu lösen, die sie in der freien Wildbahn üblicherweise nicht antreffen", so Auersperg abschließend. (Proceedings of the Royal Society B, 2017; doi: 10.1098/rspb.2017.1026)
(Universität Wien, 06.09.2017 - NPO)
 
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