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Könige des Küstenschutzes

Die Niederlande und das Deltaplanprojekt

Auch wenn die Niederlande im Fußball zurzeit nur zweitklassig sind, in Sachen Sturmflutschutz haben sie sich jedoch in den letzten Jahren und Jahrzehnten zum absoluten „Trendsetter“, zum weltweiten Vorreiter aufgeschwungen. Nicht ohne Not allerdings, denn rund ein Fünftel des niederländischen Staatsgebiets liegt heute unter dem mittleren Meeresspiegel und insgesamt 60 Prozent weniger als einen Meter über Normalnull. Selbst ein moderater Meeresspiegelanstieg in den nächsten hundert Jahren hätte ohne ausreichendes Schutzsystem demnach das Bestehen des ganzen Landes gefährden können.

Im Rahmen des Deltaplan-Projektes, das nach der verheerenden Sturmflut von 1953 ins Leben gerufen wurde, ließ die niederländische Regierung den gesamten Mündungsbereich von Rhein, Maas und Schelde durch Sperrwerke und Dämme von der Nordsee abriegeln. Die Flüsse hatten hier im Lauf der Jahrhunderte tiefe Risse ins Küstengebiet geschnitten, in die das Wasser bei einer Sturmflut problemlos eindringen konnte. Immer wieder wurden dabei Polder und Landflächen überschwemmt, die vorher zum Teil mühsam dem Meer abgerungen worden waren.

Berühmt geworden innerhalb des Deltaplan-Projektes ist vor allem das Abschlusswehr an der Osterschelde, das im Jahr 1986 fertig gestellt wurde. Dieses Sturmflutwehr besteht aus mehr als 60 gewaltigen Betonpfeilern, zwischen die bewegliche Stahlschütze befestigt wurden, die je nach Bedarf geöffnet oder geschlossen werden können. Um die notwendige Stabilität zu erhalten, wurde das ganze System in einer Wassertiefe von zum Teil weit mehr als 40 Metern fest verankert.

Alle Schutzbauten innerhalb des Deltaplanprojektes sind so bemessen, dass sie selbst einer Jahrtausendflut oder einem deutlichen Meeresspiegelanstieg problemlos standhalten können. 4,5 Milliarden Euro haben die Niederländer sich diese Sicherung des eigenen Landes im Laufe von knapp 50 Jahren kosten lassen.

Das letzte Mosaiksteinchen, das in das Hightech-System zum Schutz vor Sturmfluten eingefügt wurde, ist das Sturmflutwehr im Nieuwe Waterweg. Es sichert seit 1997 die Stadt Rotterdam und seinen Hafen vor Überschwemmungen. So hoch wie der Eifelturm und 15.000 Tonnen schwer: Jeder der beiden Arme ist ein Godzilla aus Stahl. Bei einer Sturmflutwarnung können die beiden riesigen Tore in kürzester Zeit geschlossen werden und verhindern ein Eindringen der Wassermassen.

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Stand: 20.04.2002

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Alarm am Deich
Steigt die Sturmflutgefahr?

Gefährlichste Naturkatastrophe der Welt?
Manndränke, Blanker Hans und Klimaveränderung

Wind ist der Schlüssel
Wie entstehen Sturmfluten?

Es geht auch ohne Gezeiten
Sturmfluten an der Ostsee

Die Gefahr wächst...
Sturmfluten und Klimawandel

Nordsee ist Mordsee
Küste meldet "Land unter"

Wenn Deiche brechen...
Sturmflutfolgen

Wie Jadebusen und Dollart entstanden
Sturmfluten verändern Küsten

Künstliche Sandbänke als Rettung?
Sylt kämpft ums Überleben

Bollwerke gegen die Flut?
Die Anfänge des Deichbaus

Teurer Luxus?
Die modernen Deiche

Ryck, Eider und Themse
Sperrwerke als Sturmflutschutz

Von Dünen, Buhnen und Wellenbrechern
Wie mann sich sonst noch schützen kann...

Lektion gelernt!
Ein modernes Schutzsystem gegen Sturmfluten

Könige des Küstenschutzes
Die Niederlande und das Deltaplanprojekt

Wer arm ist, stirbt früher
Bangladesch und sein Kampf gegen Überschwemmungen

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Wetterextreme - Klimatische "Ausrutscher" oder Folgen des Klimawandels?