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Donnerstag, 27.07.2017
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Klima nicht schuld am Ende der Neanderthaler

Keine Korrelation von Klimaumschwüngen und Aussterbezeitpunkt

Warum starben die Neanderthaler aus? Bis heute ist diese Frage nicht vollständig beantwortet. Zur Debatte stehen klimatische Ursachen oder aber die Konkurrenz des modernen Menschen. In einer in „Nature“ veröffentlichten Studie weisen Paläoökologen nun nach, dass das Aussterben des Neanderthalers zeitlich nicht mit extremen Klimaumschwüngen korreliert. Das Klima könne daher bestenfalls eine Konkurrenz verschärft haben, nicht aber Ursache des Aussterbens gewesen sein, so die Forscher.
Frühmensch

Frühmensch

Rund 400 Knochen von Neanderthalern sind gefunden worden seit der ersten Entdeckung dieser Menschenart im frühen 19. Jahrhundert. Der „Vetter“ des modernen Menschen besiedelte Europa und Teile Westasiens mehr als 100.000 Jahre lang. Selbst das harte Klima der Eiszeit überlebte er. Doch dann, vor rund 30.000 Jahren, verschwanden die Neanderthaler plötzlich. Sie starben aus. Aber warum? Genau diese Frage beschäftigt Paläontologen und Anthropologen nun schon seit fast hundert Jahren, aber eine endgültige Antwort gibt es bis heute nicht.

Konkurrenz oder Klima?


Zur Debatte stehen vor allem zwei mögliche Ursachen: Die Konkurrenz mit dem modernen Menschen und ein plötzlicher Klimaumschwung, an den die Eiszeitmenschen sich nicht schnell genug anpassen konnten. Eine neue Studie von Wissenschaftlern der Universität von Leeds hat eine dieser Theorien nun mithilfe neuer Datenauswertungen widerlegt.

„Bisher gab es drei limitierende Faktoren, die unser Verständnis für die Rolle des Klimas beim Aussterben des Neanderthalers begrenzten“, erklärt Chronis Tzedakis, Professor für Paläoökologie an der Universität von Leeds. „Unsicherheit über den exakten Zeitpunkt ihres Aussterbens, Probleme, Radiokarbondatierungen in exakte Jahreszahlen zu übersetzen und die chronologische Ungenauigkeit der paläoklimatologischen Daten.“


Drei alternative Datierungen für die gleichen Relikte


Die beiden letzten Probleme umgingen die Forscher, indem sie Radiokarbondaten direkt auf ein gut dokumentiertes paläoklimatologisches Archiv übertrugen. Als Grundlage nutzten sie dabei drei unterschiedliche Radiokarbon-Datensätze, die von Knochen aus der Gorham Höhle auf Gibraltar stammen - einem der Neanderthaler-Fundorte, die als die letzte „Zuflucht“ der aussterbenden Rasse gelten. Während der älteste dieser Datensätze die Knochen auf ein Alter von 30.000 bis 32.0000 Jahre datiert, ergaben die beiden jüngeren Radiokarbonwerte von 28.000 beziehungsweise 24.000 Jahren.

Neandertaler und Mensch

Neandertaler und Mensch

Die Paläoökologen glichen diese Daten nun mit den Klimadaten dieser Zeitperioden ab, um festzustellen, ob es damals Klimaumschwünge gegeben hat. Für die beiden ersten Datensätze, 30.000 du 28.000 Jahre konnte sie diese Annahme direkt widerlegen: Europa erlebte zu der Zeit relativ stabile Klimabedingungen, die denen der vorhergehenden Eiszeit glichen und die die Neanderthaler ohne Probleme überlebt hatten.

Klima bestenfalls als Konkurrenzverstärker


Etwas uneindeutiger waren die Ergebnisse für das jüngste Datum. Denn vor 24.000 Jahren standen die Eisdecken unmittelbar vor einer großen Ausdehnung und eine neue Kälteperiode brach über Europa herein. „Aber zu dieser Zeit war das Klima in Gibraltar noch relativ unverändert – möglicherweise als Folge eines Warmwasserstroms vom subtropischen Atlantik in das westliche Mittelmeer“, erklärt Isabel Cahco von der Universität von Barcelona, Mitarbeiterin der Studie.

Ihre Kollegin Katerina Harvati, Paläoanthropologin vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig ergänzt: „Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass es kein einzelnes klimatisches Ereignis war, dass das Ende der Neanderthaler verursachte. Nur die ohnehin umstrittene Datierung auf 24.000 Jahre trifft mit einem größeren Umschwung der Umweltbedingungen zusammen. Aber selbst in diesem Fall wäre die Rolle des Klimas allenfalls indirekt, als verstärkender Faktor für die Konkurrenz mit dem modernen Menschen.“
(University of Leeds, 13.09.2007 - NPO)
 
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