Kathedralenbrand deponierte eine Tonne Bleistaub im Zentrum von Paris Notre-Dame: Feuer ließ Blei regnen - scinexx | Das Wissensmagazin
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Notre-Dame: Feuer ließ Blei regnen

Kathedralenbrand deponierte eine Tonne Bleistaub im Zentrum von Paris

Brand von Notre Dame
Beim Brand der Pariser Kathedrale Notre Dame am 15. April 2019 wurde mehr Blei freigesetzt als zuvor angenommen. © GodefroyParis/CC-by-sa 4.0

Unterschätzte Kontamination: Durch den Brand der Pariser Kathedrale Notre Dame gelangte mehr Blei in die Umwelt als zunächst angenommen, wie Bodenproben aus Paris nahelegen. Demnach könnte allein im Umkreis von einem Kilometer um die Kirche rund eine Tonne Bleistaub aus der Bleiabdeckung des Daches deponiert worden sein. An manchen Stellen wurden dadurch die Blei-Grenzwerte deutlich überschritten.

Am 15. April 2019 ging eine der bekanntesten Kathedralen der Welt in Flammen auf: Ein Brand entzündete den Dachstuhl von Notre Dame in Paris und ließ ihren Vierungsturm einstürzen. Mehr als neun Stunden kämpften Feuerwehrleute darum, dieses Wahrzeichen von Paris vor dem Einsturz zu retten. Das gelang zwar, das mit 460 Tonnen Bleischindeln bedeckte Dach wurde jedoch komplett zerstört.

Bodenproben im Kathedralen-Umfeld

Genau dies weckte schon kurz nach dem Kathedralenbrand die Frage, wo dieses Blei geblieben ist. „Die gelbliche Farbe des vom Dach aufsteigenden Rauchs ließ vermuten, dass die bei gut 600 Grad geschmolzene Bleiabdeckung Bleioxid-Partikel bildete, die dann mit der heißen Luft aufstiegen“, erklären Alexander van Geen von der Columbia University in New York und seine Kollegen. Tatsächlich ergaben Luftmessungen eine Woche nach dem Brand noch in 50 Kilometern Entfernung 20-Mal höhere Beiwerte als üblich.

Doch die Pariser Gesundheitsämter gaben wenig später Entwarnung, weil sie bei Bodenproben im Umfeld der Kathedrale nur Bleiwerte unterhalb des französischen Grenzwerts von 300 Milligramm pro Kilogramm Boden fanden. Van Geen und sein Team haben dies noch einmal überprüft. Dafür entnahmen sie neun bis zehn Monate nach dem Brand 100 Bodenproben im nahen Umkreis der Kathedrale – von Baumscheiben, Ritzen im Pflaster und auch in Parks und Gärten.

Eine Tonne Bleistaub im Ein-Kilometer-Umkreis

Das Ergebnis: Die Analysen ergaben Werte von 300 Milligramm pro Kilogramm (mg/kg) Blei in Baumscheiben, 500 mg/kg in Gärten und sogar 1.400 mg/kg Blei in Straßen- und Pflasterritzen. Nordwestlich der Kathedrale – und damit in der Ausbreitungsrichtung der Rauchwolke – lagen die Durchschnittswerte der Bleibelastung bei 430 mg/kg – und damit über dem französischen Bleigrenzwert.

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Bleiwerte
Bleiwerte in Bodenproben rund um Notre Dame. © Jeremy Hinsdale/ Earth Institute

„Unsere Bodendaten zeigen damit, dass die Menschen im Umkreis von einem Kilometer von der Kathedrale und in Windrichtung deutlich mehr Blei abgekommen haben als es die Behördenmessungen nahelegen“, konstatieren die Forscher. Aus ihren Messungen schließen sie, dass beim Brand allein im Umkreis von einem Kilometer um Notre Dame mindestens eine Tonne Bleistaub deponiert wurde. „Das ist mehr als das Sechsfache der bisher geschätzten Bleimenge“, so van Geen und sein Team.

Wie stark waren die Kinder belastet?

Die Bevölkerung dieses Pariser Viertels und vor allem die Kinder waren demnach zumindest vorübergehend einer höheren Bleibelastung ausgesetzt als zuvor vermutet. „Jetzt ist es nicht unbedingt wahrscheinlich, dass Kinder um die Straßenbäume herum spielen und die Parks waren im Schnitt weniger belastet“, sagen van Geen und seine Kollegen. Aber die teils hohen Bleiwerte sprechen ihrer Ansicht nach dafür, dass in den eher regenarmen Wochen nach dem Brand viel bleihaltiger Staub in der Stadtluft dieses Viertels umherwirbelte.

Ob und wie stark die Kinder dieser Gegend dieses Blei aufgenommen haben, lässt sich allerdings nicht mehr feststellen. Denn die französischen Behörden führten keine systematischen Untersuchungen direkt nach dem Brand durch, wie die Wissenschaftler berichten. Erst sieben Wochen später wurden Tests auf Blei im Blut in einem lokalen Krankenhaus angeboten, was aber nur wenige Eltern für ihre Kinder nutzten. Die wahre Belastung bleibt daher unbekannt. (GeoHealth, 2020; doi: 10.1029/2020GH000279)

Quelle: Earth Institute at Columbia University

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