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Donnerstag, 25.05.2017
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Auch Bäche und Flüsse speien Treibhausgase

Erstmals CO2-Ausstoß von Fließgewässern geschätzt

Seit Jahren messen weltweit Wissenschafter den CO2-Ausstoß in die Atmosphäre, um Prognosen über den Temperaturanstieg zu erstellen. Das CO2 von Fließgewässern blieb dabei unberücksichtigt – bis jetzt. Denn Wiener Forscher haben nun erstmals die Treibhausgas-Menge von Flüssen geschätzt und nach dem Grund für die Freisetzung geforscht. Ergebnis: Alle Fließgewässer weltweit - Bäche, Flüsse und Flussmündungen - „pusten“ jährlich fast eine Gigatonne Kohlenstoff in Form von CO2 in die Luft.
Fließgewässer in Alaska

Fließgewässer in Alaska

Diese Menge entspricht dem CO2, das alle Menschen gemeinsam pro Jahr ausatmen, so die Wissenschaftler in der aktuellen Online-Ausgabe des Fachmagazins „Nature Geoscience“. Die fossilen CO2-Emissionen, hauptsächlich verursacht durch Industrie und Verkehr, betragen dagegen etwa sieben Gigatonnen pro Jahr.

„In diesen globalen Kohlenstoffkreisläufen wurde immer auch von der Veratmung von Kohlenstoff in den Ozeanen gesprochen, nicht jedoch von jenen in den Fließgewässern. Die neue Erkenntnis, dass Fliessgewässer, inklusive Ästuare, so viel CO2 ausstoßen, sorgt für einen markanten Paradigmenwechsel", erklärt Tom Battin, Limnologe am Department für Limnologie und Hydrobotanik der Fakultät für Lebenswissenschaften der Universität Wien.

Bioreaktiver Kohlenstofftransport in Flüssen


„In der Studie, die ich mit Kollegen von renommierten internationalen Instituten durchführte, haben wir nun die Frage gestellt, wie Fliessgewässer derartig viel organischen Kohlenstoff zu CO2 umwandeln können. Bis vor kurzem wurden sie noch ausschließlich als 'Transportwege' von terrestrischem Kohlenstoff zum Meer gesehen“, so Battin.


Darüberhinaus vermuteten Wissenschaftler, dass terrestrischer Kohlenstoff, der bis zu hundert Jahren in Böden gespeichert war, schlecht für Mikroorganismen in Gewässern verfügbar ist. Doch dass dieser Transportweg auch ein „bioreaktiver Ort“ für diesen Kohlenstoff ist, wurde lange Zeit übersehen und deshalb bisher weder in Klimareports noch in Berechnungen des globalen Kohlenstoffkreislauf berücksichtigt, so Battin.

Weltweites Flussnetzwerk ist ein Metaökosystem


Die Wissenschaftler gehen in ihrem Erklärungsansatz von einem Flussnetzwerk als Metaökosystem aus: „Alle aquatischen Ökosysteme, vom Gebirgsbach bis zum Mündungsgebiet ins Meer, fügen sich zu einem Metaökosystem zusammen, in dem terrestrischer Kohlenstoff vermehrt und wiederholt abgebaut und veratmet werden kann.“, erklärt Battin.

„Das wesentliche Novum besteht darin, dass sich durch unsere Arbeit ein neues Forschungsgebiet für integrative, aquatische Wissenschaften insgesamt auftut: CO2-Emissionen aus dem Metaökosystem der Fließgewässer“, so Battin abschließend.
(idw - Universität Wien, 22.01.2008 - DLO)
 
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