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Deutschland: Wo wird was angebaut?

Hochauflösende Karte zur landwirtschaftlichen Flächennutzung veröffentlicht

Agrarkarte
Eine neue Karte zeigt erstmals bis auf zehn Meter genau, was wo auf Deutschlands Feldern wächst. © HU Berlin, ZALF, Thünen-Institut

Deutschland von oben: Eine neue Karte zeigt erstmals detailliert, wo in Deutschland welche Feldfrüchte angebaut werden – und wie sich die landwirtschaftliche Flächennutzung von Jahr zu Jahr verändert. Die auf Satellitendaten basierende Kartierung bildet die deutsche Agrarlandschaft bis auf zehn Meter genau ab und kann so als hochauflösende Grundlage für Landwirtschaft, Artenschutz, Politik und Forschung dienen. Im Internet ist die zoombare Karte frei zugänglich.

Ob Forst, Felder oder Siedlungsgebiete – die Flächennutzung durch uns Menschen prägt inzwischen die meisten Landschaften der Erde, bildet aber auch die Grundlage unserer Existenz. Denn ohne Landwirtschaft fehlen uns schlicht die Nahrungsgrundlagen, ohne Siedlungen haben wir kein Dach über dem Kopf. Andererseits aber spielt die Landnutzung eine entscheidende Rolle für die Artenvielfalt und den Klimaschutz. Umso wichtiger ist es, möglichst genau zu wissen, welche Flächen wie genutzt werden.

Agrarkarte nah
Ausschnitt der interaktiven Karte der landwirtschaftlichen Nutzung. © HU Berlin, ZALF, Thünen-Institut

Hochauflösende Satellitenbilder als Grundlage

Für Deutschland gab es bisher aber nur Statistiken zur Landnutzung, die relativ grobe und zeitlich verzögerte Informationen lieferten. Das hat sich nun geändert: Ein Forschungsteam des Thünen-Instituts, der Humboldt-Universität zu Berlin und des Leibniz-Zentrums für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) hat erstmals detaillierte deutschlandweite Karten zur landwirtschaftlichen Flächennutzung über mehrere Jahre erstellt. Sie zeigen bis auf zehn Meter genau, welche Feldfrüchte wo angebaut werden und wie sich dies von Jahr zu Jahr verändert.

Basis dieser neuen Karten der landwirtschaftlichen Flächennutzung bilden Aufnahmen der Satellitenmissionen Landsat 8 und Copernicus, die in wöchentlichem Takt neue Aufnahmen der Erdoberfläche liefern. Sie werden mithilfe von lernfähigen Algorithmen ausgewertet. Ergänzt werden diese Daten durch Wetterdaten des Deutschen Wetterdienstes sowie das deutschlandweite Höhenmodell und das Digitale Landschaftsmodell des Bundesamtes für Kartographie und Geodäsie.

Von Kartoffeln, Mais und Weizen bis Zuckerrübe

Das Ergebnis ist sind hochauflösende Satellitenbilder und Karten, die für ganz Deutschland farblich kodiert zeigen, was auf den Feldern und Äckern wächst. Unterschieden werden dabei die Hauptgetreidearten sowie Hackfrüchte, Gemüse, Dauerkulturen und Hülsenfrüchte. Darüber hinaus werden auch Grünland und weitere Landschaftselemente in der Agrarlandschaft wie beispielsweise Gehölzstrukturen erfasst.

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Insgesamt liegt damit ein umfassender Kartensatz für Politik, Behörden, Organisationen und Verbände sowie Forschung und Bildung im Bereich Landwirtschaft und Umwelt vor. Und auch denjenigen, die selbst Landwirtschaft betreiben oder die Vielfalt der Agrarlandschaft in Deutschland entdecken möchten, geben die Karten interessante Einblicke. Die Webversion der interaktiven Karten ist im Internet frei zugänglich.

Wertvolle Daten für viele Anwendungen

Die Forschenden sehen in diesen Karten einen Meilenstein – und eine wertvolle Informationsquelle für zahlreiche Anwendungsbereiche. „Dass diese Karten kein Selbstzweck sind, zeigen die vielfältigen Einsatzfelder für andere laufende Projekte“, sagt Stefan Erasmi, Leiter der Fernerkundung am Thünen-Institut. So dienen die Karten nicht nur der Verfeinerung der Agrarstatistik, sondern können auch dazu beitragen, die Landwirtschaft umwelt- und klimafreundlicher zu machen und Monitoringprogramme beispielsweise für den Artenschutz zu planen.

Aber auch für Landwirte, Laien und allgemein Interessierte geben diese Karten neue Möglichkeiten, die Landschaften und Landnutzung in Deutschland besser kennenzulernen. Das Forschungsteam plant bereits, die Karten fortlaufend zu verbessern und für jedes Jahr eine neue Karte herauszubringen. „Obwohl die Karten schon einen hohen Grad an Genauigkeit aufweisen, gibt es noch weiteren Forschungsbedarf“, erklärt Patrick Hostert von der Humboldt-Universität Berlin.

Zur Webversion der interaktiven Agrarkarte

Quelle: Johann Heinrich von Thünen-Institut, Bundesforschungsinstitut für Ländliche Räume, Wald und Fischerei

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