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Wer wandert warum und wohin?

Vielfalt auch im Vogelzug

Die Fähigkeit zu ausgedehnten Wanderungen zwischen Regionen, die zu unterschiedlichen Zeiten besonders günstige Lebensbedingungen bieten, ist vermutlich eine der hauptsächlichen Ursachen für die faszinierende Vielfalt der Vögel. Die Variation der durch Evolution entstandenen Strategien ist dabei unglaublich groß und reicht von kurzen, wenige Kilometer umfassenden Ausweichbewegungen zum Beispiel bei Schneebedeckung bis zu regelmäßigen saisonalen Wanderungen von über 10.000 Kilometern.

Fundorte markierter Teichrohrsänger aus Süddeutschland (grün) und Österreich (gelb) östlich des 14. Längengrades (blaue Linie). © Max-Planck-Institut für Ornithologie /Fiedler

Population bestimmt Wanderungsweg

Populationen derselben Vogelarten und sogar verschiedene Geschlechter können deutlich unterschiedliche Zugstrategien verfolgen, wie beispielsweise beim Teichrohrsänger. Bei diesen wandern Angehörige süddeutscher Populationen nach Südwesten und überwintern in Frankreich und Spanien bis nach Nordafrika. In Österreich beringte Teichrohrsänger wurden dagegen vorwiegend im Südosten, in den Balkanländern bis in die Türkei und im Nahen Osten gefunden.

Verschiebung im Laufe der Generationen

Das Zugverhalten kann sich jedoch auch innerhalb eines Vogellebens und über die Generationen hinweg verändern, wie bei der Mönchsgrasmücke. Ihre bevorzugten Winterquartiere änderten sich im Laufe der letzten Jahrzehnte deutlich. Einige Vogelarten wandern in breiter Front in südwestlicher, andere in südöstlicher Richtung über Deutschland und wieder andere wie etwa der Kranich folgen relativ engen „Zugstraßen“.

Herbst- und Winterfunde beringter Mönchsgrasmücken aus Bayern und Österreich. Rot: 1952 - 1975, blau: 1976 - 2007. © Max-Planck-Institut für Ornithologie /Fiedler

Einfluss von Alter und Umweltbedingungen

So genannte Invasionsvögel wie Seidenschwanz oder Bergfink führen nur unter bestimmten Rahmenbedingungen ihre auffälligen Wanderungen durch. Der Seidenschwanz folgt dabei beispielsweise seiner Nahrungsgrundlage, den Vogelbeeren und zieht fort, sobald in einem Gebiet Mangel an den Beeren herrscht. Einige wenige andere Arten wandern als Altvögel praktisch gar nicht mehr, jedoch können Jungvögel bis zur Brutansiedlung hunderte Kilometer umherstreifen, so bei der Schleiereule.

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Aus dem Jahrbuch der Max-Planck-Gesellschaft; Wolfgang Fiedler/ Max-Planck-Institut für Ornithologie; Vogelwarte Radolfzell
Stand: 09.01.2009

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Rätselhafte Vielflieger
Zugvögeln auf der Spur

Geheimnis Vogelzug
Der Wanderung der Vögel auf der Spur

Vögel sind Persönlichkeiten
Von Eigenarten und rekordverdächtigen Leistungen

Vielfalt auch im Vogelzug
Wer wandert warum und wohin?

„Beschattung“ mit Hürden
Monitoring von Zugvögeln mittels Beringung und anderen Methoden

Klimawandel beeinflusst Vogelzug
Wanderungen werden kürzer oder unterbleiben komplett

Wenn die Seuche mitwandert
Beringung hilft bei der Epidemiologie

Vogelberingung für den Artenschutz
Nur wer das Verhalten kennt, kann effektiv schützen

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