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Freitag, 10.02.2012
Die Sintflut
Was steckt hinter der mythischen Welt-Überschwemmung?

Viele Naturereignisse sind in die Sagen und Mythen der Völker eingegangen oder tauchen in religiösen Überlieferungen wieder auf. Das vielleicht bekannteste Beispiel dafür ist die Sintflut. Sie wird in der Bibel als weltumspannende Überschwemmung beschrieben, die nach einem 40 Tage dauernden Regen 150 Tage ansteigt und weitere 150 Tage wieder absinkt. Zehn Monate lang soll, so die Überlieferung, das gesamte Land mit Wasser bedeckt gewesen sein, die Flut verschlang selbst die höchsten Bergspitzen. Gerettet wurde damals nur Noah. Die Bibel berichtet von einer Botschaft Gottes, die ihn anwies, eine Arche zu bauen, die seine Familie und Tierpaare aufnehmen konnte.

 Die Inselgruppe Santorini heute
Die Inselgruppe Santorini heute
© NASA/ Landsat  Die Inselgruppe Santorini heute
Von Fluten, die nur ein Menschenpaar überlebte berichten auch die Mythen anderer Kulturkreise wie der amerikanischen Indianer oder das sumerische Gilgamesch Epos. In Indien ist es der Fisch Matsya, der den König zum Bau einer Arche auffordert. „Fluten, die bis zum Himmel reichen“ dokumentieren auch Sagen des chinesischen Altertums.

Aber was steht hinter diesen Überlieferungen? Besitzen sie einen wahren Kern? Bis heute ist unklar, ob und welche realen Naturereignisse all diese Geschichten beschreiben. Die Erklärungsmodelle für die biblische Sintflut reichen von Vulkanausbrüchen über Meteoriteneinschläge und Tsunamis bis zu Klimaveränderungen.

Erster Kandidat: der Vulkanausbruch von Santorini
Lange Zeit favorisiert wurde der Ausbruch des Vulkans von Santorini in der Ägäis. Die rund hundert Kilometer nördlich von Kreta gelegene Inselgruppe besteht heute aus der auffallend sichelförmigen Hauptinsel Thira und zwei kleinen, gegenüberliegenden Inselchen. Vor knapp 4.000 Jahren lag hier einer der bedeutendsten Häfen der minoischen Zeit in der Ägäis. Die Siedlungen waren hochentwickelt, Fresken schmückten die Häuser, eine Kanalisation sorgte für Zu- und Ablauf von Wasser, aufwändig gestaltete Baderäume boten viele Annehmlichkeiten.

Blick über den Kraterbereich 
Blick über den Kraterbereich
© gemeinfrei  Blick über den Kraterbereich
Doch die Insel lag auf gefährlichem Boden, direkt über einem aktiven Vulkan. Er gehört zu einem vulkanischen Inselbogen, der sich an der Nahtstelle von afrikanischem und eurasischem Kontinent bildete. Im Schnitt alle 20.00 Jahre bricht der Vulkan in einer großen Eruption aus. Im Jahr 1628 vor Christus war es erneut soweit: Erdbeben kündigten das Ereignis schon im Vorfeld an, die Menschen brachten sich und ihre Habe daher vermutlich rechtzeitig in Sicherheit. Der Vulkan begann, Gase, Asche und Bimsstein auszustoßen. Die Aschewolken zogen schnell auch bis nach Kreta und Troja und erreichten sogar Teile des Nahen Ostens.

Dann drang Meerwasser in den Schlot ein und die Energie entlud sich in einer gewaltigen Explosion: Dampf, Lava und Gestein schossen in die Höhe und rasten als pyroklastische Ströme die Hänge hinab. Staub und Aerosole der Eruption wurden hoch in die Atmosphäre geschleudert und verdunkelten den Himmel – mit fatalen Folgen für das Klima: Jahresringe von Eichen aus dieser Zeit und Region belegen, dass diese in den neun Jahre nach dem Ausbruch so gut wie kein Wachstum zeigten. Auch andere Daten deuten auf eine länger anhaltende Klimaabkühlung und damit gleich mehrere „Jahre ohne Sommer“ hin.

 Tsunami
Tsunami
© NOAA
Mittelmeer-Tsunami als Sintflut?
Doch wichtiger für die Sintfluttheorie ist das, was auf dem Meer geschehen sein könnte. Einige Forscher vermuteten lange Zeit, dass die Wucht des Ausbruchs einen starken Tsunami ausgelöst haben könnte. Die Flutwellen seien an der Nordküste von Kreta mit bis zu zwölf Meter Höhe angekommen und könnten auch andere Küsten beispielsweise im Nahen Osten erreicht haben. Die Erlebnisse dieser „Flut“, so die Theorie, seien dann in die Geschichte der Kreter, Griechen und des vorderen Orients eingeflossen.

Inzwischen allerdings gilt diese Theorie als entkräftet: Zum einen ereignete sich der Santorini-Ausbruch zu spät, um das rund 200 Jahre früher entstandene babylonische Sintflut-Epos erklären zu können. Zum anderen ist auch der Tsunami umstritten. Denn in Ausgrabungen entlang der kretischen Nordküste finden sich keine größeren Zerstörungsspuren in dieser Zeit. Auch ein Ausbruch des Ätna vor 8.000 Jahren mit folgendem Erdrutsch und dadurch ausgelöstem Tsunami, galten einige Zeit als Sintflut-Kandidaten. Allerdings gab und gibt es keine Fakten, die diese Erklärung stützen.

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