Deutschland als Vorreiter Klimawandel ist „Chefsache“ - scinexx | Das Wissensmagazin
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Deutschland als Vorreiter

Klimawandel ist „Chefsache“

In allen untersuchten Ländern zeigt sich, dass Klimaschutz nicht notwendigerweise eine Last für die nationale Wirtschaft sein muss, sondern auch Chancen eröffnet, die nationale Energiesicherheit zu verbessern und neue Arbeitsplätzen zu schaffen. © André Künzelmann / UFZ

Der Klimawandel gewinnt fast überall an politischer Priorität und wird zur „Chefsache“ gemacht. Maßnahmen zur Bekämpfung der globalen Erwärmung müssen mit Maßnahmen in anderen Sektoren wie beispielsweise dem Verkehrsbereich besser abgestimmt werden, um nicht ins Leere zu laufen. Zu diesem Schluss kommt ein neuer Bericht des Partnership for European Environmental Research (PEER). Das PEER-Netzwerk setzt sich aus sieben der größten europäischen Umweltforschungszentren zusammen.

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Politik – sei es zur Vermeidung von oder sei es zur Anpassung an den Klimawandel – kann nur dann erfolgreich sein, wenn klimapolitische Ziele effektiv in diejenigen Sektoren und Politikbereiche integriert werden, die sowohl für die Verursachung des Klimawandels verantwortlich als auch von Klimafolgen betroffen sind.

Konkrete Umsetzung der Maßnahmen lässt zu wünschen übrig

Das PEER-Projekt untersucht aus vergleichender Perspektive, in welchem Ausmaß die Erfordernisse des Klimaschutzes und der Klimaanpassung in sechs europäischen Ländern in den verantwortlichen Politikbereichen – Energie-, Verkehrs-, und Infrastrukturpolitik, Technologie- und Innovationspolitik, Wasserwirtschaft, Hochwasserschutz, Landwirtschaft – integriert werden.

Darüber werden mögliche Wechselwirkungen mit anderen Politiken identifiziert und Wege und Mittel aufgezeigt, wie die jeweiligen Politikbereiche kohärent und effizient zu koordinieren sind.

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Das Projekt kommt zu dem Ergebnis, dass seit 2007 der Klimawandel in allen Ländern an politischer Priorität gewinnt und zur „Chefsache“ gemacht wird. Im europäischen Vergleich steht Deutschland als Vorreiter da, da anspruchsvolle klimapolitische Ziele in Politikstrategien integriert und mit weit reichenden Maßnahmen wie beispielsweise in den Bereichen Energieproduktion und -Versorgung, Modernisierung von Gebäuden komplementiert werden.

Gleichwohl lässt die konkrete Umsetzung dieser Maßnahmen nach den Erkenntnissen der Wissenschaftler auch hier oftmals noch zu wünschen übrig und stößt vor allem im Verkehrsbereich immer wieder auf vehementen Widerstand.

Klimaschutz eröffnet Chancen

In allen untersuchten Ländern zeigte sich zudem, dass Klimaschutz nicht notwendigerweise eine Last für die nationale Wirtschaft sein muss, sondern auch Chancen eröffnet, die nationale Energiesicherheit zu verbessern und neue Arbeitsplätzen zu schaffen, wie dies im Augenblick unter dem Stichwort „Green New Deal“ diskutiert wird.

„Allerdings reicht es nicht, nur in technische Innovationen zu investieren“, so Professor Christoph Görg vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ). Wenn Klimapolitik in den einzelnen Sektoren effizient umgesetzt werden soll, müssen gleichzeitig auch Verfahren zur legitimen Konfliktbewältigung entwickelt werden, um Konflikte wie die um die KFZ-Steuer, die Nutzung der Kernenergie oder die Flächennutzung – beispielsweise zum Hochwasserschutz – abzufedern.

Der Bericht kommt zu dem Ergebnis, dass seit 2007 der Klimawandel in allen Ländern an politischer Priorität gewinnt und zur "Chefsache" gemacht wird. © André Künzelmann / UFZ

Erhöhter Monitoring-Bedarf

Um Wechselwirkungen zwischen Klimafolgen, ökologischen und sozialen Systemen besser zu erfassen und entsprechende politische Maßnahmen besser abzustimmen, steigt auch der Bedarf an Monitoring und Evaluation, so Professor Pat Nuttall, Direktor des PEER-Netzwerkes. Dabei kann es nicht darum gehen, das Rad neu zu erfinden, sondern bestehendes Wissen und Instrumente im Bereich der Umweltforschung systematisch zu nutzen und zu verknüpfen und in den politischen Entscheidungsprozess einzubringen.

Während der letzten Jahre haben sich Forschung und Politik vor allem auf den Klimaschutz konzentriert. Zukünftig wird auch die Frage nach der Anpassung an Klimafolgen, die bereits eingetreten sind, an Bedeutung gewinnen. Bei der Ausarbeitung von Konzepten und der Auswahl von Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel sollte nach Ansicht der Forscher darauf geachtet werden, dass sie den Anstrengungen zum Klimaschutz möglichst nicht entgegenwirken. Das Gebot der Stunde, das mit der Anpassung an Gewicht gewinnt, ist, Konflikte zu reduzieren und Synergien zu ausschöpfen.

Ein weiterer PEER-Bericht, der die nationalen Klimaanpassungsstrategien vergleicht, wird im Mai 2009 erscheinen.

(idw – Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung – UFZ, 27.03.2009 – DLO)

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