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Dienstag, 26.09.2017
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Wir wollen es nicht wissen

Studie enthüllt willentliche Ignoranz selbst bei positiven Zukunftsereignissen

Auskunft unerwünscht: Die Mehrheit der Menschen möchte nicht wissen, was ihnen die Zukunft bringt – selbst wenn es positive Ereignisse sind. Das enthüllen zwei repräsentative Studien in Deutschland und Spanien. Geht es um die Auskunft über negative Ereignisse, wollen 86 bis 90 Prozent die Antwort nicht wissen – durchaus nachvollziehbar. Erstaunlich aber ist, dass selbst bei positiven Zukunftsereignissen 40 bis 70 Prozent keine Auskunft wollen.
Glaskugel Nein Danke: Die meisten von uns wollen gar nicht wissen, was ihnen die Zukunft bringt.

Glaskugel Nein Danke: Die meisten von uns wollen gar nicht wissen, was ihnen die Zukunft bringt.

Möchten Sie wissen, wie lange Sie leben werden, ob Ihre Beziehung hält oder wer die nächste Fußballmeisterschaft gewinnt? Da wir nicht in die Zukunft sehen können, stellen sich diese Fragen meist nicht. Doch gerade die moderne Medizin bietet inzwischen durchaus eine Reihe von Untersuchungen, die zumindest in Teilen einen Blick auf das weitere Schicksal gewähren können.

"Menschen sind nicht nur dazu eingeladen, von ihnen wird auch oft erwartet, an Krebsfrüherkennungsmaßnahmen oder regulären Gesundheitschecks teilzunehmen, ihr ungeborenes Baby einer Reihe von pränatalen Gentest zu unterziehen oder Self-Tracking-Geräte zur Messung der eigenen Gesundheit zu nutzen", erklärt Gerd Gigerenzer vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung.

Dilemma des Wissens


Genau dies aber stellt uns vor ein Dilemma: Einerseits kann das Wissen um die Zukunft helfen, genau diese abzuwenden oder abzumildern. Andererseits aber stellt sich die Frage, ob wir überhaupt wissen wollen, was uns bevorsteht. Um das herauszufinden, haben Gigerenzer und seine Kollegen jeweils mehr als 2.000 Menschen in Deutschland und Spanien befragt.


Die Studienteilnehmer sollten für verschiedene zukünftige Ereignisse angeben, ob sie diese vorher gerne wissen würden oder nicht. Beispiele waren unter anderem der Gewinner in einem Fußballspiel, was sie zu Weihnachtee bekommen, ob es wirklich ein Leben nach dem Tod gibt oder ob ihre Ehe in einer Scheidung enden wird. Auch danach, ob sie das Geschlecht eines künftigen Kindes wissen wollen, fragten die Forscher.

Nicht Wissenwollen auch bei Positivem


Das Ergebnis: Hätten sie die Möglichkeit, in die Zukunft zu sehen, zögen es die meisten Menschen vor, lieber nicht wissen zu wollen, was das Leben für sie bereithält. In der Studie lehnten 86 bis 90 Prozent es ab, etwas über ein bevorstehendes negatives Ereignis zu erfahren. Verständlich, meint Gigerenzer: "Dahinter steht das Bestreben, mögliches Leid und Bedauern zu umgehen, welches das Wissen über die Zukunft mit sich bringen könnte."

Erstaunlich aber: Selbst positive Ereignisse möchten die meisten Menschen nicht im Voraus kennen. 40 bis 77 Prozent der Studienteilnehmer zogen es vor, auch über bevorstehende positive Ereignisse im Ungewissen zu bleiben. "Die willentliche Ignoranz von Menschen scheint vor diesem Hintergrund nicht einleuchtend und mag Stirnrunzeln verursachen", sagt Gigerenzer. "Aber wie wir in unserer Studie zeigen konnten, existiert sie nicht nur, sondern ist auch eine weiterverbreitete Haltung."

Pessimismus und Zeitpunkt entscheiden mit


Die Wissenschaftler nennen diese Haltung willentliche Ignoranz. Das heißt, sich bewusst dafür zu entscheiden, die Antwort auf eine Frage, die einen persönlich betrifft, nicht wissen zu wollen. Lediglich ein Prozent aller Befragten würde konsequent immer gerne wissen, was die Zukunft bereithält. Das Geschlecht ihres ungeborenen Kindes war das Einzige, das die Mehrzahl der Befragten vorab wissen wollte, nur 37 Prozent wollten sich lieber überraschen lassen.

Besonders ausgeprägt war das nicht Wissenwollen bei Menschen, die insgesamt eher pessimistisch eingestellt waren. "Das legt nahe, dass Menschen, die Wissen über die Zukunft willentlich ignorieren, erwarten, unangenehme Nachrichten zu erhalten", so Gigerenzer. Aber auch der Zeitpunkt spielt eine Rolle: Je näher das mögliche Eintreten in der Zukunft liegt, desto weniger wollen Menschen etwas darüber wissen. (Psychological Review, 2017; doi: 10.1037/rev0000055)
(Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, 24.02.2017 - NPO)
 
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