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Sonntag, 26.03.2017
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„Dicke Luft“ über der Arktis

„Arctic Haze“ schuld an Rekordluftverschmutzung mit Aerosolen und Ozon

Die schlimmste Luftverschmutzung über der Arktis seit Beginn der Messungen in Ny-Ålesund auf Spitzbergen haben deutsche Wissenschaftler in der vergangenen Woche beobachtet. Die Messgeräte zeigten im Vergleich zu den normalen Bedingungen extrem hohe Aerosol-Konzentrationen an. Ursache: Durch eine besondere Großwetterlage Anfang Mai erreichten große Aerosolmengen aus Osteuropa die Atmosphäre über Spitzbergen.
Dunst über Spitzbergen

Dunst über Spitzbergen

Die sonst klare Luft über der deutsch-französischen AWIPEV-Forschungsbasis in Ny-Ålesund auf Spitzbergen war deutlich orange-braun gefärbt. "Die aktuelle Luftverschmutzung liegt um das Zweieinhalbfache über den Werten vom Frühjahr 2000. Als Folge erwarten wir eine deutlich höhere Erwärmung", erläutert Andreas Herber vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven.

Auch schwedische Kollegen aus dem Institut für angewandte Umweltwissenschaften (ITM) in Ny-Ålesund registrierten bis zu fünfzig Mikrogramm Aerosol pro Kubikmeter Luft - ein Wert, der sonst an belebten Straßen in Stadtgebieten erreicht wird – und bestätigten damit die Ergebnisse der deutschen Gruppe. Parallel verkündete das Norwegische Institut für Luftverschmutzung (NILU) extrem hohe Werte für Ozon in Bodennähe. Mit über 160 Mikrogramm Ozon pro Kubikmeter wurde dort die höchste Konzentration seit Einrichtung der Station im Jahre 1989 ermittelt.

Wieder klare Luft über Spitzbergen

Wieder klare Luft über Spitzbergen

Ursache für den diesjährigen Luftverschmutzungs-Rekord ist nach Angaben der Wissenschaftler eine besondere Wetterlage. Dadurch gelangten große Mengen der verschmutzten Luft aus Osteuropa in die sonst sehr saubere Arktis. Eine erhöhte Aerosolkonzentration wurde auch in den vergangenen Jahren jeweils im Frühjahr über der Arktis registriert. Dieses als "Arctic Haze" bezeichnete Phänomen war allerdings in diesem Jahr so stark wie noch nie ausgeprägt.


Beginn eines Trends?


Aerosole sind kleine Partikel in der Atmosphäre. Sie können flüssig oder fest sein und dienen als Kondensationskeime für die Wolkenbildung. Weiterhin können sie das Sonnenlicht streuen oder absorbieren. Diese Eigenschaften machen Sie zu wichtigen Einflussfaktoren für das Klimasystem.

Seit 1991 messen Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Instituts regelmäßig die Aerosolmenge in der Atmosphäre über Spitzbergen. In den letzten Jahren durchgeführte Messungen mit den Flugzeugen des Alfred-Wegener-Instituts dienen der weiteren Erforschung der Klimawirkung von Aerosolen.

"Ob wir hier den Beginn eines Trends sehen, können wir erst durch die Fortsetzung der begonnenen Messungen erkennen", kommentiert Herber die aktuellen Ergebnisse. Nun untersuchen die Wissenschaftler genauer den Ursprung und die chemische Zusammensetzung der Aerosole.

Die AWIPEV-Forschungsbasis in Ny-Ålesund wird gemeinsam vom deutschen Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI) und dem französischen Institut Polaire Paul Emile Victor (IPEV) betrieben. Es besteht aus der deutschen Koldewey- und der französischen Rabot-Forschungsstation.
(idw - Alfred-Wegener-Institut (AWI), 12.05.2006 - DLO)
 
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