Er gilt als wilder Kerl, als Keule schwingender Hüne, der durch die Eiszeitlandschaften lief, auf der Suche nach Beute und auch einem gelegentlichen Scharmützel mit Artgenossen nicht abgeneigt. Doch dieses Klischee vom Neandertaler ist mehr als 150 Jahre nach der Entdeckung der ersten Skelettreste im Neandertal bei Mettmann längst widerlegt.
Viele andere Rätsel um den Frühmenschen dagegen sind trotz aller Forschungserfolge in den letzten Jahren noch immer ungelöst. Warum verschwand der Neandertaler vor rund 30.000 Jahren urplötzlich und völlig unerwartet von der Erde? Und wie eng sind er und der moderne Mensch tatsächlich verwandt? Auf diese Fragen haben Wissenschaftler bisher keine befriedigende Antwort gefunden.
Licht in dieses Dunkel bringen soll jetzt ein neues Projekt, das Forscher der Max-Planck-Gesellschaft im August 2006 gestartet haben – die Entschlüsselung des Neandertaler-Genoms. Durch die Rekonstruktion der uralten DNA und einen Vergleich mit dem bereits bekannten Erbgut von Schimpanse und Homo sapiens wollen die Wissenschaftler aber auch der „Menschformel“ auf die Spur kommen: den genetischen Ursachen für den überlegenen Verstand, die hoch entwickelte Sprache und Kultur des modernen Menschen. |