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Freitag, 10.02.2012
Missgunst gibt es nur beim Menschen
Schimpansen zeigen weder Altruismus noch Boshaftigkeit
Menschen haben den stark ausgeprägten Wunsch einander zu helfen, aber teilen wir diesen Altruismus oder aber Missgunst und Boshaftigkeit auch mit unseren nächsten Verwandten, den Schimpansen? Dies haben jetzt Max-Planck-Forscher untersucht. Wie die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Proceedings of the Royal Academy berichten, verhielten sich die Schimpansen bei Fütterungs-Experimenten entgegen den Erwartungen weder selbstlos noch missgünstig. Beide Eigenschaften scheinen daher aus Sicht der Forscher ausschließlich menschliche Eigenschaften zu sein.

Schimpanse
Schimpanse
© IMSI MasterClips
Die Tiere wurden im Rahmen der Studie vor die Wahl gestellt, entweder anderen Schimpansen durch Ziehen an einem Seil zu Futter zu verhelfen oder das Futter stattdessen in einen leeren Raum zu befördern. In beiden Fällen ging der Schimpanse, der am Seil zog, selbst leer aus.

Ein selbstloser, altruistischer Schimpanse würde seinem Nachbarn das Futter zuschieben, auch wenn dies mit einem gewissen Aufwand verbunden ist. Ein boshafter Schimpanse hingegen, würde das Futter in den leeren Raum befördern, um zu verhindern, dass der Nachbar es bekommt.

"Meine Vermutung war, dass bei den Schimpansen die Missgunst siegt. Dass sie, wenn sie das Futter selbst nicht haben können, es auch keinem anderen gönnen.", so Keith Jensen vom Leipziger Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie. Im Laufe der Studie an Schimpansen im Leipziger Wolfgang-Köhler-Zentrum für Primatenforschung zeigte sich jedoch, dass die Schimpansen in 50 Prozent der Fälle gar nichts taten, also das Futter weder zum Nachbarn hin, noch vom Nachbarn weg zogen. In 25 Prozent der Fälle wurde das Futter zum Nachbarn, in 25 Prozent zum leeren Raum hin gezogen. Dies demonstrierte nach Meinung von Jensen und seinem Team, dass die Schimpansen weder selbstlos noch missgünstig handelten.

Kein Interesse an anderen Schimpansen
"Sie schienen einfach nicht auf den anderen Schimpansen zu achten. Ihr Interesse galt ausschließlich dem Futter, und sie konzentrierten sich auf nichts anderes. Sogar als sie herausgefunden hatten, dass sie selbst das Futter nicht bekommen können, verhalfen sie dem anderen Schimpansen nicht dazu, verhielten sich aber auch nicht boshaft.", so Jensen.

Menschen hingegen sind eindeutig altruistisch veranlagt. Sie spenden Blut, sie spenden Geld für wohltätige Zwecke und helfen Fremden. Diese Art von Altruismus wurde bisher bei keinem anderen Tier entdeckt und einige Forscher denken, dass die Selbstlosigkeit eine der Eigenschaften ist, die uns zum Menschen machen. Jensen behauptet, dass Boshaftigkeit eine ebenso wichtige und ausschließlich menschliche Eigenschaft sein könnte. Durch sie wird kooperatives Verhalten gefördert, indem beispielsweise Betrüger bestraft werden.

"Andere zu bestrafen ist für die bestrafende Partei meist mit einem gewissen Aufwand verbunden. Vom Steuerzahler bis zum Ausarbeiten von Gesetzen; eine Bestrafung bei Zuwiderhandlungen ist aus der modernen Gesellschaft nicht wegzudenken. Die Menschen bestrafen Diebstahl, Mord und zahlreiche andere Verbrechen, damit die Gesellschaft im Gleichgewicht bleibt. Vielleicht ist die menschliche Gesellschaft, was sie ist, weil es Boshaftigkeit gibt und den Mechanismus, Betrüger zu bestrafen.", so Jensen.

Eigenschaften erst in den letzten sechs Millionen Jahren entstanden
Wenn Selbstlosigkeit und Boshaftigkeit auf den Menschen beschränkt sind und beim Schimpansen nicht vorkommen, dann ist es wahrscheinlich, dass diese Eigenschaften sich im Laufe der letzten sechs Millionen Jahren herausgebildet haben, seit sich die stammesgeschichtlichen Wege von Mensch und Schimpanse getrennt hatten.

Die intensive Anteilnahme, im positiven wie auch negativen Sinne, die Menschen aneinander nehmen, könnte einen wichtigen Beitrag geleistet haben zu unserer Fähigkeit, miteinander zu kooperieren, zu unserem Sinn für faires Handeln und zu den Moralvorstellungen, die unsere Gesellschaft heute definieren.
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