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Freitag, 20.01.2017
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Neues Haarausfall-Gen erklärt Glatzen bei Vater und Sohn

Zweite Erbgut-Region identifiziert, die für Haarverlust verantwortlich ist

Wissenschaftler aus Bonn und Düsseldorf haben ein neues wichtiges Haarausfall-Gen entdeckt, das die Ähnlichkeiten in der Hauptbehaarung zwischen Vater und Sohn erklärt. Die Forscher untersuchten in ihrer Studie mehr als 500.000 Stellen im menschlichen Erbgut. Dabei stießen sie auf eine Genvariante, die bei kahlköpfigen Männern deutlich häufiger vorkommt als bei Kontrollpersonen. Die Forscher berichten über ihre Ergebnisse in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift „Nature Genetics“.
Haarausfall ist oft genetisch bedingt, aber auch Stress trägt dazu bei

Haarausfall ist oft genetisch bedingt, aber auch Stress trägt dazu bei

Die Forscher haben im Rahmen ihrer Untersuchung das Erbgut von knapp 300 Männern mit starkem Haarausfall genauer unter die Lupe genommen. An zwei Stellen im Genom ihrer Probanden stimmte die Erbinformation bei kahlköpfigen Männern auffällig häufig überein - ein deutlicher Hinweis darauf, dass die dort liegenden Gene etwas mit dem Haarverlust zu tun haben.

„In einer dieser auffälligen Regionen liegt das Gen für den Androgen-Rezeptor“, erklärt Dr. Axel Hillmer vom Forschungszentrum Life&Brain der Universität Bonn. „Wir wussten bereits aus einer vorherigen Studie, dass der Rezeptor beim Haarverlust eine Rolle spielt. Die andere Stelle ist aber neu.“

Neue Möglichkeiten für die Therapie?


Es ist erst die zweite Erbgut-Region, die zweifelsfrei mit dem vorzeitigen Haarverlust in Verbindung gebracht werden kann. „Wir versuchen nun herauszufinden, welche Funktion das betroffene Gen beim Haarwachstum übernimmt“, sagt der Bonner Wissenschaftler Dr. Felix Brockschmidt. „Erst dann werden wir wissen, ob sich hierdurch neue Möglichkeiten für die Therapie des männlichen Haarausfalls ergeben.“


An der Untersuchung waren die Teams von Professor Dr. Markus Nöthen vom Institut für Humangenetik und Life & Brain-Zentrum der Universität Bonn sowie Dr. Roland Kruse vom Universitätsklinikum Düsseldorf beteiligt. Über mehrere Jahre hatten die Wissenschaftler bundesweit Blutproben von Betroffenen gesammelt. Die Forscher konnten ihren Befund inzwischen bei weiteren betroffenen Männern aus Deutschland und Australien bestätigen.

Ist der Vater kahl, ist auch der Sohn gefährdet


Die Ergebnisse zeigen, dass mehrere Gene an der Entwicklung des männlichen Haarausfalls beteiligt sind. Interessant sind die Befunde auch für die Vererbungswege: So liegt das zuvor einzige bekannte Risiko-Gen für den Androgenrezeptor auf dem X-Chromosom. Es wird also von der Mutter vererbt - daher schlagen Männer in punkto Haarausfall oft nach ihrem Großvater mütterlicherseits.

Das neu entdeckte Gen liegt dagegen auf Chromosom 20 und kann sowohl von der Mutter als auch vom Vater vererbt werden. „Dadurch lassen sich Ähnlichkeiten zwischen Vater und Sohn erklären“, erklärt Nöthen.

Die Wissenschaftler vermuten, dass für den vorzeitigen Haarverlust noch weitere Gene verantwortlich sind. Für die Fortsetzung ihrer Studie suchen sie nach weiteren Probanden. „Teilnehmen können Männer unter 40 Jahren mit weit fortgeschrittenem Haarausfall“, sagt Kruse. „Als Kontrollen suchen wir zudem Männer über 60 Jahre mit vollem Haar. Alle Teilnehmer erhalten eine Aufwandsentschädigung.“
(idw - Universität Bonn, 13.10.2008 - DLO)
 
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