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Samstag, 10.12.2016
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Amphibienseuche Chytridiomykose erreicht Madagaskar

Der tödliche Pilz bedroht mehr als 290 endemische Arten

Seuche erreicht auch entlegene Inseln: Der für Amphibien tödliche Chytridpilz ist erstmals auf Madagaskar nachgewiesen worden. Die Seuche, die bisher großen Anteil am Massensterben von Amphibien auf der ganzen Welt hat, erreicht damit einen Hotspot der Artenvielfalt. Mit einem Notfallplan soll nun einem Massensterben auf der Insel entgegengearbeitet werden, berichtet ein internationales Forscherteam im Fachmagazin "Scientific Reports".
Ein rotäugiger Baumfrosch aus dem Ranomafana-Nationalpark in Südostmadagaskar.

Ein rotäugiger Baumfrosch aus dem Ranomafana-Nationalpark in Südostmadagaskar.

Die Amphibienpopulationen gehen weltweit zurück. Mehr als jede Dritte Amphibienart gilt laut der Roten Liste der Weltnaturschutzunion (IUCN) mittlerweile als bedroht. Zu einer der größten Bedrohungen für Amphibien gehört die Pilzkrankheit Chytridiomykose, die sich erst durch den menschlichen Handel soweit verbreiten konnte. Die tödliche Seuche wird durch den Chytridpilz (Batrachochytrium dendrobatidis, kurz Bd genannt) ausgelöst. Dieser befällt dabei die Haut, die für die Amphibien von besonderer Bedeutung ist, da sie über diese atmen.

Inseln waren letzte Refugien


Der tödliche Pilz ist inzwischen für das Amphibiensterben bei über 500 Arten auf der ganzen Welt verantwortlich und bedroht unter anderem den Salamander in Europa . 200 Arten sind bereits deutlich zurückgegangen, weshalb der Erreger weltweit als eine der größten Bedrohungen für die Artenvielfalt bezeichnet wird.

Einige Inseln wie Madagaskar galten eigentlich bisher als noch nicht befallen. Auf der Insel im indischen Ozean leben etwa 290 Amphibienarten, die nur dort vorkommen. Die Zahl der noch nicht bekannten Spezies schätzen Experten auf weitere 200, weshalb Madagaskar als besonderer Hotspot der Artenvielfalt gilt und besonders bedroht sein könnte.


Erreger jetzt auch auf Madagaskar nachgewiesen


Für die jetzt veröffentlichte Studie wertete ein internationales Forschungsteam mit Beteiligung des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) Proben von über 4.000 Amphibien aus 50 Orten in Madagaskar aus. Die Proben werden seit 2005 gesammelt. Dabei stellten sich Proben von vier Madagaskarfröschen (Mantidactylus sp.) aus dem Jahr 2010 sowie eines Maskarenenfrosches (Ptychadena mascareniensis) von 2011 aus entlegenen Regionen Madagaskars als positiv heraus. 2013 und 2014 wurde der Erreger dann bereits in fünf verschiedenen Regionen registriert.

Auch bei diesem Engmaulfrosch (Platypelis pollicaris) aus Ranomafana wurde Chytrid-Befall nachgewiesen.

Auch bei diesem Engmaulfrosch (Platypelis pollicaris) aus Ranomafana wurde Chytrid-Befall nachgewiesen.

„Der Chytridpilz wurde in allen vier Familien der einheimischen Madagaskarfrösche nachgewiesen und zeigt somit das Potential selbst ökologisch unterschiedliche Arten zu infizieren. Das ist ein Schock!“, sagt Miguel Vences von der Technischen Universität in Braunschweig. Mit dem Ausbruch der Amphibienseuche Chytridiomykose auf Madagaskar sind nach Angaben der Amphibian Survival Alliance (ASA) weitere sieben Prozent der weltweiten Amphibienarten bedroht.

Herkunft des Pilzes gibt Rätsel auf


„Glücklicherweise ist es auf Madagaskar bisher zu keinem Massensterben gekommen. Dennoch scheint sich der Erreger unterschiedlich stark auszubreiten“, sagt Dirk Schmeller vom UFZ. „Möglicherweise sind auch mehrere Stämme, vielleicht sogar der global verbreitete hypervirulente Stamm des Erregers, auf Madagaskar. Das zeigt, wie wichtig es ist, den Erreger zu isolieren und genetisch analysieren zu können, was bisher noch nicht gelungen ist.“

Dass der Erreger in einer sehr abgelegenen Region der Insel gefunden wurde, stellt die Forscher vor ein Rätsel. Es besteht die Hoffnung, dass es sich um einen bisher unentdeckten, einheimischen Stamm des Erregers handeln könnte, der bereits länger in der Region existierte, aber mangels fehlender Proben bisher nicht entdeckt worden war. In diesem Fall könnten die Amphibienarten Madagaskars unter Umständen bereits Resistenzen gebildet haben und dadurch immun gegen die ansonsten tödlichen Auswirkungen des Pilzbefalls sein. Aber dies muss erst durch weitere Untersuchungen bestätigt werden, bevor Entwarnung gegeben werden kann.

Notfallplan soll das Schlimmste verhindern


„Der Rückgang der madagassischen Amphibien geht nicht nur Herpetologen und Froschforscher an“, sagt Koautor Franco Andreone von der Weltnaturschutzorganisation IUCN. „Es wäre ein großer Verlust für die ganze Welt." In den nächsten Monaten wollen daher die Wissenschaftler zusammen mit der Regierung einen Notfallplan aufstellen, um dieses Szenario zu verhindern.

In jedem Fall soll das Monitoring im ganzen Land fortgesetzt werden, um die Ausbreitung zu beobachten. Zum Plan gehören ebenfalls der Aufbau von Amphibien-Zuchtstationen, um im Ernstfall genug Tiere nachzuzüchten, mit denen die Lebensräume wieder besiedelt werden könnten. „Wir haben auch die Hoffnung mit Hilfe von Hautbaktieren das Wachstum des Bd-Erregers zu unterdrücken,“ sagt Vences, „diese könnten dann vielleicht künftig als eine Art probiotische Hautsalbe dienen“.
(Scientific Reports, 2015; doi: 10.1038/srep08633)
(Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ), 27.02.2015 - MAH)
 
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