Forscher entdecken 13 Millionen Jahre altes Fossil eines Urzeit-Menschenaffen Schädelfund schließt Stammbaumlücke - scinexx | Das Wissensmagazin
Anzeige
Anzeige

Forscher entdecken 13 Millionen Jahre altes Fossil eines Urzeit-Menschenaffen

Schädelfund schließt Stammbaumlücke

Der Schädel des Nyanzapithecus alesi - eines vor 13 Millionen Jahren lebenden Urzeit-Menschenaffen. © Fred Spoor

Spektakulärer Fund: In Kenia haben Forscher den Schädel eines 13 Millionen Jahre alten Menschenaffen entdeckt. Das gut erhaltene Fossil ist in doppelter Hinsicht bedeutsam: Es schließt eine bisher klaffende Lücke im Stammbaum von Menschenaffen und Menschen und es ist der am vollständigsten erhaltene Schädel eines ausgestorbenen Menschenaffen überhaupt, wie die Paläontologen im Fachmagazin „Nature“ berichten.

Vor rund sechs bis sieben Millionen Jahren trennten sich die Stammeslinien von Mensch und Schimpanse. Doch wie sich der gemeinsamen Vorfahren beider entwickelte und wie die ersten Hominoiden, die Vorfahren der Menschenaffen und Menschen, entstanden, ist bisher unbekannt. Denn aus der entscheidenden Zeit vor 23 bis fünf Millionen Jahren gibt es kaum Fossilien, darunter so gut wie keine Schädel.

Fossil aus der „dunklen Ära“

Umso bedeutender ist nun die Entdeckung eines fast vollständigen, gut erhaltenen Schädels aus dieser „dunklen Ära“ der Hominoiden-Evolution: Im Jahr 2014 stieß ein Fossiliensammler in der Region Napudet westlich des Turkana-Sees in Kenia auf diesen Schädel eines Primaten. Paläontologen haben dieses Fossil nun untersucht und festgestellt: Es handelt sich um den 13 Millionen Jahre alten Schädel einer bisher unbekannten ausgestorbenen Menschenaffen-Art.

Das Fossil stammt damit genau aus der Zeit, aus der bisher so gut wie keine Fossilien bekannt waren – und es ist der vollständigste Schädel eines ausgestorbenen Menschenaffen, der je entdeckt wurde. „Menschenaffenfossilien sind so selten, dass die meisten von uns schon überglücklich sind, wenn sie einen einzelnen Zahn finden“, kommentiert Brenda Benefit von der New Mexico State University. „Ich hätte nie gedacht, dass ein so rarer Fund zu meinen Lebzeiten gemacht werden würde.“

Das Schädelfossil stammte von einem nur gut einjährigen Kind © Isaiah Nengo

Ähnlichkeiten mit einem Gibbon-Baby

Nähere Untersuchungen enthüllten, dass der Schädel von einem Baby stammen muss: „Wir konnten Hirnhöhle, Innenohr und die noch nicht durchgebrochenen bleibenden Zähne mit ihren Wachstumslinien sichtbar machen“, berichtet Koautor Paul Tafforeau von der European Synchrotron Radiation Facility (ESRF) in Grenoble. „Anhand der Zähne konnten wir herausfinden, dass das Kind etwa ein Jahr und vier Monate alt war, als es starb.“

Anzeige

Der Nyanzapithecus alesi getaufte Urzeit-Menschenaffe sah mit seinen großen Augen, der kurzen Schnauze und kleinen Nase einem heutigen Baby-Gibbon wahrscheinlich ziemlich ähnlich. Im Gegensatz zu diesen agilen Baumbewohnern schwang er sich aber wohl nicht so gewandt durchs Geäst: „Das Innenohr von Nyanzapithecus alesi zeigt, dass er sich langsamer und vorsichtiger fortbewegt haben muss“, sagt Fred Spoor vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig.

Eindeutig ein Hominoide

Selbst ausgewachsen wurde Nyanzapithecus alesi wohl nur wenig mehr als elf Kilogramm schwer und besaß einen Kopf, der kaum größer war als eine Zitrone. Mit einem Schädelvolumen von 101 Millilitern hatte dieser Urzeit-Menschenaffe aber trotzdem schon ein fast dreimal so großes Gehirn wie die damals lebenden „normalen“ Altweltaffen.

Untersuchung der Schädelanatomie mittels Synchrotron-Röngenstrahlung © Paul Tafforeau

Und noch etwas weist ihn als frühen Angehörigen der Hominoiden aus: „Der Schädel besitzt bereits voll entwickelte knöcherne Gehörgänge“, berichtet Ellen Miller von der Wake Forest University. „Das ist ein wichtiges Merkmal, das ihn mit den heute lebenden Menschenaffen verbindet.“ Und es macht Nyanzapithecus alesi zu einem Hominoiden. „Die Entdeckung von Alesi zeigt, dass er dem Ursprung heute lebender Menschenaffen und Menschen sehr nahe war und dass dieser Ursprung afrikanisch war“, konstatiert Erstautor Isaiah Nengo von der Stony Brook University in New York.

Der Fund des Schädels trägt auch dazu bei, die Stellung der Gattung Nyanzapithecus im Stammbaum zu klären. „Bisher waren alle Nyanzapithecus-Arten nur durch ihre Zähne bekannt. Daher blieb es offen, ob sie überhaupt schon Menschenaffen waren oder nicht“, erklärt Nengos Kollege John Fleagle. (Nature, 2017; doi: 10.1038/nature23456)

(Nature, Leakey Foundation, 10.08.2017 – NPO)

Anzeige

In den Schlagzeilen

Diaschauen zum Thema

Dossiers zum Thema

News des Tages

Goldpilz

Ein Schimmelpilz als Goldsammler

Exokometen um nahen Stern aufgespürt

20.000 Jahre altes Meerwasser entdeckt

Intelligente Ampel für Fußgänger

Riskante Antibiotika zu oft verordnet

Bücher zum Thema

Im Fokus: Paläontologie - Spurensuche in der Urzeit Von Nadja Podbregar und Dieter Lohmann

Die Welt des Neandertalers - Von den Ursprüngen des Menschen von Juan L. Arsuaga

Die Ursprünge der Menschheit - von Fiorenzo Facchini

Unbekanntes Afrika - Archäologische Entdeckungen auf dem Schwarzen Kontinent

Top-Clicks der Woche

Anzeige
Anzeige