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Dunkle Schokolade ist gut fürs Gemüt

Täglich etwas Zartbitterschokolade vermehrt vorteilhafte Darmbakterien und hebt die Laune

Schokolade
Dunkle Schokolade mit hohem Kakaogehalt kann negativer Stimmung entgegenwirken. © Artisteer/ iStock.com

Zartbitteres Antidepressivum: Wenn man täglich eine kleine Menge Schokolade mit einem hohen Kakaoanteil zu sich nimmt, kann dies gegen negative Stimmungen helfen, wie ein Experiment belegt. Als mögliche Ursache sehen die Wissenschaftler eine durch die Zartbitterschokolade veränderte Darmflora. Wie genau die Darmbakterien das menschliche Gehirn in diesem Fall beeinflussen, bleibt allerdings noch unklar.

Schokolade ist nicht nur die beliebteste Süßigkeit in Deutschland, ihr werden auch gesundheitsfördernde Eigenschaften zugesprochen. Die im Kakao enthaltenen Flavonoide helfen beispielsweise dabei, bestimmten Krankheiten vorzubeugen, indem sie die Gefäße weiten. Außerdem sollen sie Stress reduzieren und sogar die Gedächtnisleistung verbessern. Der Kakaogenuss ist übrigens kein Ding der Neuzeit: Schon vor 5.300 Jahren haben Menschen Kakaopflanzen kultiviert.

Achse zwischen Darm und Gehirn

„Zartbitterschokolade ist seit langem für ihre stimmungsaufhellenden Eigenschaften bekannt. Die Erkenntnisse über die emotionalen Auswirkungen des täglichen Verzehrs von Zartbitterschokolade sind jedoch begrenzt“, so Ji-Hee Shin von der Seoul National University und ihre Kollegen. „Daher wollten wir die Auswirkungen des Verzehrs von Zartbitterschokolade auf die Stimmung im Alltag untersuchen, mit besonderem Augenmerk auf die Darm-Hirn-Achse.“

Die Forscher bezogen die spezielle Verbindung von Verdauung und Gehirn mit in ihre Untersuchung ein, da eine ausgewogene Darmflora ebenfalls positive Auswirkungen auf die Stimmung von Menschen haben kann. Die Bakteriengemeinschaften im Darm produzieren je nach Zusammensetzung und Ernährung Signalstoffe, die auf das vegetative Nervensystem des Darms und über dessen Verbindung zum Gehirn auch auf das psychische Befinden wirken können. Ob auch Dunkle Schokolade diese Darm-Hirn-Achse beeinflussen kann, haben die Wissenschaftler nun näher untersucht.

Drei Vergleichsgruppen

Für ihre Studie ließ das Forscherteam zwei Gruppen von 20 bis 30 Jahre alten jungen Erwachsenen drei Wochen lang Schokolade essen. Eine Gruppe bekam dreimal täglich je zehn Gramm 85-prozentige Zartbitterschokolade, die andere erhielt die gleiche Menge Schokolade mit einem 70-prozentigen Kakaoanteil. Eine dritte Kontrollgruppe erhielt keine Süßigkeiten von den Wissenschaftlern.

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Um ihren Stimmungszustand festzuhalten, sollten die insgesamt 48 Teilnehmer jeweils zu Beginn und nach den drei Wochen einen sogenannten PANAS-Fragebogen ausfüllen. Die Fragen dieses speziellen Tests zielen darauf ab, den psychologischen Zustand einer Person in Bezug auf positive und negative Gemütserregungen zu beurteilen. Um die Darmflora zu untersuchen, nahmen die Wissenschaftler zudem Stuhlproben von der 85-Prozent- und der Kontrollgruppe.

Zartbitterschokolade hebt die Stimmung

Das Ergebnis: Die negativen Gefühle der Gruppe mit der hochprozentigen Zartbitterschokolade waren nach drei Wochen um fast 20 Prozent zurückgegangen. Sowohl die Kontrollgruppe als auch die Probanden, die Schokolade mit einem 70-prozentigem Kakaoanteil bekommen hatten, wiesen dagegen keine signifikanten Änderungen auf. Auch die positiven Stimmungsanteile der Teilnehmer aus allen drei Gruppen blieben nahezu unverändert.

Auch in Bezug auf die Darmflora wies die Gruppe, die 85-prozentige Schokolade erhalten hatte, mehrere Veränderungen auf. So hatten sie generell eine erhöhte Mikroben-Vielfalt und speziell einen höheren Anteil der Bakterienart Blautia obeum. Laut den Wissenschaftlern gab es auch eine Korrelation zwischen dem erhöhten Anteil von Blautia-Bakterien und der geringeren negativen Stimmung der Teilnehmer.

Darmbakterien ändern den Gefühlszustand

Zusätzlich wiesen die Zartbitter-Konsumenten auch einen verringerten Anteil an „Faecalibacterium prausnitzii“-Bakterien auf. Diese Veränderung konnte jedoch nicht mit den Ergebnissen des Stimmungs-Fragebogens in einen Zusammenhang gebracht werden. Laut den Wissenschaftlern gab es in einer vorherigen Untersuchung allerdings bereits einen erwiesenen negativen Effekt dieses Bakteriums auf die Stimmung von Menschen.

Für den positiven Effekt der Blautia-Bakterien haben die Forscher auch eine mögliche Erklärung parat: „Blautia obeum produziert die Fettsäure Butyrat, die nachweislich die Gehirnfunktion beeinflusst. Butyrat ist dafür bekannt, in Tests mit Mäusen eine antidepressive Wirkung zu haben. Wir vermuten daher, dass die Veränderung des aus der Mikrobiota stammenden Butyrats zu den positiveren Stimmungswerten in der Gruppe beigetragen haben könnte.“

Genauer Wirkmechanismus noch unklar

Zusammenfassend schreiben die Forscher: „Unsere Ergebnisse legen nahe, dass dunkle Schokolade eine präbiotische Wirkung hat, indem sie die Vielfalt und Zusammensetzung des Darmmikrobioms umstrukturiert.“ Wie genau die Darmbakterien über Fettsäuren die Stimmung beeinflussen, ist laut dem Forschungsbericht allerdings immer noch nicht geklärt.

„Dies ermutigt zu weiteren Studien, die die Signalübertragung zwischen Darm und Gehirn nach dem Konsum von dunkler Schokolade untersuchen.“ (Journal of Nutritional Chemistry, 2021; doi: 10.1016/j.jnutbio.2021.108854)

Quelle: Journal of Nutritional Chemistry/ HealthCom

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