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Mittwoch, 18.10.2017
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Gendefekt schuld an tödlicher Erbkrankheit

Forscher decken Ursache von Vitamin B12-Stoffwechselerkrankung auf

Einem internationalen Wissenschaftlerteam ist es gelungen, die Ursache für die seltene, aber ohne Behandlung tödliche, Vitamin B12-Stoffwechselkrankheit (CblF-Defekt) zu identifizieren. Schuld daran ist, so die Forscher in der Fachzeitschrift „Nature Genetics online“, ein neu entdeckter genetischer Defekt.
DNA

DNA

Vitamin B12 ist wichtig für die Zellteilung und Blutbildung, sowie für die Funktion des Nervensystems. Dieses lebenswichtige Vitamin ist in Fleisch und Milchprodukten enthalten. Um in das Zellinnere zu gelangen - also dorthin, wo es gebraucht wird - muss das Vitamin durch kleine Membranbläschen, die so genannten Lysosomen, geschleust werden. Wie das Vitamin aus diesen Bläschen heraus ins Zellinnere kommt, ist bisher unbekannt.

„Lysosomen-Schleuse“ defekt


Bei der sehr seltenen angeborenen CblF-Krankheit ist genau diese „Lysosomen-Schleuse“ defekt, das heißt, Vitamin B12 gelangt zwar in die Membranbläschen, bleibt dort aber stecken und schafft es nicht weiter bis ins Zellinnere. Dies führt schon im Säuglingsalter zu Entzündungen der Zunge und der Mundschleimhaut, Gedeihstörungen und Blutarmut. Unbehandelt ist diese Erbkrankheit sogar tödlich.

In seine Studie hat das Forscherteam, bestehend aus Kinderärzten, Genetikern und Biologen aus Deutschland, Frankreich, Kanada und der Schweiz, insgesamt zwölf Patienten mit dieser seltenen Erkrankung einbezogen.


Obwohl die Patienten aus unterschiedlichsten Ländern der Welt kamen, konnten die Wissenschaftler mit Hilfe von DNA-Mikrochips einen winzigen Abschnitt in ihrer Erbinformation identifizieren, der bei nahezu allen diesen Patienten identisch war und einen Defekt in einem ganz bestimmten Gen aufwies.

Eiweiß für Vitamin B12-Ausschleusen verantwortlich


Demnach mussten die Patienten alle verwandt sein und vor nicht mehr als acht bis neun Generationen einen gemeinsamen Vorfahren gehabt haben, der die krankmachende Erbinformation an seine ahnungslosen Nachfahren weitergegeben hat.

Das bei allen betroffene Gen codiert LMBD1, ein bisher nur unzureichend bekanntes Eiweiß, das die Wissenschaftler in den Lysosomen menschlicher Hautzellen nachweisen konnten. Fügten sie LMBD1 den defekten Patientenzellen zu, so wurde der CblF-Defekt ausgeglichen. Daraus zogen die Forscher den Schluss, dass das Eiweiß offensichtlich für das Ausschleusen von Vitamin B12 aus den Lysosomen verantwortlich ist.

Weitere Forschung nötig


Mit diesen Untersuchungen konnten die Wissenschaftler nicht nur die Ursache der seltenen CblF-Erkrankung nachweisen, sondern auch ein neues lysosomales Transport-Eiweiß identifizieren. Damit wurde ein wichtiger weiterer Schritt im komplexen Vitamin B12-Stoffwechselweg aufgeklärt. In weiteren Untersuchungen widmen sich die Forscher nun dem genauen Prozess des Cobalamin-Transportes durch die Lysosomen.
(idw - Universitätsklinikum Münster, 21.01.2009 - DLO)
 
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