Neuer Datensatz soll helfen, das zukünftige Klima besser vorherzusagen Meerestemperaturen der letzten Eiszeit enträtselt - scinexx | Das Wissensmagazin
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Neuer Datensatz soll helfen, das zukünftige Klima besser vorherzusagen

Meerestemperaturen der letzten Eiszeit enträtselt

Wissenschaftler haben mithilfe eines neuen Ansatzes die Meeresoberflächentemperaturen vor rund 21.000 Jahren rekonstruiert und so eine Klimakarte für die letzte Hocheiszeit erstellt.

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Mit solchen Rekonstruktionen lässt sich aber auch die Genauigkeit von Klimamodellen überprüfen, die zur Simulation des zukünftigen Klimas verwendet werden, so die Forscher um Professor Michal Kucera, André Paul sowie Professor Ralph Schneider und Mara Weinelt von den Universitäten Tübingen, Bremen und Kiel im Wissenschaftsmagazin „Nature Geoscience“.

Die neuen Erkenntnisse und die Ergebnisse der Klimamodelle zeigen in der globalen Absenkung der eiszeitlichen Meeresoberflächentemperaturen eine gute Übereinstimmung. Dies ist ein Zeichen dafür, dass Klimaforscher die Empfindlichkeit des globalen Wärmehaushalts gegenüber Änderungen der Treibhausgaskonzentration in der Atmosphäre mittlerweile gut beschreiben können.

Meerestemperaturen der Eiszeit im Visier

Die erste globale Rekonstruktion eiszeitlicher Meeresoberflächentemperaturen wurde in den 1970er und 1980er Jahren im Rahmen des CLIMAP-Projektes – Climate: Long range Investigation, Mapping, and Prediction – durchgeführt.

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Einen ersten Vorstoß diese 30 Jahre alte Klimakarte zu aktualisieren, unternahm das deutsche GLAMAP-Projekt Ende der 1990er Jahre, allerdings nur für den Atlantischen Ozean. Die Mitglieder des Margo-Projektes (Multiproxy Approach for the Reconstruction of the Glacial Ocean surface), ein internationaler Zusammenschluss von Experten auf dem Gebiet der Klimarekonstruktion, haben nun die längst fällige globale Überarbeitung vorgelegt.

„Wenn man CLIMAP mit der Erfindung des Autos vergleichen kann, dann hat es MARGO nun mit einem zeitgemäßen und leistungsfähigen Motor ausgestattet“, beschreibt Kucera die Leistung des MARGO-Wissenschaftlerstabs.

Karte der Hocheiszeit vorgelegt

Die auf insgesamt 696 einzelne Temperaturrekonstruktionen gestützte Karte der Hocheiszeit vor rund 21.000 Jahren zeigt eine Reihe robuster Befunde: So wurde beispielsweise die stärkste Abkühlung im nördlichen Nordostatlantik, die sich bis hinein ins westliche Mittelmeer fortsetzte, ermittelt.

Die beste Übereinstimmung zeigen die tropischen Rekonstruktionen, die im Unterschied zu früheren Daten auf ausgeprägte Unterschiede zwischen Atlantik, Indik und Pazifik schließen lassen sowie auf eine jeweils stärkere Abkühlung auf der Ostseite hindeuten. Insgesamt beträgt die Bandbreite der Klimaempfindlichkeit auf Grundlage der neuen MARGO-Synthese zwischen 1°C und 3,6°C.

Vergleich mit Modellsimulationen

Die MARGO-Klimarekonstruktion wird bereits von Klimamodellierern genutzt, um sie mit ihren Modellsimulationen eingehend zu vergleichen. Der nächste Schritt müsse nun die Klärung der teilweise sehr auffälligen regionalen Unterschiede zwischen der Klimarekonstruktion und den Modellsimulationen sein, so die beteiligten Wissenschaftler.

Hierin biete sich die große Chance, die komplexen Computermodelle zu testen und zu verbessern, die auch zur Vorhersage des Klimawandels des 21. Jahrhunderts eingesetzt würden.

Akribische Kleinarbeit

Fast sieben Jahre hat es bis zum Erfolg des Projektes gedauert. In akribischer Kleinarbeit ist der umfangreiche Datensatz einer rigorosen Qualitätskontrolle unterzogen worden.

„MARGO ist ein internationales Projekt mit einem besonderen Geist, in dem alle Beteiligten von der wissenschaftlichen Notwendigkeit, eine neue Klimakarte für die letzte Hocheiszeit zu schaffen, so überzeugt waren, dass sie es mit viel Begeisterung und zähem Erfolgswillen über viele Jahre ohne direkte finanzielle Förderung verfolgt haben – etwas, was mit den heute vorhandenen Förderinstrumenten und unter dem Zwang schneller Veröffentlichungen immer kleinerer Teilresultate sonst kaum mehr vorstellbar ist“, so Paul.

(idw – Universität zu Kiel, 20.01.2009 – DLO)

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