Wenn die Seuche mitwandert - scinexx | Das Wissensmagazin
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Beringung hilft bei der Epidemiologie

Wenn die Seuche mitwandert

Wasserproben aus der sibirischen Laptev-See. Anhand solcher, während der Sommermonate genommener Wasserproben können die Forscher die Eisbildung im Winter rekonstruieren. Im Jahr 2007 stießen sie dabei auf Verteilungsmuster, die bisherigen Vorstellungen widersprechen. © J. Steffen / IFM-GEOMAR

Im Jahr 2005 erreichte das öffentliche Interesse an Zugbewegungen von Vögeln eine nie zuvor gekannte Dimension. Denn in Asien breitete sich der gefährliche Erreger der Vogelgrippe, H5N1, immer weiter aus und rückte auch Europa immer näher. Die Behörden stützten sich bei ihren Risikoabschätzungen für ganze Regionen vor allem auf die Aussagen von Vogelkundlern. Denn die Vermutung lag nahe, dass der Virus durch Zugvögel immer weiter Westen getragen wurde.

Hauptgrund für das große Interesse von Öffentlichkeit und Politik war die Vermutung, wandernde Wasservögel könnten die Hauptvektoren von H5N1 sein. Aber stimmte das auch? Die Ornithologen gingen dieser Frage mithilfe ihrer Beringungsdaten nach. Das Ergebnis: Der Weg des Erregers und die Wege der Zugvögel waren nicht identisch, es gab entscheidende Unterschiede.

Wasservogelwanderung als Verbreitungsursache?

Nach Ansicht der Forscher war dies ein deutlicher Beleg für die Existenz anderer, sehr wahrscheinlich anthropogener Übertragungswege. Dennoch schließen sie auch den Transport der Geflügelpest durch ziehende Wasservögel über längere Strecken bisher nicht ganz aus. Zurzeit liegt das besondere Augenmerk der Ornithologen daher auf Arten wie der Stockente, die einerseits häufig ganzjährig in Parks und Siedlungen auftreten, andererseits aber durchaus auch weite Wanderungen vollziehen können.

Wanderung eines Stockenten-Erpels, der vom Bodensee nach Russland und zurück verfolgt werden konnte. Der Vogel wurde mit einem Peilsender ausgestattet, dessen Bewegungen mittels eines Satelliten verfolgt wurden. Vier Monate nach seinem Fang am Bodensee wurde er in rund 20 km Entfernung vom Fangort wieder gesichtet. Es ist zu vermuten, dass er in der Zwischenzeit einem Weibchen in dessen Brutgebiet gefolgt war. © Max-Planck-Institut für Ornithologie /Fiedler

So verfolgten die Forscher beispielsweise die Wanderung eines Stockenten-Erpels, der vom Bodensee nach Russland und zurück zog. Die Forscher hatten den Vogel mit einem Peilsender ausgestattet, dessen Bewegungen mittels eines Satelliten registriert wurden. Vier Monate nach seinem Fang am Bodensee sichteten ihn Vogelkundler in nur rund 20 Kilometer Entfernung vom ersten Fangort wieder. Vermutlich war er in der Zwischenzeit einem Weibchen in dessen Brutgebiet gefolgt und dann wieder zurückgekehrt.

Beringung ermöglicht Beobachtung der potenziellen Wirte

Die Rolle von Vögeln als Reservoire oder Vektoren von Krankheitserregern ist bisher nur in Teilen verstanden und wird daher intensiv erforscht. Dies ist vor allem deshalb wichtig, weil es zahlreiche auf den Menschen übertragbare Krankheiten gibt, bei denen Vögel eine Rolle spielen. West-Nil-Virus, Psittacose, Badedermatitis und eine Reihe von Phytopathogenen sind hier nur Beispiele. Zwar gibt es hier auch experimentelle Ansätze zur Erforschung, doch wenn es darum geht, einzelne Vögel als potenzielle Überträger im Freiland zu beobachten und zu identifizieren, ist die Beringung noch immer eines der Hauptwerkzeuge der Wissenschaftler.

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Stand: 09.01.2009

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Rätselhafte Vielflieger
Zugvögeln auf der Spur

Geheimnis Vogelzug
Der Wanderung der Vögel auf der Spur

Vögel sind Persönlichkeiten
Von Eigenarten und rekordverdächtigen Leistungen

Vielfalt auch im Vogelzug
Wer wandert warum und wohin?

„Beschattung“ mit Hürden
Monitoring von Zugvögeln mittels Beringung und anderen Methoden

Klimawandel beeinflusst Vogelzug
Wanderungen werden kürzer oder unterbleiben komplett

Wenn die Seuche mitwandert
Beringung hilft bei der Epidemiologie

Vogelberingung für den Artenschutz
Nur wer das Verhalten kennt, kann effektiv schützen

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