• Schalter wissen.de
  • Schalter wissenschaft
  • Schalter scinexx
  • Schalter scienceblogs
  • Schalter damals
  • Schalter natur
Scinexx-Logo
Logo Fachmedien und Mittelstand
Scinexx-Claim
Facebook-Claim
Google+ Logo
Twitter-Logo
YouTube-Logo
Feedburner Logo
Dienstag, 23.05.2017
Hintergrund Farbverlauf Facebook-Leiste Facebook-Leiste Facebook-Leiste
Scinexx-Logo Facebook-Leiste

Auch Vögel bevorzugen aktuelle Hits

Erstmals zeitliche „Moden“ in Vogelgesang nachgewiesen

Oldies sind out – auch bei Vögeln. Wenn es um die Partnerwahl geht, bevorzugen einige Singvogelweibchen offenbar Männchen, die die jeweils modernen Lieder trällern können. Umgekehrt sehen auch Männchen altmodische Gesänge ihrer Nachbarn kaum als Konkurrenz an. Diese jetzt in einer Studie gewonnenen Ergebnisse belegen erstmals, dass es nicht nur lokale Unterschiede, sondern auch zeitliche „Moden“ unter den Vogelgesängen gibt.
Dachsammer (Zonotrichia leucophrys)

Dachsammer (Zonotrichia leucophrys)

Die Biologin Elizabeth Derryberry von der Duke Universität testete die Reaktion von Weibchen der nordamerikanischen Dachsammer (Zonotrichia leucophrys) auf zwei unterschiedliche Aufnahmen von Gesängen ihrer männlichen Artgenossen. Die eine stammte aus dem Jahr 1979, die zweite aus de Jahr 2003. Zwischen beiden Gesangsvarianten existierten dabei nur geringe Unterschiede: Während die ältere Fassung mit einem etwas höheren Pfeifton begann und mit einer schnelleren Trillerabfolge endete, war die moderne Version etwas in das „Schnulzenfach“ abgerutscht: Sie begann tiefer und endete langsamer.

Weibchen fliegen auf „Hits“


Es zeigte sich, dass die Weibchen die moderne „Schnulze“ eindeutig bevorzugten: Erklang diese Fassung des Gesangs, wölbten sie ihren Rücken, erhoben Schwanz und Schnäbel und flatterten einladend mit den Flügeln – bei dieser Vogelart die klassische Einladung zur Paarung. Teilweise begannen die Vogelweibchen mit diesem Verhalten schon bevor der Gesang ganz abgespielt war. Erklang dagegen die ältere Variante des Balzrufs, fiel die Reaktion sehr viel lauwarmer aus. „Es ist nicht so dass sie gar nicht reagierten, es war nur offensichtlich viele weniger interessant für sie“, erklärt Derryberry.

Männchen ignorieren „Oldies“


In einem weiteren Versuch testete die Forscherin, ob auch die Männchen zwischen aktuellen „Hits“ und „Oldies“ unterscheiden. Dafür spielte Derryberry während der Paarungssaison im Frühjahr die beiden Gesangsvarianten in einem Gebiet ab, in dem die Territorien von 20 wild lebendenden Dachsammermännchen aneinander grenzten. Normalerweise reagieren die Männchen auf den in ihrem Revier erklingenden Balzruf eines Rivalen, indem sie zu ihm hinfliegen und ihn aus ihrem Territorium vertreiben. Auch hier jedoch löste die „Oldie-Variante“ kaum eine Reaktion aus. Erklang dagegen der moderne Gesang, begannen die Männchen sogleich, den vermeintlichen Eindringling zu suchen und versuchten ihn zu vertreiben.


Anpassung an Umweltveränderungen


Diese Versuche belegen erstmals, dass innerhalb einer Vogelart nicht nur lokal unterschiedliche Gesangsvarianten vorkommen, sondern dass auch über die Zeit charakteristische Veränderungen auftreten und erkannt werden. Interessanterweise beobachtete die Forscherin auch bei anderen Vogelarten im Untersuchungsgebiet die gleiche Tendenz zu tieferen Tönen und langsameren Tonfolgen. Nach Ansicht von Derryberry könnten diese Veränderungen – neben der sexuellen Selektion - auch auf eine Anpassung an die Umwelt zurückgehen: Die tieferen und langsameren Töne habe in dichtem Laub eine größere Reichweite als schnelle hohe Tonfolgen und tatsächlich nahm die Kronendichte im Untersuchungsgebiet in den letzten Jahren deutlich zu.
(Duke University, 11.07.2007 - NPO)
 
Printer IconShare Icon