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Diäten: Kotbakterien gegen den Jojo-Effekt?

Mikrobiom-Proben aus dem eigenen Kot könnten gegen Abnehm-"Flauten" helfen

Abnehmen
Beim Abnehmen kommt nach einigen Monaten oft eine Phase der Stagnation und sogar der erneuten Zunahme – lässt sich das verhindern? © Tatiana/ iStock

Klingt eklig, verspricht aber Abhilfe: Bei vielen Diäten purzeln erst die Pfunde, dann aber stagniert das Abnehmen. Ein ungewöhnliches Mittel gegen diesen Abnehmstopp hat sich nun in einer Studie als wirksam erwiesen: Bakterien aus dem eigenen Kot. Entnimmt man eine Mikroben-Probe während der optimalen Abnehmphase und nimmt sie einige Monate später ein, bremst dies das erneute Zunehmen – zumindest bei einigen Diätformen.

Diesen Effekt kennen viele Abnehmwillige: Am Anfang einer Diät oder Ernährungsumstellung nimmt man zunächst zügig ab. Dann aber, meist nach einigen Monaten, stagniert der Abnehmerfolg und man nimmt sogar wieder zu, obwohl man weiterhin Diät hält. Viele Übergewichtige geben dann auf und der gefürchtete Jojo-Effekt ist die Folge.

Drei Diätformen im Test

Aber warum? Studien legen nahe, dass eine der Ursachen dafür die Darmflora ist: Je nach Zusammensetzung können diese Mikroben den Stoffwechsel beeinflussen und auch den Abnehmerfolg torpedieren. Genau an diesem Punkt setzt nun das Experiment von Ehud Rinott von der Ben-Gurion Universität und seiner Kollegen an. Sie haben untersucht, ob Darmbakterien aus der Abnehmphase den Gewichtsverlust in der Stagnationsphase wieder in Gang bringen können.

Für die Studie folgten 90 übergewichtige Teilnehmer über 14 Monate hinweg einer von drei Diätformen: einer allgemein gesunden Ernährung, einer Mittelmeerdiät oder einer „grünen“ Mittelmeerdiät. Letztere war mit Pflanzenprodukten angereichert, die viele Polyphenole und Fasern enthielten, darunter grünem Tee, Walnüssen und einem aus speziellen Wasserlinsen gewonnenen Extrakt. Die Forscher erhofften sich von dieser Diät eine besonders positive Wirkung auf die Darmflora.

Mikrobiom aus der Kotprobe

Wie erwartet, zeigten die Diäten zunächst die erhoffte Wirkung: Die Teilnehmer aller drei Gruppen nahmen in den ersten sechs Monaten ab. „Am größten war der Gewichtsverlust in den beiden Mittelmeer-Diät-Gruppen mit jeweils rund 8,8 Kilogramm gegenüber 5,4 Kilogramm bei der dritten Gruppe“, berichten die Forscher.

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Dann jedoch folgte das Entscheidende: Jeder Teilnehmer gab Kotproben ab, aus denen die Wissenschaftler die ausgeschiedenen Bakterien der Darmflora isolierten, reinigten und gefriertrockneten. Dieses in Kapseln aufgeteilte Präparat ihres eigenen Mikrobioms nahm ein Teil der Probanden aus jeder Gruppe in den Folgemonaten täglich ein. Die anderen bekamen Placebokapseln. Die Frage war nun: Würde diese Bakteriengabe den weiteren Verlauf des Abnehmens beeinflussen?

Weniger Zunahme durch Kotbakterien – aber nicht bei allen

Das Ergebnis: Die Teilnehmer, die nur ein Placebo einnahmen, hatten nach dem weiteren halben Jahr ihrer Diät rund die Hälfte ihrer abgenommenen Pfunde wieder dazubekommen. Sie zeigten damit den typischen Abnehmstopp. Ähnliches zeigte sich bei den Probanden mit Mittelmeer-Diät und gesunder Ernährung, die ihre Mikrobiom-Kapsel geschluckt hatten. Auch sie nahmen wieder deutlich zu und ihre Darmflora hatte sich kaum verändert, wie die Forscher berichten.

Anders war dies bei den Probanden, die der „grünen“ Mittelmeer-Diät gefolgt waren und die ihre eigenen Kotmikroben eingenommen hatten: Sie gewannen nur rund 17 Prozent ihres zuvor verlorenen Gewichts wieder hinzu und auch ihre Stoffwechselwerte verbesserten sich in dieser zweiten Phase der Diät weiter.

Die Analyse der Darmflora dieser Teilnehmer ergab, dass sich die Zusammensetzung ihres Mikrobioms in der Abnehmphase deutlich verändert hatte. Während sich diese Veränderungen aber in der Placebogruppe nach sechs Monaten wieder gaben, blieb das Mikrobiom bei den Kotkapsel-Teilnehmern stabil auf diesem optimierten Stand.

Positiver Effekt

Nach Ansicht von Rinott und seinem Team könnte diese günstige Manipulation der Darmflora eine entscheidende Rolle für den größeren Diäterfolg dieser Teilnehmer gespielt haben. „Es ist plausibel, dass die positive metabolische Wirkung der Darmflora bei der Gruppe mit der grünen Mittelmeerdiät zumindest teilweise auf die anhaltende Kolonisierung des Darms mit diesen Bakterien zurückzuführen ist – und dies wurde durch die aufbereiteten Kotproben bewirkt“, sagen die Forscher.

Gleichzeitig bestätigt die Studie, dass eine Diät mit reichlich Ballaststoffen und Pflanzeninhaltsstoffen wie Polyphenolen eine positive Wirkung nicht nur auf das Gewicht und die Gesundheit, sondern auch auf die Darmflora hat. (Gastroenterology, 2020; doi: 10.1053/j.gastro.2020.08.041)

Quelle: American Associates, Ben-Gurion University of the Negev

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